Da waren es schon sieben. Staatsanwältin Laure Beccuau bestätigte dem Radiosender RTL, dass fünf weitere Verdächtige des spektakulären Louvre-Raubes im Großraum Paris festgenommen worden seien. Einer davon könnte aufgrund der DNA-Spuren als Motorradlenker zu dem Quartett gehört haben, das am 19. Oktober acht Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro erbeutete. Allein ein kaiserliches Diadem enthält über 2000 Diamanten und Edelsteine.

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Die zwei am letzten Samstag verhafteten Haupttäter haben ihre Präsenz am Tatort laut Beccuau „teilweise“ gestanden. Sie packen aber «nicht spontan» aus und machen nur „minimalistische Angaben“, wie die Chefermittlerin erklärte. Sie macht klar: Nicht das Duo habe die neuen Verhaftungen ermöglicht, sondern die minutiöse Spurensuche von hundert Fahndern.

Louvre-Raub: Festgenommene Täter sollen nicht Köpfe der Bande sein

Beccuau musste zugeben, dass es auch die Hausdurchsuchungen bei den neu Verhafteten „nicht ermöglicht hätten, die Diebesbeute wiederzufinden“. Sie warnte mögliche Besitzer, noch sei Zeit zur Rückgabe, ansonsten drohe eine zusätzliche Anklage wegen Hehlerei. Die Staatsanwältin hält die sieben Festgenommenen offenbar nicht für die Köpfe der Bande. Einer – ein 39-jähriger Franzose – sei wohl für schwere Einbrüche bekannt; keiner gehöre aber zu den „Höhergestellten des organisierten Verbrechens“.

In der prächtigen Apollon-Galerie erbeuteten die Einbrecher Schmuck von unschätzbarem Wert. (Archivbild)
In der prächtigen Apollon-Galerie erbeuteten die Einbrecher Schmuck von unschätzbarem Wert. (Archivbild)© AFP/dpa | Stephane De Sakutin

Damit bleibt auch die Frage nach den Auftraggebern offen. Beccuau beteuerte, die französische Zentralbehörde für den Kampf gegen illegalen Kunsthandel habe alle offiziellen und Schwarzmärkte genaustens im Auge. Die Kronjuwelen seien schlicht „unverkäuflich“.

Dann machte sie den möglichen Besitzern ein Angebot: „Ich möchte ihnen sehr klar sagen, dass es die Justiz anrechnen würde, wenn jemand den Schaden des Diebstahls zu begrenzen hilft.“ Jede Kooperation mit den Ermittlern würde sich auf das Strafmaß auswirken.

In Frankreich kann die Mitarbeit eines Delinquenten mit den Behörden als strafmildernd gelten. Sehr weit geht die französische Justiz aber nicht: Selbst wer vor Ausübung der Tat die Polizei informiert, muss mindestens die Hälfte der Strafe absitzen.

Juristen: Angebot der Staatsanwältin ein ziemlich leeres Versprechen

Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau
Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau© AFP/dpa | Stephane De Sakutin

Der Entscheid über das Strafmaß steht außerdem nicht der Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde zu, sondern den Vollzugsrichtern. Beccuaus Lockruf ist deshalb laut Juristen ein ziemlich leeres Versprechen, wenn nicht eine Falle. Die Juwelen wird es kaum zurückbringen, außer es wird im Milieu indirekt als Verhandlungsangebot aufgefasst.

Sollten die Verhafteten die Juwelen selber versteckt halten, können sie nach einem Schuldspruch von sieben bis zehn Jahren damit rechnen, bei guter Führung nach fünf Jahren wieder auf freien Fuß zu kommen. Und dann als potenziell reicher Menschen.

Die zuständigen Justiz- und Kulturspitzen des Landes stehen unter gewaltigem Druck, den nationalen Kunstschatz rasch wieder beizubringen. In der Zwischenzeit treten nämlich immer deutlicher die Versäumnisse bei der Sicherung des weltgrößten Museums zu Tage. Louvre-Direktorin Laurence des Cars musste bei einer Anhörung im Senat einräumen, dass die Sicherungsmaßnahmen vernachlässigt worden seien. So blieb eine 2018 beschlossene Sanierung auf halbem Weg stecken. In der Juwelen-Galerie wurden zwar Fenster und Vitrinen verstärkt, was die Einbrecher wertvolle Zeit kostete. An Überwachungskameras und anderen Maßnahmen hatte die Direktion aber gespart.

Kulturministerin Rachida Dati und in letzter Instanz Staatspräsident Emmanuel Macron zogen es vor, einen Teil des Sicherheitsbudgets für die ästhetische „Renaissance“ – so der Name der 80-Millionen-Sanierung – des Louvre zu verwenden. Sollten die Kronjuwelen unauffindbar bleiben, muss mindestens des Cars oder Dati mit personellen Folgen rechnen – das heißt mit der Entlassung.