Während sich derzeit Tausende Buckelwale auf ihrer jährlichen Wanderung an der australischen Küste vorbeibewegen, schwimmen nicht nur Artgenossen an ihrer Seite. Auch Delfine schließen sich ihnen an – und das nicht nur zufällig. „Uns ist schon seit Jahren aufgefallen, dass es immer wieder zu Interaktionen zwischen Walen und Delfinen kommt“, sagt der deutsche Walforscher Olaf Meynecke von der australischen Griffith University, der das Verhalten der Tiere für eine im Fachmagazin „Discover Animals“ veröffentlichte Studie dokumentiert hat. „Mich hat besonders fasziniert, warum sich diese Tiere im riesigen Ozean überhaupt begegnen – es gäbe ja genug Platz, sich aus dem Weg zu gehen.“

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Für die Untersuchung analysierte das Forschungsteam 199 dokumentierte Begegnungen zwischen Bartenwalen und Delfinen aus 17 Ländern über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Die Daten stammen nicht nur aus wissenschaftlichen Quellen, sondern auch von Social-Media-Videos, Drohnenaufnahmen und Beobachtungen von Whale-Watching-Anbietern und Privatpersonen.

Delfine und Wale: Spielerisches Miteinander

Die Analyse zeigt, dass Delfine den Kontakt oft initiieren, etwa indem sie nahe am Kopf des Wals schwimmen, in Formation gleiten oder den Wal sogar berühren. „Das Schwimmen in unmittelbarer Kopfnähe war bei allen Arten zu beobachten“, so Meynecke. „Wir konnten wiederkehrende Verhaltensmuster feststellen – das ist nichts Einmaliges, sondern offenbar eine eingeübte Form der Begegnung.“

Auch interessant

Besonders häufig waren Buckelwale beteiligt. Das könnte, so Meynecke, daran liegen, dass sie „die Akrobaten der Meere“ seien – oberflächenaktiv, spektakulär im Verhalten und daher für Delfine besonders attraktiv. In rund einem Drittel der Fälle reagierten die Wale aktiv und positiv, etwa durch Rollen, Bauchzeigen oder Annäherung. „Solche Gesten kennen wir von Walen vor allem aus der Paarung oder im Kontakt mit Artgenossen“, erklärt der Forscher. „Dass sie dieses Verhalten gegenüber Delfinen zeigen, ist ein starkes Zeichen für eine positive Verbindung.“

Berührungen als Besonderheit

Manchmal kommt es sogar zu direktem Körperkontakt. „Berührungen sind bei Meeressäugern sehr selten und eigentlich nur zwischen Mutter und Kalb oder bei Kämpfen der Männchen zu sehen“, sagt Meynecke. „Wenn Delfine einen Wal absichtlich berühren, ist das etwas Besonderes.“ Aggressive Reaktionen wie Schwanzschläge dokumentierte das Team nur in etwa fünf Prozent der Fälle.

Auch interessant

Meynecke hält es für denkbar, dass Delfine Wale gezielt als Spiel- oder Sozialpartner aufsuchen – und umgekehrt. Das Meeressäugerleben besteht demnach nicht nur aus Nahrungssuche und Fortpflanzung. Die Tiere würden ihr Gehirn intensiv einsetzen und damit auch Phasen für Kreativität und Spiel benötigen. Denkbar sei sogar eine Art „Wal-Delfin-Kultur“.

Eine neue Studie zeigt, dass Delfine und Wale Kontakt zueinander suchen.
Eine neue Studie zeigt, dass Delfine und Wale Kontakt zueinander suchen.© Jaimen Hudson | Jaimen Hudson

Technik eröffnet neue Einblicke

Die Auswertung sozialer Medien und Drohnenaufnahmen war für die Studie entscheidend, hat aber auch Grenzen. „Wir gehen sehr restriktiv vor und verwenden nur Material mit klarer Quelle, Datum und Ort“, betont Meynecke. KI-generierte Inhalte seien ein potenzielles Problem, doch längere Originalvideos von dokumentierten Begegnungen böten wertvolle Einblicke.

Für die Zukunft wünscht sich der Forscher vor allem längere Unterwasseraufnahmen – möglichst vom ersten Aufeinandertreffen bis zum Auseinanderdriften – ergänzt durch Tonaufnahmen. Damit könne dann auch die akustische Kommunikation zwischen den Arten besser verstanden werden.