Unter Alleinstehenden in Japan ist die Stimmung dieser Tage oft nicht die beste. Man fühlt sich diskriminiert, wie in sozialen Medien immer wieder zu lesen ist. Bestraft werde man fürs Singlesein. Denn seit Anfang April ist das Leben als Single ein bisschen teurer: 250 Yen (rund 1,40 Euro) müssen fortan zusätzlich über Sozialabgaben abgeführt werden, damit auf diese Weise Sozialleistungen für junge Familien finanziert werden.

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Als „Singles-Steuer“ hat die neue Maßnahme, die schon vom 2024 zurückgetretenen Ex-Premier Fumio Kishida auf den Weg gebracht wurde, längst einen infamen Ruf erhalten. Die Klage, die aus diesem Namen spricht: Wer keine Kinder hat – aus welchen Gründen auch immer – müsse nun büßen. Und dies in Zukunft wohl umso mehr. Denn die Abgabe soll sich noch erhöhen.
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Fallende Geburtenrate: Japan will Kinderkriegen attraktiver machen
Die Maßnahme ist der fast schon verzweifelte Versuch der japanischen Regierung, die Menschen zum Kinderkriegen zu animieren. Seit mittlerweile Jahrzehnten fällt die Geburtenrate im ostasiatischen Land. Längst hat dies auch zur Folge, dass die Bevölkerung schrumpft. Seit 2009, als in Japan rund 128 Millionen Menschen lebten, hat die Bevölkerungszahl um etwa fünf Millionen abgenommen. Allein 2024 betrug der Rückgang um 900.000 Personen.
Und das macht die Regierung – und die Wirtschaft – nervös. Denn wenn die Bevölkerung abnimmt, wird auch weiteres Wirtschaftswachstum schwieriger. In einem Land, in dem die Zahl der Produzentinnen und Konsumenten sinkt, werden nämlich tendenziell nicht nur weniger Güter und Dienstleistungen nachgefragt. Bei dieser Aussicht zögern oft auch Unternehmen, zu investieren. Dies ist ein wichtiger Grund, warum Japans Volkswirtschaft seit rund drei Jahrzehnten unterm Strich nicht gewachsen ist.
Die neue Abgabe soll einen Teil dazu beitragen, den Bevölkerungstrend umzukehren. Denn schon lange gilt als großes Problem, dass die Kindererziehung so teuer ist. Neben der Schule ist es im ostasiatischen Land üblich, seine Kinder noch zur täglichen Nachhilfe zu schicken, was oft einige Hundert Euro pro Monat kostet. Dabei hat bisher schon der offizielle Schulbesuch oft viel Geld gekostet.

Frauendiskriminierung auf japanischem Arbeitsmarkt: Maßnahmen sollen helfen
Auch hier hat die Regierung kürzlich aber deutliche Subventionen auf den Weg gebracht. Laut offiziellen Umfragen müssen Eltern bisher rund 21,7 Millionen Yen (etwa 119.000 Euro) für ein Kind ausgeben, bis es erwachsen ist. Diese hohen Kosten schmerzen im ostasiatischen Land doppelt, weil Frauen am Arbeitsmarkt oft diskriminiert werden. Arbeitgeber investieren kaum in deren Weiterbildung, in Erwartung, dass sie bei Schwangerschaft ohnehin ausscheiden würden.
So sehen sich Frauen heute oft vor der Entscheidung, ob sie Kinder oder Karriere wollen. Beides geht meist nicht. Aber das soll sich ändern. Ex-Premier Kishida hatte schon 2023 „Maßnahmen noch nicht gesehenen Ausmaßes“ versprochen, um die Familiengründung endlich zu erleichtern. Auch eine Erhöhung des Kindergelds wurde versprochen, ebenso wie eine Ausweitung der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten, damit möglichst beide Eltern erwerbstätig sein können – was bei der schon lange von Arbeitskräftemangel geprägten Wirtschaftslage auch einen Impuls für den Arbeitsmarkt bringen soll.
Die zusätzlichen Kitakapazitäten sollen nun eben durch die „Singles-Steuer“ finanziert werden. Wobei der Begriff streng genommen irreführend ist. Denn abführen müssen die Abgabe auch Personen, die längst selbst Kinder haben. Allerdings genießen sie auch die Mittel aus dem Topf – während die Kinderlosen bloß einzahlen. Kritik daran, dass dies ungerecht sei, könnte man mit dem Argument begegnen, dass nun mal nur diejenigen, die Kinder großziehen, auch Kosten zu schultern haben und Unterstützung verdienen.
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Irreführender Name der „Singles-Steuer“: „In den falschen Hals bekommen“
Aber das sieht nicht jeder so. Denn viele Menschen im Land hätten gern einen Partner und Kinder, bleiben aber auch wegen der hohen Erziehungskosten allein. Wer in Japan ein geringes Einkommen hat, ist mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unverheiratet. Hinzu kommen Personen, die nicht heterosexuell sind – auch sie können sich nun diskriminiert fühlen. Dieser Unmut hat in sozialen Medien zur Bezeichnung „Singles-Steuer“ geführt.
Hierzu analysiert wiederum das Businessmedium Bloomberg: „Der Name ist ein Grund, warum dem Vorhaben trotz des geringen Umfangs so viel Wut entgegenschlägt. Einige haben es als Strafzahlung für die Unverheirateten in den falschen Hals bekommen.“ Das ist gerade in der aktuellen Zeit eine heikle Diskussion. Denn während Japans Wirtschaft stagniert, sinken inmitten der Inflation die Realeinkommen. So hat die Abgabe einen schweren Start. Und Erhöhungen des Satzes dürften weitere Aufschreie provozieren.
Etwas eleganter versuchen seit einiger Zeit Lokalregierungen, ihre Einwohner zum Kinderkriegen zu animieren. Vor einigen Jahren etwa machte die Stadt Akashi an der Südküste Schlagzeilen, weil sie Eltern Gratiswindeln anbietet, solange es nötig ist, sowie gebührenfreie Gesundheitsversorgung. Auch diese Leistungen sind zwar durch die Allgemeinheit finanziert. Aber dies fällt weniger auf, da das Geld dafür nicht offen von den Konten der Menschen eingezogen wird.






