Sie wird auch als „gehirnfressende Amöbe“ bezeichnet: Der indische Bundesstaat Kerala kämpft mit dem Erreger Naegleria fowleri, der immer mehr Menschen infiziert und die Krankheit Primäre amöbische Meningoenzephalitis verursacht. Im Jahr 2016 waren es noch ein bis zwei Fälle pro Jahr gewesen – in diesem Jahr allein wurden in Kerala (Indien) schon 72 Infektionen gemeldet. Es kam zu 19 Todesfällen. Im Vorjahr hatte es nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Kerala 36 Infektionen und neun Todesfälle gegeben. Allein im September dieses Jahres wurden 24 Infektionen sowie neun Todesfälle registriert.
Indien: Immer mehr Tote durch „hirnfressende“ Amöbe – ein Umstand beunruhigt besonders
Die Amöbe kommt in warmen Süßwasserseen, Teichen, Flüssen und heißen Quellen auf der ganzen Welt vor. Sie gelangt meist über die Nase ins Gehirn, wo sie Hirngewebe zerstört. Eigentlich infizieren Menschen sich selten mit Naegleria fowleri. Kommt es doch dazu, sterben sie in den meisten Fällen an der Krankheit. Nach Informationen des Center for Disease Control (CDC) der US-Gesundheitsbehörde sterben die meisten Betroffenen innerhalb von einem bis 18 Tagen nach Einsetzen der Symptome. „In der Regel führt die Krankheit nach fünf Tagen zum Koma und zum Tod“, heißt es weiter.
Auch interessant
Dass in Kerala nun vermehrt Infektionen vorkommen, versetzt die dortigen Behörden in Alarmbereitschaft: Der indische Bundesstaat trifft daher Sicherheitsvorkehrungen, um den Erreger einzudämmen. Der Arzt Altaf Ali, der zu einer solchen Taskforce gehört, äußerte sich über einen Umstand besonders besorgt: Die diesjährigen Infektionen in Kerala kommen ihm zufolge verstreut und nicht wie bislang in einzelnen begrenzten Gebieten vor.
Infektion mit „hirnfressender“ Amöbe vermeiden: Indische Behörde gibt Tipps
Als Konsequenz gebe es „Tests in großem Stil in dem Bundesstaat, um Fälle zu entdecken und zu behandeln“, sagte der Mediziner der Nachrichtenagentur AFP. Jeder bestätigte Fall muss sofort an die zuständige Überwachungsstelle gemeldet und zur PCR-Analyse eingesandt werden.
Lesen Sie auch
Zur Vorbeugung hatte das Gesundheitsministerium von Kerala bereits im vergangenen Sommer technische Richtlinien für die Diagnose und zur Behandlung von amöbischer Meningoenzephalitis herausgegeben. Darin wird der Bevölkerung empfohlen, stehendes Süßwasser zu meiden. Nasenclips oder -stöpsel können demnach das Infektionsrisiko beim Schwimmen verringern. Helfen könne es auch schon, sich beim Tauchen in Süßwasser die Nase zuzuhalten. Wer in Süßwasser, heißen Quellen und anderen unbehandelten thermischen Gewässern schwimmen geht, sollte seinen Kopf aber am besten über Wasser halten.
Todesfälle wegen „hirnfressender“ Amöbe nehmen in Indien zu – wegen des Klimawandels?
Auch bei der Reinigung von Nase oder Nasennebenhöhlen empfiehlt die Behörde, nur abgekochtes, gefiltertes oder steriles Wasser zu verwenden, kein Leitungswasser. Planschbecken sollten täglich geleert werden. Außerdem sollten Menschen darauf achten, stehendes Wasser aus Schläuchen zunächst auszuspülen, insbesondere, bevor Kinder damit spielen. Pools, mahnt die Behörde, müssen ausreichend chloriert werden.

Warum die Zahl der Infektionen und Todesfälle in Kerala so stark zugenommen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Laut dem CDC könnte der Klimawandel ein Grund sein. Durch die steigenden Temperaturen in der Luft nimmt auch die Wassertemperatur in Seen, Teichen und anderen Süßgewässern zu – ideale Bedingungen für Naegleria fowleri um zu wachsen.
mit AFP







