SpaceX-Chef Elon Musk nahm es gewohnt locker: „Erfolg ist ungewiss, aber Unterhaltung ist garantiert“, twitterte der Multimilliardär Mitte Januar dieses Jahres beim Kurznachrichtendienst X nach einem missglückten Raketentest. Alles andere als entspannt waren mit ziemlicher Sicherheit die Piloten dreier Passagiermaschinen, die am 16. Januar im Luftraum über der Karibik unterwegs waren und sich unvermittelt mit einem bunten Spektakel konfrontiert sahen. Aufnahmen aus dem Cockpit einer Maschine zeigen, wie Trümmerteile einer zerborstenen SpaceX-Rakete durch die Atmosphäre schweben – rein optisch ein eindrucksvolles Schauspiel, sicherheitstechnisch allerdings nah dran am Super-GAU für den Luftverkehr in der Region.

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Ein Bericht des „Wall Street Journal“ hat nun enthüllt, wie knapp drei Flugzeuge mit insgesamt 450 Menschen an Bord einer Katastrophe entgingen. Die Zeitung beruft sich auf eine Untersuchung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA), die die Auswirkungen der missglückten Mission einer SpaceX-Trägerrakete untersucht hat. Die Rakete war am 16. Januar kurz nach dem Start von der Starbase nahe Brownsville (Texas) in der Luft zerbrochen. Die Trümmerteile regneten über der Karibik gen Boden und stellten die Piloten mehrerer Maschinen vor die Entscheidung, entweder durch die Raketentrümmer zu fliegen oder ihren Kurs zu ändern. Im ersten Fall hätte die Gefahr bestanden, dass die Maschinen vom Weltraumschrott getroffen werden, im zweiten, dass ihnen möglicherweise über dem offenen Meer der Treibstoff ausgeht.

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Wie der FAA-Bericht zeigt, hätte wahrscheinlich ein einziges Trümmerteil ausgereicht, um das getroffene Flugzeug zum Absturz zu bringen. Die Piloten des Iberia-Flugs IB379 von Madrid nach San Juan (Puerto Rico) entschieden sich deshalb dazu, den Notfall auszurufen. Mehrere Crews hatten inzwischen den Flughafen in San Juan informiert. Kurz danach war eine Sperrzone eingerichtet worden. Aufnahmen des Portals Live ATC, das den Funkverkehr der Fluglotsen streamt, zeigen, wie dramatisch die Situation wohl war. So soll der Lotse in San Juan der Iberia-Crew mitgeteilt haben, dass eine Landung in San Juan nicht mehr möglich sei, da alle Slots von anderen Flugzeugen blockiert seien. Der Iberia-Pilot meldete daraufhin ein „Mayday“ aus Treibstoffgründen und erzwang damit doch noch eine Landung in Puerto Rico.

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Laut FAA sei erschwerend hinzugekommen, dass SpaceX es nach der Explosion der Rakete wohl versäumt hatte, sofort die Notfall-Hotline zu informieren, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Dies habe zu einem „potenziell extremen Sicherheitsrisiko“ geführt. Zwei Maschinen hätten aufgrund der Gefahrenlage ihren Kurs geändert und seien gefährlich nah aneinander vorbeigeflogen. Das Eingreifen eines Lotsen habe eine Kollision gerade noch verhindern können, heißt es im FAA-Bericht.

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Experten befürchten, dass Vorfälle dieser Art künftig öfter vorkommen könnten. Die Zahl privater Weltraummissionen hatte zuletzt stark zugenommen. An vorderster Front dabei: Musks SpaceX. Das Unternehmen steht vor einem Börsengang, mit dem 30 Milliarden Dollar eingenommen werden sollen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, werde für das gesamte Unternehmen eine Bewertung von etwa 1,5 Billionen Dollar angestrebt. Das Geld wird gebraucht, denn Musk hat große Pläne. Der Tech-Milliardär will die Starship-Raketen von SpaceX künftig bei Mond- und Marsmissionen einsetzen. Bis dahin wird es aber noch einige Testflüge geben – und womöglich weiterer Weltraumschrott den Flugverkehr gefährden.