Frankreichs First Lady Brigitte Macron hatte zuletzt jede Menge Ärger am Hals. Aus der Echokammer der sozialen Medien war ihr vor einiger Zeit unterstellt worden, sie sei transsexuell, pädophil und habe die Identität ihres Bruders angenommen. Macron klagte, insgesamt zehn Frauen und Männer standen zuletzt vor Gericht. Ihnen wird Cyber-Mobbing vorgeworfen.

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Vor ein paar Tagen gab es nun wieder Wirbel um die 72-Jährige. Auslöser war ein kurzes Video, das ebenfalls über die sozialen Medien verbreitet wurde. Darin ist Macron in einem Korridor der Pariser Theaterbühne Folies Bergère im Gespräch mit dem mit ihr befreundeten Komiker Ary Abittan zu sehen. Macron fragt Abittan vor seinem Auftritt, wie es ihm gehe. „Ich habe Angst“, sagt dieser. Der Grund: Frauenrechtlerinnen störten zuletzt seine One-Man-Show, bezeichneten ihn als „Violeur“, also als Vergewaltiger.

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War Macrons Äußerung ein schlechter Scherz?

Abittan, auch in Deutschland bekannt durch seine Rolle im Erfolgsfilm „Monsieur Claude und seine Töchter“, war 2021 von einer damals 23 Jahre alten Frau, mit der er einige Wochen zusammen war, der Vergewaltigung beschuldigt worden. Im April 2024 wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Erst nach einer längeren Beeinträchtigung seiner Karriere kehrte Abittan mit einer Show auf die Bühne zurück, bei der es zuvor bereits Aktionen von Aktivistinnen gab.

Brigitte Macron erwidert in dem Video: „Wenn wieder solche ‚sales connes‘ anwesend seien, werfen wir sie raus.“ Dann sprach sie auch von „maskierten Banditen“. Wer das Video sieht, erkennt, dass es Macron möglicherweise nicht ganz ernst meint. Sind die Worte ein Scherz, der daneben gegangen ist? Trotzdem stellen sich zwei Fragen. Einmal, ob sich die Gattin des französischen Präsidenten derartiger Worte bedienen muss. Zweitens, was diese eigentlich genau bedeuten. In deutschen Medien wurde „sales connes“ größtenteils mit „dreckige Schlampen“ übersetzt. Alternativ bieten sich auch die Übersetzungen „Vollidiotinnen“ oder „dreckige Miststücke“ an. Wir merken: Nett war‘s offenbar nicht gemeint, weshalb Macrons Äußerung in Frankreich nicht nur in feministischen Kreisen für Empörung sorgte.

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Französische Sprachwissenschaftlerin klärt auf: „Für uns ist es sexistisch“

Steigen wir also kurz in die Etymologie ein und fragen nach bei der französischen Sprachwissenschaftlerin und Feministin Florence Montreynaud. Sie hat der Kunst der Beleidigung ein ganzes Buch gewidmet: „Le roi des cons, quand la langue française fait mal aux femmes“ (Der König der Idioten, wenn die französische Sprache Frauen wehtut). Der Deutschen Presseagentur (dpa) sagte Montreynaud, dass die Vokabel „conne“ mehrdeutig sei.

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„Conne“ bedeute eigentlich „Idiotin“, erklärte Montreynaud der dpa. Sexistisch sei es aber, das Wort „con“ als Beleidigung zu verwenden. Menschen, die „sale con“ oder „petite conne“ sagen, kennen laut Montreynaud den Ursprung des Wortes nicht. „Das ist das Paradoxe daran: Für uns ist es sexistisch, für sie ist es banal.“

Brigitte begleitet ihren Mann zu vielen offiziellen Terminen. (Archivbild)
Brigitte begleitet ihren Mann zu vielen offiziellen Terminen. (Archivbild)© dpa | Robert Michael

Wie die Wissenschaftlerin erklärt, stamme das Wort „con“ ursprünglich vom umgangssprachlichen lateinischen „cunnus“ ab, womit das weibliche Sexualorgan bezeichnet wurde. 1977 sei „con“ mit der Bedeutung „weibliches Geschlechtsteil“ in das französische Wörterbuch „Petit Larousse“ aufgenommen worden. Zuvor habe der „Grand Larousse“ es lediglich als „wenig intelligente Person“ definiert. Viele kennen laut Montreynaud nur diese beleidigende Bedeutung und verwenden die Beleidigung „con“ oder Ableitungen davon, ohne sich der Tragweite dieser Wörter bewusst zu sein.

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Brigitte Macron: „Kann mich völlig unangemessen gehen lassen“

Nach diesem kurzen Ausflug in die Lexik bleibt festzuhalten, dass sich Brigitte Macron nun doch noch entschuldigt hat. Eine Sprecherin hatte dies vor ein paar Tagen noch ausgeschlossen. „Es tut mir leid, wenn ich die weiblichen Opfer verletzt habe, ich denke nur an sie und nur an sie allein“, sagte Frankreichs First Lady dem Online-Magazin „Brut“. Bei dem Gespräch mit einem kleinen Kreis von Menschen hinter der Bühne habe sie sich privat und unbeobachtet gefühlt und nicht mitbekommen, dass jemand ihren kurzen Austausch mit dem Schauspieler filmt. Sie habe den Schauspieler nach dem Vorfall beruhigen wollen, „sicherlich ungeschickt, aber mir standen in diesem Moment keine anderen Worte zur Verfügung“.

Brigitte Macron stellte außerdem klar, dass sie nicht rund um die Uhr die Präsidentengattin sei. „Ich bin zwar die Ehefrau des Präsidenten der Republik, aber in erster Linie bin ich ich selbst. Und wenn ich privat unterwegs bin, kann ich mich völlig unangemessen gehen lassen.“ Was sie im Folies Bergère dann auch ziemlich eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

tok mit dpa