Eigentlich hätte Fabian Tan längst wieder zu Hause in Berlin sein sollen. Nun sitzt er den zehnten Tag in Folge mit seiner Partnerin und der gemeinsamen Tochter in Katar fest, genau genommen auf dem TUI-Kreuzer „Mein Schiff 5“. Was zunächst wie eine kurze Verzögerung klang, hat sich inzwischen zu einer zermürbenden Hängepartie entwickelt. Denn seit Israel und die USA die Angriffe auf den Iran gestartet haben, ist die Lage im Nahen Osten so angespannt wie nie. Der Iran feuert Raketen auf mehrere Länder ab, in denen sich US-Basen befinden. Auch Katar steht unter Beschuss.

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Fabian Tan arbeitet bei der FUNKE Mediengruppe, zu der auch diese Redaktion gehört, als Softwareentwickler. Wann er seinen Job wieder antritt, weiß im Moment niemand. „Gedulden Sie sich bitte“, ist der Satz, den er in diesen Tagen immer wieder hört. Von Behörden, von Organisatoren, von Verantwortlichen. Jeden Morgen wacht die Familie mit neuer Hoffnung auf. Vielleicht gibt es heute eine Liste. Vielleicht dürfen sie heute endlich nach Hause. Doch jeden Tag wird diese Hoffnung wieder zunichtegemacht.

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Evakuierung aus Doha: Sonderflüge gibt es nur ab Riad in Saudi-Arabien

Der Heimflug sollte bereits am 28. Februar stattfinden. Die Familie hatte ihre Kreuzfahrt beendet und war bereits auf dem Heimweg von Doha nach Berlin. Dann, in luftigen Höhen, die Schock-Nachricht: Das Flugzeug musste zurück nach Doha, Hauptstadt von Katar, fliegen, da es keine sichere Route mehr nach Europa gab. Also wieder zurück aufs Schiff, wo die Passagiere seither ausharren.

Dabei hatte die Bundesregierung bereits vergangene Woche angekündigt, deutsche Staatsbürger aus der Region zu evakuieren. Doch die Aktion kommt nur schleppend voran. Bislang konnten nach offiziellen Angaben rund 600 der etwa 2500 Menschen von „Mein Schiff 5“ ausreisen. Mehrere Busse brachten sie über Land nach Riad in Saudi-Arabien. Von dort startete ein erster Flug nach Deutschland. Drei weitere Sonderflüge sind für die kommenden Tage geplant. Doch der Name von Fabian Tan und seiner Familie steht auf keiner Liste.

Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ hängt gerade im Hafen von Doha fest. 
Das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ hängt gerade im Hafen von Doha fest. © privat | Privat


„Niemand kann uns sagen, warum“, sagt der 49-Jährige. Dabei habe es zunächst geheißen, besonders schutzbedürftige Gruppen würden zuerst ausgeflogen: Familien mit Kindern, Schwangere, ältere Menschen oder Kranke. Fabian Tan und seine Partnerin haben eine fünfjährige Tochter dabei – und warten trotzdem weiter. „Wir sind mittlerweile extrem frustriert“, sagt der Softwareentwickler.

Krieg im Nahen Osten: Gesperrter Luftraum erschwert die Ausreise

Besonders belastend sei die Ungewissheit. Niemand könne sagen, wann sie endlich ausreisen dürften. In den ersten Tagen nach Beginn der militärischen Eskalation war die Situation auch in Doha angespannt. „Wir haben regelmäßig Detonationen gehört und gespürt“, erzählt er. Mehrfach hätten Passagiere Raketen am Himmel gesehen. Iran hatte wiederholt US-Stützpunkte in der Region angegriffen.

Inzwischen habe sich die Lage zumindest in der katarischen Hauptstadt etwas beruhigt. „Seit ein paar Tagen haben wir keine Detonationen mehr gespürt und auch keine Raketen mehr gesehen“, sagt Tan. „Im Moment haben wir nicht mehr so viel Angst. Trotzdem wollen wir einfach nur so schnell wie möglich nach Hause.“

Dass die Evakuierung so langsam vorankommt, hat mehrere Gründe. Die Sicherheitslage in der gesamten Region gilt weiterhin als extrem angespannt. Gesperrte Lufträume, diplomatische Abstimmungen, komplizierte Transportwege über Land und begrenzte Kapazitäten erschweren die Ausreise.

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Zehntausende Urlauber sitzen noch immer in Nahost

Nicht nur die Passagiere von „Mein Schiff 5“ warten auf eine Lösung. In mehreren Ländern des Nahen Ostens sitzen derzeit zehntausende Reisende fest. Regierungen versuchen, ihre Staatsbürger mit Sonderflügen außer Landes zu bringen. Doch die Zahl der Menschen, die dringend ausreisen wollen, ist vielerorts deutlich größer als die Plätze in den Evakuierungsflügen.

Für Fabian Tan und seine Familie bedeutet das vor allem eines: weiter warten. Am 10. und 11. März sollen weitere Flüge nach Deutschland gehen. Für den 10. März steht die Familie noch nicht auf der Liste. Bleibt zu hoffen, dass sie für den Flug am 11. März einen Platz ergattern.

In diesem Zimmer wohnen Fabian Tan, seine Partnerin und die gemeinsame fünfjährige Tochter. Die Familie sitzt seit Sonntag auf dem „Mein Schiff 5“ fest. 
In diesem Zimmer wohnen Fabian Tan, seine Partnerin und die gemeinsame fünfjährige Tochter. Die Familie sitzt seit Sonntag auf dem „Mein Schiff 5“ fest. © privat | Privat

Bis es so weit ist, versucht sich die Familie so gut es geht abzulenken, vor allem, um der kleinen Tochter ein sicheres Gefühl zu vermitteln. „Auf dem Kreuzfahrtschiff läuft der Betrieb derweil wie normal weiter. Es gibt täglich Buffet, Cocktails an der Bar und ein Entertainmentprogramm“, erzählt der Berliner. Auch um die Kinder kümmert sich die Crew und veranstaltet Malkurse, Kinderkino oder Familien-Bingo. Nach Schätzungen von Fabian Tan sind noch etwa 20 Kinder zwischen drei und 16 Jahren an Bord.