Die französische Polizei untersucht den Tod des bekannten Streamers Raphaël Graven, der unter seinem Künstlernamen Jean Pormanove (JP) über eine Million Follower auf verschiedenen Plattformen erreichte. Der 46-Jährige starb am Montag während eines fast zwölf Tage andauernden Livestreams auf der Plattform Kick.

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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Nizza wurde eine Autopsie angeordnet. Bislang gibt es keine Anklagen, doch der Verdacht auf Misshandlung und Demütigung während der Übertragung steht im Raum.

Der Livestream lief seit mehr als zwölf Tagen

In den Videos ließ er sich von zwei weiteren Männern auf verschiedene Art und Weise Schmerzen zufügen. In einigen noch verfügbaren Filmen ist zu sehen, wie er sich ohne Schutzausrüstung mit Farbkugeln beschießen oder schlagen ließ. Die Videos wurden auf mehreren Plattformen veröffentlicht, hauptsächlich jedoch auf der australischen Plattform Kick. „JP“ hatte dort zehntausende Abonnenten. 

In dem Livestream, der den toten Streamer zeigt, war zu sehen, wie er reglos unter einer Decke auf einem Bett lag. Zuschauer machten die im Raum anwesenden Männer darauf aufmerksam, dass JP nicht mehr reagierte. Einer der beiden warf zunächst noch eine kleine Plastikflasche auf den Körper, bevor die Beteiligten die Übertragung schließlich beendeten. Nach Angaben der Polizei in Nizza konnte nur noch der Tod von Raphaël Graven festgestellt werden. Der Livestream war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als zwölf Tagen gelaufen.

Digitalministerin: „Absoluter Horror“

Frankreichs Digitalministerin Clara Chappaz bezeichnete den Fall des verstorbenen Streamers am Dienstag im Onlinedienst X als „absoluten Horror“. Sie habe die Aufsichtsbehörden eingeschaltet und Kick um eine Stellungnahme gebeten.

Kick erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, das Unternehmen sei „tief bestürzt“ über den Tod des Streamers. Die Umstände würden untersucht. Das Unternehmen setze sich entschieden für den Schutz der Streamer ein. Die australische Plattform ist für ihre vergleichsweise schwache Moderation von Inhalten bekannt. Zudem erhalten Streamer dort einen deutlich höheren Anteil der Einnahmen als auf Konkurrenzplattformen. 

Die Videos von „JP“ und seinen Mitstreitern waren einem breiteren Publikum durch einen Artikel in der französischen Enthüllungsplattform „Mediapart“ bekannt geworden. Nach dem Bericht hatte die Polizei im Januar Ermittlungen eingeleitet, unter anderem wegen „vorsätzlicher Gewalt gegen schutzbedürftige Personen“. Sowohl die Verdächtigen als auch das mutmaßliche Opfer hätten bestritten, dass Straftaten begangen worden sein, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit, ohne die Namen von „JP“ und seinen Streaming-Partnern zu nennen.   

mit afp