Es ist eine der größten ökologischen Krisen an Nordamerikas Küsten und lange ein wissenschaftliches Rätsel: Seit 2013 sind Milliarden Seesterne entlang des Pazifiks verendet. Nun hat ein Forschungsteam nach über zehn Jahren die Ursache identifiziert. Wie eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Nature Ecology and Evolution“ zeigt, steckt das Bakterium Vibrio pectenicida hinter dem sogenannten „Sea Star Wasting Disease“, einer Krankheit, die die Tiere regelrecht aufzulösen scheint.

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Für Wissenschaftler wie Christopher Harley von der University of British Columbia war das Seesternsterben mehr als nur ein Forschungsgegenstand. Als er 2014 die Tidepools auf Vancouver Island untersuchte, fand er dort zahllose Seesterne – verdreht, mit fehlenden Armen oder nur noch als fragile Hüllen vorhanden.

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Am schwersten traf die Epidemie den Sonnenblumen-Seestern (Pycnopodia helianthoides), eine der größten Seesternarten weltweit. Rund 90 Prozent seiner Population wurden vernichtet, mit gravierenden Folgen für das gesamte Ökosystem. Denn Seesterne zählen zu den Hauptfeinden von Seeigeln. In ihrer Abwesenheit vermehrten sich die Seeigel unkontrolliert und fraßen großflächig die Kelpwälder entlang der Küste ab, die wiederum Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche weitere Arten sind.

Bedrohung für Seesterne: Lang ersehnter Durchbruch im Labor

Trotz intensiver Forschung blieb der Erreger lange unklar – ein Virus wurde lange Zeit als Auslöser vermutet. Das nun veröffentlichte Ergebnis ist daher ein Meilenstein: Das Team um Alyssa-Lois Gehman vom Hakai Institute in Kanada konnte das Bakterium Vibrio pectenicida als eindeutige Ursache identifizieren.

Der entscheidende Fortschritt gelang durch eine Reihe gezielter Experimente: Gesunde Seesterne wurden mit Flüssigkeit aus kranken Artgenossen in Kontakt gebracht. Wurde diese sogenannte Coelomflüssigkeit – eine Art Blut der Seesterne – unbehandelt injiziert, zeigten die Tiere binnen kurzer Zeit die typischen Krankheitssymptome. Wurde die Flüssigkeit hingegen erhitzt, blieben sie gesund.

Genanalysen wiesen schließlich Vibrio pectenicida als dominierenden Erreger in den Proben nach. Das Bakterium war bereits aus Muschelzuchtbetrieben bekannt, seine Rolle in der freien Wildbahn jedoch völlig unklar.

Orcas, Haie und Tiere im Meer

Hoffnung für bedrohte Arten: Diese Maßnahmen könnten nun ergriffen werden

Die Entdeckung ist ein Wendepunkt für Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte. In Kalifornien versuchen derzeit mehrere Aquarien, Sonnenblumen-Seesterne in Gefangenschaft nachzuzüchten. Mit dem Wissen um die Ursache der Krankheit könnten künftig resistentere Exemplare gezielt ausgewählt oder neue Schutzmaßnahmen entwickelt werden, etwa mithilfe probiotischer Mikroorganismen, wie sie bei Korallen bereits zum Einsatz kommen.

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Noch bleiben viele Fragen offen: Wie genau wird das Bakterium übertragen? Spielt die Ernährung der Seesterne eine Rolle? Und nicht zuletzt: Könnte die Ausbreitung des Erregers durch Aquakulturen, also eine systematische Bewirtschaftung des Meeresraums, begünstigt worden sein?