Die Toskana ist bekannt für ihre idyllischen Hügel, Weinberge und weißen Sandstrände. Doch die beliebte Urlaubsregion birgt auch weitgehend unbekannte Schätze unter der Erde, wie nun im Rahmen einer neuen Studie unter Leitung der Universität Genf bekannt wurde. Demnach entdeckten Forscher gewaltige Magmaansammlungen in Tiefen zwischen 8 und 15 Kilometern unter den geothermischen Gebieten von Larderello und dem Berg Amiata.

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„Diese Entdeckung ist außergewöhnlich. Wir wussten zwar, dass die Toskana geothermisch aktiv ist, aber solch große magmatische Reservoire waren kaum vorstellbar“, sagt Matteo Lupi von der Universität Genf, der die Studie leitete. In den gefundenen Kammern schlummern etwa 5000 Kubikkilometer Magma. Zum Vergleich: Der gesamte Bodensee umfasst gerade einmal circa 50 Kubikkilometer Wasser.

An der Forschung beteiligt waren zudem das italienische Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV), das Forschungsinstitut CNR sowie die Universitäten von Mailand und Florenz. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ veröffentlicht.

Magmareservoire so groß wie in Yellowstone

Laut den Forschern bewegen sich die unterirdischen Magmareservoire in Dimensionen, die mit großen magmatischen Systemen wie den Supervulkanen Yellowstone (USA), Toba (Indonesien) oder Taupo (Neuseeland) vergleichbar sind. Bemerkenswert ist dabei, dass es von außen – anders als bei anderen Supervulkanen – keinen Hinweis auf den schlafenden Riesen gibt. Warum das enorme Magmavolumen bislang nie zu einem Vulkanausbruch geführt hat, ist unter Wissenschaftlern noch ungeklärt.

Möglich wurde die Entdeckung durch eine innovative Methode, die sogenannte Umgebungsrauschtomografie, über die natürliche Schwingungen analysiert werden können. Rund 60 seismische Sensoren lieferten dabei Daten, mit denen Forschende eine Art „Röntgenbild“ der Erdkruste erstellen konnten.

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Vulkane treiben Energiewende voran

Die Methode könnte sich als zentrales Instrument für die Energiewende in der Region erweisen. Denn: Die Entdeckung der großen Magmaansammlungen in der Toskana ist nicht nur wissenschaftlich bedeutsam. Die enorme Hitze der Reservoire könnte künftig stärker für die Gewinnung erneuerbarer Energie genutzt werden. Derzeit gewinnt die Toskana rund 915 Megawatt aus Geothermie; künftig soll die Produktion auf bis zu 40 Prozent des Energiebedarfs steigen. Der Energieversorger Enel betreibt inzwischen 37 Geothermiekraftwerke in der Region und deckt damit knapp ein Drittel des Stromverbrauchs der Toskana ab.

Zudem enthalten die Magmavorkommen wertvolle Rohstoffe wie Lithium oder Seltene Erden – entscheidende Elemente für Batterien, Elektronik und grüne Technologien. Damit eröffnet sich unter der Toskana ein bislang unsichtbarer natürlicher Schatz, der künftig eine strategische Rolle für die Energieversorgung und Hightech-Industrie spielen könnte.

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Larderello in Italien ist Hauptstadt der Geothermie

Dass sie auf großen Magmaansammlungen sitzen, ist für die Einwohner von Larderello somit nichts Neues. Sie kennen die Auswirkungen der Erdwärme sehr gut. Der rund 800-Einwohner-Ort gilt als Italiens Hauptstadt der Geothermie. Wissenschaftler und Techniker aus aller Welt kommen hierher, um zu erforschen, wie sich aus der Erde Elektrizität und Wärme gewinnen lassen.

Die Energie aus großer Tiefe konzentriert sich in der Gegend vergleichsweise nah an der Erdoberfläche. Bereits 1904 wurde in Larderello das erste geothermische Kraftwerk der Welt errichtet, seit 1913 wird dort Strom erzeugt. Heiße Wasserfontänen schießen aus der Erde, zahlreiche Tümpel und Teiche wurden durch Thermalquellen geformt. 1931 wurden zusätzliche Dampfbrunnen zur Energiegewinnung gebohrt. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung zählen die Anlagen heute zu den größten Erdwärmekraftwerken der Welt.