• Bei dem tödlichen Seilbahnunglück in Lissabon ist doch kein Deutscher ums Leben gekommen
  • Behörden hatten den Mann für tot gehalten und seine Angehörigen informiert
  • Im Leichenschauhaus gab es eine Überraschung

Zwischen Blumen, Kerzen und handgeschriebenen Botschaften ist die Straße Calçada da Glória in Lissabons Stadtzentrum zu einer stillen Mahnstätte geworden. Das Wrack des Standseilbahnwagens, in dem 16 Menschen – die meisten waren Touristen – starben, wurde in der Nacht zum Freitag abtransportiert. Anwohner, Urlauber und auch Portugals oberste politische Repräsentanten legten Blumen nieder. „Portugal trauert“, steht auf einer Kranzschleife.

Zwei Tage nach dem Unglück auf der historischen Bahnlinie, die aus dem Zentrum zu einem höher gelegenen Stadtviertel führt, steht fest: Ein tragendes Stahlseil riss oder löste sich aus der Befestigung. Der Bahnwagen schoss ungebremst die steile Straße hinunter und prallte mit großer Wucht gegen ein Gebäude. Warum das Seil versagte, und warum die Bremsen das Unglück nicht verhinderten, das ist nun die zentrale Frage. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

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Lissabon: Doch keine Deutschen unter Toten

Bei der Tragödie starben laut Behördenangaben 16 Menschen, 22 wurden verletzt. Die Mehrheit der Todesopfer sind ausländische Urlauber: Portugals Kripo bestätigte, dass eine Person aus der Schweiz getötet wurde. Zudem befinden sich Bürger aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Kanada, der Ukraine und Südkorea unter den Todesopfern. Auch fünf Portugiesen wurden getötet.

Zunächst hatten die portugiesischen Behörden berichtet, dass auch ein Deutscher getötet worden war. Dies wurde am Freitag korrigiert. Der Deutsche sei verletzt worden und liege im Krankenhaus, erklärte Portugals Polizei. Zu den Verletzten gehört zudem seine Ehefrau und das dreijährige Kind des deutschen Paares. Die Familie soll aus Hamburg stammen. Wie „CNN Portugal“ berichtet, seien Angehörige zunächst ins Leichenschauhaus gebeten worden, um den angeblichen Toten zu identifizieren. Doch wie sich herausstellte, passte keine der Leichen zu dem Familienvater.

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Alsdann zeigten sie einem Polizisten ein Foto des Angehörigen, der sie ans Krankenhaus von São José verwies. Dort angekommen dann die Erleichterung: Der Vater des dreijährigen Sohnes ist nicht tot. Nach dem Unglück wurde er lebendig aus den Trümmern der Bahn geborgen.

Das Schicksal der dreiköpfigen deutschen Familie bewegt Portugal: Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der verletzte Junge unmittelbar nach dem Unfall zunächst von Passanten und anschließend von einem Polizisten betreut wird. Das Kind konnte inzwischen aus dem Hospital entlassen und Angehörigen übergeben werden.

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Experten sagen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können

Wie portugiesische Medien berichten, hätte es bei dem Unfall noch schlimmer kommen können: Fachleute wie der portugiesische Kriminalwissenschaftler Paulo Vieira Pinto weisen darauf hin, dass sich das Seil gleich zu Beginn der Talfahrt löste. Hätten sich beide Wagen beim Seilversagen gerade in der Mitte der Steilstrecke befunden, wären vermutlich beide vollbesetzten Kabinen ungebremst in die Tiefe gerast – mit noch weit verheerenderen Folgen.

Nach Standseilbahn-Unfall in Lissabon
Mittlerweile ist der verunfallte Wagen abtransportiert.© Ana Brigida/AP/dpa | Ana Brigida

Doch so kamen die Passagiere im unteren Waggon überwiegend mit dem Schrecken und ein paar Schrammen davon. Eine italienische Passagierin, die in der unteren Bahn saß, berichtete: Nach kurzer Fahrt sei der Wagen plötzlich stehen geblieben und dann einige Meter rückwärts gerollt. Sie sei durch einen heftigen Ruck aus dem Sitz geschleudert worden. „Ich fiel auf die Personen, die bereits zu Boden gegangen waren.” Sie und die meisten anderen Passagiere hätten sich jedoch aus eigener Kraft aus dem unteren Waggon retten können.

Angeblich alle Inspektionsintervalle eingehalten

Portugals Medien fragen nun: Wie konnte das dicke Stahlseil bersten? Angeblich wurde die Sicherheit der Anlage noch am Morgen des Unglückstags kontrolliert. Den Technikern sei nichts Bedenkliches aufgefallen, hieß es.

Die Wartung der Anlage wird aber nicht von der städtischen Bahngesellschaft übernommen, sondern wurde schon vor Jahren an einen externen Betrieb vergeben. Die Verantwortlichen versichern, dass alle vorgeschriebenen Inspektionsintervalle eingehalten wurden. Die Bahngewerkschaft weist hingegen daraufhin, dass von Angestellten mehrfach Mängel gemeldet wurden – ohne dass etwas geschehen sei.