In Italien herrscht Lebensmittel-Alarm. Ein einjähriges Kind aus der Dolomitenstadt Belluno befindet sich in kritischem Zustand im pädiatrischen Nephrologie-Zentrum des Krankenhauses von Padua, nachdem es Rohmilchkäse verzehrt hatte. Dieser war nach ersten Erkenntnissen mit dem Bakterium Escherichia (E.) coli (STEC) kontaminiert. Die Ärzte diagnostizierten bei dem Jungen ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) – eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die meist bei Kindern unter sechs Jahren auftritt und akutes Nierenversagen verursachen kann.

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Es handelt sich bereits um den dritten Fall innerhalb der letzten Monate in Belluno. Die gute Nachricht diesmal: Das Kind spricht auf die Behandlung an, laut den Ärzten herrscht nun vorsichtiger Optimismus. Es ist jedoch noch zu früh, um über eine mögliche Entlassung zu sprechen – der kritische Zustand verbessert sich nur langsam. Die Behörden in Belluno haben Proben von Käse in Geschäften und Gaststätten genommen, in denen die Familie gegessen hatte, und sie zur Untersuchung geschickt.
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Vergiftung durch Rohmilchkäse: Schon der dritte Fall in Italien
STEC steht für sogenannte Sigatoxin-bildendde Escherichia (E.) coli. Beim Shigatoxin handelt es sich laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) um ein starkes Zellgift. Neben dem hämolytisch-urämischen Syndrom bei Kindern kann sich eine Infektion auch durch (blutigen) Durchfall bemerkbar machen. STEC kommen laut BfR natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern wie Rindern vor und können etwa durch kontaminierte Lebensmittel (meist rohe Milch- oder Fleischprodukte) auf den Menschen übertragen werden. Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und zehn Tagen.
Italiens Gesundheitsbehörden sind alarmiert. Besonders bei Kleinkindern kann bereits eine minimale Menge eines kontaminierten Lebensmittels gravierende, teils sogar tödliche Folgen haben, warnen Experten. Familien mit Kindern unter fünf Jahren werden dringend dazu aufgerufen, auf deren Ernährung besonders zu achten: Rohmilch und daraus hergestellte Produkte sollten vermieden, Lebensmittel gut durchgegart und sachgerecht gelagert werden.
Der Fall in Padua erinnert an andere tragische Vorfälle der vergangenen Jahre: Ein damals vierjähriger Junge aus dem Trentino fiel 2017 nach dem Verzehr von Rohmilchkäse ins Koma. Ein anderes Kind aus Genua starb 2024 an derselben Vergiftung. Auch im süditalienischen Apulien erlitten in den vergangenen Jahren mehrere Kinder ähnliche Infektionen – nicht selten mit tödlichem Ausgang.

Vier Tote durch Botulismus-Vergiftung: Italienische Behörden ermitteln
Das Thema Lebensmittelsicherheit beschäftigt die italienischen Behörden seit Wochen. Vier Personen sind im August im süditalienischen Kalabrien und auf Sardinien an einer Botulismus-Vergiftung gestorben. Dabei handelt es sich um eine durch das Bakterium Clostridium botulinum verursachte Vergiftung. Typische Symptome sind Sehstörungen und Erbrechen. Die von dem Bakterium gebildeten Nervengifte zählen zu den stärksten bekannten Giften. In erster Linie seien laut Experten nicht adäquat zubereitete Konserven betroffen – aber auch Honig –, meist hausgemacht und selten industriell gefertigt. Wenn kontaminierte Nahrungsmittel nicht ausreichend erhitzt werden, kann es zur Vergiftung kommen.
Zwei Frauen waren daran gestorben, nachdem sie bei einem Volksfest in Sardiniens Hauptstadt Cagliari eine verunreinigte Guacamole-Soße gegessen hatten. Die beiden anderen Opfer – ein Mann und eine Frau – starben nach dem Verzehr von Sandwiches mit Wurst und Stängelkohl, die sie bei einem Foodtruck im Badeort Diamante in Kalabrien gegessen hatten. Dutzende weitere Personen landeten im Krankenhaus, weil sie dieselben Lebensmittel konsumiert hatten.
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Nach den durch Botulismus-Vergiftungen verursachten Todesfällen wurden in Italien die Lebensmittelkontrollen verschärft. Die Polizei hat am Dienstag 674 Kilogramm Konserven auf einem Bauernhof in der Provinz Bologna beschlagnahmt. Die Beamten entdeckten Hunderte wiederverwendeter Glasbehälter – einige davon noch verschmutzt –, die zur Wiederbefüllung bereitstanden, sowie zahlreiche Behälter mit selbstgemachter Marmelade, die weder etikettiert noch vorschriftsgemäß waren. Insgesamt wurden über 1.500 Gläser und Flaschen mit Marmelade und Fruchtsäften gefunden, größtenteils ohne Etikett und mit Herstellungsdaten aus den Jahren 2010, 2012 und 2018.










