Er nannte sich White Tiger. Unter diesem Internet-Pseudonym soll Shahriar J. gravierendste Verbrechen begangen haben. Darunter sind laut Staatsanwaltschaft Hamburg Körperverletzungsdelikte, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, aber auch Kapitalverbrechen. Der 21-Jährige muss sich auch wegen Mordes sowie fünf versuchter Morde verantworten.

Am Freitagmittag hat der Prozess vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts gegen den mutmaßlichen Kopf der internationalen Onlinegruppe „764“ begonnen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft wirft Shahriar J. 204 Straftaten vor. Bislang sind 82 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 17. Dezember fallen. Seit mehr als sechs Monaten sitzt der 21-Jährige unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen im Jugendgefängnis Hahnöfersand in Untersuchungshaft.

Anklage gegen White Tiger: Taten gegen „ganz besonders verletzliche“ Kinder und Jugendliche

Der Angeklagte soll als Mitglied der Online-Community „764“ „ganz besonders verletzliche“ Kinder und Jugendliche in sozialen Medien emotional von sich abhängig gemacht haben, sagt Mia Sperling-Karstens, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, vor Prozessbeginn. Er soll den „instabilen psychischen Zustand“ von rund 30 Kindern und Jugendlichen für die Begehung von Straftaten ausgenutzt haben – etwa, dass diese pornografische Aufnahmen von sich selbst herstellen.