In Salzgitters Süden trat vor einigen Tagen ein menschlicher Abgrund zutage. Und mit jedem Tag der Ermittlungen wird er tiefer. Eine dreiköpfige deutsche Familie sitzt in Untersuchungshaft. Der Ehemann O. (49), die Mutter D. (62) und ihre Tochter J. (28). Die drei sind dringend verdächtig, eine 32 Jahre alte Frau „über Monate“ auf sadistische Weise gequält und misshandelt zu haben, so die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Rede ist von Nägeln, einer Rohrzange, einem Bunsenbrenner.

Recherchen der Braunschweiger Zeitung, die wie diese Redaktion zur FUNKE Mediengruppe gehört, deuten darauf hin: Der Folterfall könnte weitaus größer sein als bisher bekannt. Teil für Teil setzt sich ein Puzzle zusammen – aus Aussagen, Videos und Beobachtungen im Viertel. Zeugen beschreiben ein System aus Kontrolle, Erniedrigung und Gewalt. Nicht über Monate – sondern Jahre. Eine junge Frau, die sich daraus nicht lösen konnte. Bis es vollends aus dem Ruder lief.

Spuren der Gewalt waren in Salzgitter lange sichtbar

Bisher ist das alles nur ein Verdacht. Dieser Hinweis ist wichtig: Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen stünden „erst am Anfang“. Details gibt die Behörde nicht heraus. Doch die Geschichte hat sich längst verselbständigt. Es gibt Augenzeugen, Filme – und viele Fragen. Der „halbe Stadtteil“ soll von der Gewalt gewusst oder sie mindestens erahnt haben.