Mittlerweile kann Anna über Ralf sprechen, ohne in Tränen auszubrechen. Nach seinem Tod entdeckte sie Tausende Fotos, die alles überschatten, was ihre gemeinsame Zeit einst bedeutete.
Die Fotos sind zutiefst verstörend. Deshalb beginnt dieser Text mit einer Warnung: Er handelt von Kinderpornografie. Die Fotos zeigen Kinder, die schreckliche Gewalt erlitten haben. Wer sie sind, weiß Anna nicht. Die Polizei darf darüber nicht sprechen.
Kinderpornografie geschieht im Verborgenen, doch sie ist erschreckend verbreitet. Im vergangenen Jahr registrierte das Bundeskriminalamt bundesweit 42.854 Fälle von Herstellung, Verbreitung, Erwerb und Besitz solcher Aufnahmen. Eine andere Zahl macht das Ausmaß greifbarer: Allein die Ermittler des Polizeipräsidiums Essen rückten im vergangenen Jahr 360 Mal zu Durchsuchungen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch oder Kinderpornografie aus. Das bedeutet mindestens eine Durchsuchung pro Arbeitstag – in Essen und Mülheim, wo zusammen etwa 750.000 Menschen leben.
Warum benutzen wir den Begriff „Kinderpornografie“?
„Kinderpornografie ist ein verharmlosender und ungenauer, weithin aber gebräuchlicher Begriff für Missbrauchsdarstellungen von Kindern auf Fotos, in Filmen und Texten“, schreibt die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf ihrer Webseite. Der Begriff könne verschleiern, dass es sich bei jeder solchen Darstellung um eine schwere Straftat handelt. Im Strafrecht wird der Begriff dennoch weiterhin zur rechtlichen Einordnung entsprechender Missbrauchsdarstellungen verwendet.


