Mitunter ereignen sich auch im wissenschaftlichen Alltag außergewöhnliche Entdeckungen. Archäologen ist es gelungen, eines der bedeutendsten Siegel Englands wiederzufinden: das Saint-Denis-Siegel ist wieder da. Es wird Eduard dem Bekenner zugeschrieben und stammt aus dem 11. Jahrhundert nach Christus.

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Vier Jahrzehnte lang war das Siegel verschollen. In den 1980er Jahren verschwand es spurlos aus den Archives Nationales, wo es zuvor zwei Jahrhunderte lang aufbewahrt worden war. Der Verlust dieses bedeutenden Artefakts hatte unter Historikern international große Bestürzung ausgelöst, da es sich um eines der zentralen Siegel der englischen Geschichte handelt.

Im Rahmen neuer Recherchen konnte das wertvolle Wachsexemplar schließlich von einem Kurator und einem Doktoranden wiederentdeckt werden. Es befand sich in einer Sammlung abgelöster und beschädigter Siegel, ohne dass seine Existenz dort zuvor dokumentiert worden war. Mit dem Fund erhielten Guilhem Dorandeu und Levi Roach von der University of Exeter die Möglichkeit, eine detaillierte wissenschaftliche Untersuchung durchzuführen, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Early Medieval England and its Neighbours“ veröffentlicht wurden.

Bei dem Objekt handelt es sich um ein sogenanntes Anhängesiegel, also einen zweiseitigen Wachsabdruck, der mittels einer Schnur oder eines Bandes an ein Dokument befestigt wurde. Solche Siegel dienten der Beglaubigung offizieller Schriftstücke und bestätigten deren Authentizität sowie rechtliche Verbindlichkeit.

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Einzigartiges Zeugnis aus dem mittelalterlichen England

Die Analyse zeigte, dass der letzte angelsächsische König Englands bei der Gestaltung des Siegels gezielt sowohl byzantinische als auch kontinentaleuropäische Einflüsse integrierte, was auf eine bewusste symbolische und politische Ausrichtung schließen lässt.

Das Siegel wird von den Forschenden als herausragendes historisches Zeugnis bewertet. Als einzig erhaltenes, intaktes Siegel aus der Zeit vor der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 kommt ihm eine besondere Bedeutung zu. Es eröffnet die seltene Möglichkeit, sowohl seine Ikonografie detailliert zu analysieren als auch seine Funktion in den diplomatischen Prozessen des mittelalterlichen England zu rekonstruieren. Zudem erlaubt der heutige Stand der Technik, bislang unbeantwortete Fragestellungen erneut aufzugreifen, wie Levi Roach hervorhebt.

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Im Zentrum der Untersuchung stand unter anderem die Inschrift „Anglorum basileus“, wobei der Begriff basileus traditionell als Titel des byzantinischen Kaisers verwendet wurde. Auch die Darstellung eines Schwertes weist Parallelen zu zeitgenössischen byzantinischen Münzen auf, auf denen Herrscher wie Konstantin der Große mit vergleichbarer Symbolik abgebildet sind.

Diese Übereinstimmungen deuten auf eine bewusste Adaption byzantinischer Bildtraditionen hin, von denen sich Eduard der Bekenner in seiner Herrscherzeit inspirieren ließ.