Seit mittlerweile vier Jahren untersuchen Archäologen das Gelände von Fonmon Castle in Wales, um ein ungewöhnliches Rätsel aus dem frühen Mittelalter zu klären. Neue Funde auf dem dortigen Friedhof, von denen die BBC berichtet, könnten nun entscheidende Hinweise darauf liefern, warum an diesem Ort über einen langen Zeitraum hinweg nahezu ausschließlich Frauen bestattet wurden.
Ungewöhnlicher Friedhof in Wales wirft Fragen auf
Bereits vor mehreren Jahren stießen Archäologen auf eine außergewöhnliche Fundstelle, die bis heute zahlreiche Fragen aufwirft. Laut bisherigem Forschungsstand handelt es sich um einen Friedhof, auf dem insgesamt 58 Skelette freigelegt wurden. Die menschlichen Überreste datieren in das 6. und 7. Jahrhundert. Anthropologische Analysen ergaben, dass es sich bei dem überwiegenden Teil der Bestatteten um Frauen handelt.
Die Bestattung der Frauen war offenbar mit erheblichem Aufwand verbunden, da die flachen Gräber direkt in den Kalksteinfels eingearbeitet wurden. Untersuchungen der Zähne und Knochen der Toten deuten darauf hin, dass die Frauen ein körperlich belastendes und entbehrungsreiches Leben geführt hatten.
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Warum an diesem Ort in Wales über einen längeren Zeitraum hinweg überwiegend Frauen bestattet wurden, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Jüngste Funde liefern jedoch neue und vielversprechende Hinweise.
Archäologen entdecken wichtige Hinweise
Bei weiterführenden Ausgrabungen entdeckten Wissenschaftler Fragmente von Bausteinen, die auf die Existenz eines Bauwerks hindeuten könnten, wie Dr. Andy Seaman von der Universität Cardiff gegenüber der BBC erläutert. Dieses mutmaßliche Gebäude befand sich in zentraler Lage innerhalb des Friedhofs, wobei die bislang freigelegten Gräber ringsum angeordnet waren.

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Der Archäologe Tudur Davies von der Universität Cardiff weist darauf hin, dass es sich offenbar um einen besonders begehrten Bestattungsort gehandelt haben muss. Mehrere Gräber liegen so dicht beieinander, dass sie die Überreste mehrerer Personen enthalten. Dieser Befund legt nahe, dass Mehrfachbestattungen für die damalige Gemeinschaft keinen kulturellen Tabubruch darstellten.
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Neben den Bausteinfragmenten konnten weitere Artefakte geborgen werden, die zusätzliche Rückschlüsse auf die Lebensumstände der Bestatteten erlauben. Diese Funde wurden von der Konservatorin Nicola Emmerson von der Universität Cardiff untersucht. Zu den Grabbeigaben zählen eine verzierte Kupferbrosche, die vermutlich vergoldet war, ein kunstvoll aus Geweih gefertigter Kamm sowie mehrfarbige Glasperlen mit einem Durchmesser von etwa drei Millimetern. Solche Objekte deuten auf einen gewissen materiellen Wohlstand hin.
Ergänzt werden diese Funde durch zahlreiche Alltagsgegenstände, darunter ein Mahlstein. Zusammengenommen stützen sie nach Einschätzung der Forscher die Annahme, dass es sich bei dem Fundort um eine Frauengemeinschaft handelte, die in unmittelbarer Nähe des Friedhofs lebte und möglicherweise weitgehend von der übrigen Gesellschaft abgeschirmt war.
Handelt es sich um eine frühchristliche Gemeinschaft?
Trotz der erzielten Fortschritte bleiben zahlreiche Fragen offen. So wollen die Archäologen laut BBC unter anderem klären, ob es sich bei dem Fundort um eine frühchristliche Gemeinschaft gehandelt haben könnte.
Darüber hinaus wurden vereinzelt auch Skelette von Männern und Kindern entdeckt, deren Zuordnung bislang nicht abschließend möglich ist. Besondere Aufmerksamkeit erregte zudem eine außergewöhnliche Bestattung, bei der zwei Frauen in einen Graben gelegt wurden, wobei eine der beiden gefesselte Hände und Füße aufwies. Ob es sich hierbei um eine Form der Bestrafung handelte oder ob andere kulturelle oder soziale Hintergründe vorliegen, ist bislang unklar. Weitere Untersuchungen sollen künftig Aufschluss über diese Befunde geben.






