Ihr tragischer Tod löste weltweit Bestürzen aus: Ende Juli dieses Jahres war die ehemalige Biathletin Laura Dahlmeier im Alter von nur 31 Jahren beim Bergsteigen am Laila Peak (Pakistan) tödlich verunglückt. Nun kommt sie in einem neuen Buch noch einmal zu Wort. Es war eines ihrer letzten Interviews, das die Sportlerin vor ihrem Unfall führte.

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Das Gespräch fand im Rahmen des Buchs „Bock auf Biathlon“ vom Sportjournalisten Taufig Khalil statt. Es erscheint am 5. November. Das Portal „t-online“ zitiert aus dem Buch, für das Khalil nicht nur mit Dahlmeier, sondern auch mit Biathlon-Größen wie Magdalena Neuner oder Ricco Groß gesprochen hatte.

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Laura Dahlmeier über legendäre Biathlon-WM: „Ich war völlig frei“

Dahlmeier erinnert sich darin insbesondere an die Saison 2016/2017, in der die ehemalige Spitzensportlerin ihre fünfte WM-Goldmedaille abräumte. Es war die Saison ihres Lebens. „Ich war eine Athletin, die über die ganze Saison grundsätzlich eine gute Leistung abrufen und das auch nach dem Highlight noch konservieren konnte“, wird Dahlmeier laut t-online in dem Buch zitiert. Ihr sei es wichtig gewesen, ihre Form konstant bis zum Ende zu halten.

Im Alter von nur 23 Jahren habe sie nicht geahnt, dass sie schon zwei Jahre später aufhören würde. „Ich wusste, dass ich Biathlon nicht ewig machen würde, hatte da aber überhaupt keinen Plan. Mein Fokus war, von Jahr zu Jahr zu schauen, die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang mitzunehmen und alles Weitere auf mich zukommen zu lassen. Doch in diesem Jahr hatte ich mich nicht damit beschäftigt und war völlig frei“, erinnert sich die ehemalige Biathletin. Sie verausgabte sich am Ende der Saison bei der Weltmeisterschaft in Hohenfilzen so sehr, dass sie am Ende ihres Einzelrennens zusammenbrach.

Laura Dahlmeier über ikonische WM in Hohenfilzen: „Ich bin richtig k. o. gewesen“

Ihren Sieg habe sie kaum genießen können, sie sei „richtig k. o. gewesen“. „Ich hatte im Rennen nicht 100, sondern 102 oder 103 Prozent gegeben und war so leer, dass ich mich kaum auf den eigenen Haxen halten konnte“, so Dahlmeier. Aber mit der Zieleinfahrt sei die Anstrengung nicht vorbei gewesen: Zeremonie, Pressekonferenz und Interviews standen dann an. „Ich war so leer, dass ich auf dem Weg zurück ins Quartier gestützt werden musste“, erinnert sich Dahlmeier in dem neuen Buch über diesen Tag. 

Doch damit nicht genug: Im Staffelrennen, das im Anschluss anstand, musste sie noch einmal alles geben. „Ich wollte nicht diejenige sein, die die Staffel versemmelt, daher bin ich wie um mein Leben gelaufen und habe mich am Ende mit sechs Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet. Was danach kam, weiß ich nicht mehr wirklich“, so beschreibt es die ehrgeizige Sportlerin in dem Buch. Sie habe zuvor am Schießstand „verkackt“ und musste daher läuferisch alles herausholen. Ein Vorhaben, das ihr gelang: Auch im Staffelrennen holte ihr Team die Goldmedaille.

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Biathletin über kritischen Moment ihrer Karriere: „Ich muss jetzt schauen, dass ich das überlebe“

Statt sich über den Sieg freuen zu können, klappte die Sportlerin zusammen. „Als die Mädels aus meinem Team kamen, um mit mir zu feiern, bin ich flach mit dem Gesicht voran in den Schnee gefallen und war weg. Was mit diesem Rennen war, das war mir zu dem Zeitpunkt wurscht. Ich dachte: ‚Ich muss jetzt schauen, dass ich das überlebe.‘“

In dem Buch werde deutlich, wie stark die Leistungssportlerin sich für ihre Ziele verausgabte. Aber auch, dass sie sich und ihren Körper gut einschätzen konnte. Denn am selben Tag wollte sie auch noch im Massenstart ein drittes Mal antreten, gegen den Willen ihrer Trainer. Sie habe mit ihrer zweiten großen Leidenschaft – dem Bergsteigen – argumentiert.

Dahlmeier gab Trainern Versprechen: „Ich höre sofort auf, wenn es nicht mehr geht. Ich mache keinen Blödsinn“

„Ich kenne meinen Körper so gut wie kein anderer. Ich kann mich auf meinen Körper verlassen, und ich weiß, wenn ich sage, das passt, dass es passt. Denn sonst könnte ich nie zum Bergsteigen gehen“, wird Laura Dahlmeier in dem Buch zitiert. Beim Bergsteigen hätten einfache Fehler enorme Konsequenzen. „Ich fühle mich echt gut und ich verspreche euch, dass es wieder passt und ihr mir 100 Prozent vertrauen könnt. Ich trage das eigene Risiko. Lasst mich starten. Das funktioniert.“

Es funktionierte tatsächlich: Ihre Trainer ließen die damals 23-Jährige unter einer Bedingung an den Start: Sie sollte genau schauen, ob sie sich wirklich bereit dazu fühle. „Das war ein Deal, auf den ich mich einlassen konnte, und ich versprach: ‚Ich höre sofort auf, wenn es nicht mehr geht. Ich laufe dann auch nicht ins Ziel. Ich mache keinen Blödsinn und es wird passen‘“, erinnerte sich die Ausnahme-Biathletin zurück. Am Ende ließen ihre Trainer sie schweren Herzens starten. „Und ich bedankte mich mit einer weiteren Goldmedaille.“

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Laura Dahlmeier über ihr Pensum beim Bergsteigen: „Ja, ich traue mir das zu“

In dem Buch bringt die Biathlon-Legende ihren besonderen sportlichen Ehrgeiz zum Ausdruck, den sie auch beim Bergsteigen an den Tag legte. Einmal sei sie vor einem geplanten Aufstieg, kurz nach einer ersten Gipfelbesteigung, gefragt worden, ob sie sich wirklich bereit fühle, sich das zutraue. „Und so, wie ich 2017 in Hochfilzen gegen den Rat meines Trainers und Arztes entschieden hatte, doch im Massenstart zu starten, hat es sich auch dort am Berg wieder richtig angefühlt, und ich sagte: ‚Ja, ich traue mir das zu‘“, erinnerte sich Dahlmeier.

Die ehemalige Biathletin entwickelte sich auch im Bergsteigen zu einem Ausnahmetalent. Im Herbst 2024 stieg Dahlmeier während einer Himalajaexpedition gleich zweimal innerhalb von drei Tagen auf den 6814 Meter hohen Ama Dablam. Ohne dass es beabsichtigt war, stellte sie dabei einen Weltrekord auf. Es war ihr letzter.