Die Erfahrungen anderer Länder mit sehr günstigem oder kostenlosem Nahverkehr decken sich mit jenen in Deutschland zum 9-Euro-Ticket. Die Fahrgastzahlen steigen, was auch zu Problemen führt: volle Busse und Bahnen, weniger Komfort. Wer nur die Preise senkt, springt zu kurz.

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Wir erinnern uns: Auch in Deutschland war das Fahren mit Bus und Bahn mal richtig billig. Vom 1. Juni bis zum 31. August 2022 gab es das bundesweit gültige 9-Euro-Ticket. Das befristete Sonderangebot im Nahverkehr sollte als Entlastung für Vielfahrer dienen, aber auch neue Kundinnen und Kunden an den öffentlichen Nahverkehr heranführen. Es war eine Reaktion auf die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.

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Je nach Perspektive fiel die Bilanz unterschiedlich aus: Für die einen war das Ticket eine teure Angelegenheit und dabei relativ ineffizient für den Klimaschutz. Nur etwa fünf Prozent der Autofahrer stiegen auf den öffentlichen Bus- und Bahnverkehr um. Für andere wiederum war es aufgrund der stark gestiegenen Fahrgastzahlen ein probates Mittel zur Stärkung des Grundrechts auf Mobilität. Dass das Sonderangebot zu teils chaotischen Verhältnissen auf den Bahnsteigen und in Zügen geführt hatte, war für sie der Beweis dafür, dass das Ticket seinen Sinn erfüllt hatte.

Kai Wiedermann, Redakteur im Ressort Ratgeber/Wissen
Kai Wiedermann, Redakteur im Ressort Ratgeber/Wissen.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Günstige Preise im Nahverkehr locken tatsächlich Kundinnen und Kunden an. Doch Studien zu Klimaschutz und Verkehrswende zeigen, was es bräuchte, um kurzfristige Erfolge zu konservieren: Verlässlichkeit und Bequemlichkeit. Ein Angebot, das vor allem durch Verspätungen oder Ausfälle von sich reden macht, ist kontraproduktiv. Wir brauchen auf Dauer moderate Preise und Investitionen in die Netze. Ohne geht es nicht.