Mit einer bunten Parade feiern in Cottbus heute Menschen den Christopher Street Day. Ab 14 Uhr wollen sie durch die Straßen ziehen. Möglich ist das nur, weil die Polizei verstärkt im Einsatz ist. Denn: Die rechtsextreme Szene hat zum Gegenprotest aufgerufen.

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Rund 90 Teilnehmer haben sich formiert, die Versammelten trugen Fahnen und ein Transparent mit der Aufschrift „Unsere Stadt bleibt hetero!“. Zwei Teilnehmer des rechtsextremen Protestes wurden von der Versammlung ausgeschlossen – sie standen im Verdacht, zu Straftaten aufgerufen zu haben.

Am Vorabend kam es bereits zu einem queerfeindlichen Vorfall: Auf dem Gelände des Trägervereins des CSD in Cottbus seien am Freitagabend Regenbogenfahnen beschädigt worden, teilte die Polizei mit.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen: „Ging nicht anders“

Zwar bereiten die höheren Sicherheitsvorkehrungen den Teilnehmern des CSD „große Bauchschmerzen“, wie ein Sprecher sagte. Der Protestzug wird trotzdem stattfinden. Es gebe unter anderem ein Hilfetelefon. Zudem sei die Zahl der Ordner erhöht worden.

Ein privater Sicherheitsdienst soll für eine sichere An- und Abreise sorgen. Zeitgleich findet am Samstagnachmittag im Fußballstadion ein Spiel von Energie Cottbus statt. 

Christopher Street Day in Cottbus - Demonstration
Menschen nehmen an einer Gegendemonstration zum Christopher Street Day (CSD) teil.© Frank Hammerschmidt/dpa | Frank Hammerschmidt

Vorab empfahlen die Organisatoren auch, man solle erstmal in neutraler Kleidung und in Gruppen anreisen. Eine Sicherheitsmaßnahme, wie der Sprecher der CSD-Organisatoren, Christian Müller, dem RBB sagte. Die Mobilisierungen im Internet gegen den CSD sorgten für Verunsicherungen. „Das führt dazu, dass wir in diesem Jahr vor allem das Thema Sicherheit und Schutz auf den ersten Tagesordnungspunkt setzen mussten. Das ging gar nicht anders.“

„Wir alle gehören zum Stadtbild“

Trotzdem rechnen die Organisatoren mit großem Interesse, weit mehr als 500 Teilnehmer würden erwartet. Er freue sich, wenn 1000 Menschen bei der bunten Parade dabei seien, sagte Müller. Die Solidarität sei in diesem Jahr unglaublich hoch. Der CSD in Cottbus steht unter dem Motto „Vereint in Frieden und Vielfalt“.

Dem RBB sagte Müller am Freitag, es gehe darum, „gemeinsam mit allen solidarisch verbündet, friedlich und fröhlich in der Stadt sichtbar zu werden“. Deshalb brauche es alle demokratischen Menschen auf der Straße, um deutlich zu machen: „Wir alle gehören zum Stadtbild.“

Attacken auf Queere „treffen gesamte Zivilgesellschaft“

Deutschlandweit gab es immer wieder Gegendemonstrationen und Störversuche aus der rechten Szene gegen CSD-Veranstaltungen. Den LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e.V. beunruhigt das. „Die Zahl und Brutalität queerfeindlicher Übergriffe nehmen spürbar zu“, hieß es in einer Mitteilung am Sonnabend.

Der Verband verweist auf eingeschlagene Fensterscheiben, beschädigte Türen an queeren Begegnungsorten. Nur wenige Tage vor dem CSD habe zudem ein Müllcontainer neben dem queeren Zentrum Regenbogenkombinat Cottbus gebrannt.

„Diese Angriffe sind keine Einzelfälle, sondern Teil einer besorgniserregenden Entwicklung“, sagte Yasmine-Blanche Werder, Vorstandsmitglied des LSVD. „Queere Projekte, Begegnungsorte und Beratungsstellen sind elementare Schutzräume. Wenn sie attackiert werden, trifft das die gesamte Zivilgesellschaft – und damit unser gemeinsames Verständnis von Freiheit, Vielfalt und Demokratie.“

Der CSD soll an die Rechte queerer Menschen erinnern und wird jedes Jahr in vielen Städten organisiert. Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

mit dpa