Bei einem schweren Zugunglück in Baden-Württemberg sind am Sonntagabend nach bisherigen Erkenntnissen drei Menschen gestorben. Rund 50 Menschen wurden verletzt, 25 davon schwer. Der Regionalzug, der von Sigmaringen nach Ulm unterwegs war, entgleiste nahe Riedlingen.

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Die Behörden gehen von einem Erdrutsch als Ursache aus. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) sagte noch am Sonntagabend: „Es hat hier starke Regenfälle gegeben, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch der Starkregen und ein damit verbundener Erdrutsch-Unfall ursächlich gewesen ist.“ Erste polizeiliche Ermittlungen am Montagmorgen bestätigten den Verdacht.

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Die Bilder der Katastrophe sind verheerend: Sie zeigen ineinander verdrehte, umgekippte Zugabteile und Rettungskräfte, die versuchen, Fahrgäste zu bergen. „Es war furchtbar, das mitansehen zu müssen“, sagt Augenzeuge Karl Figel gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Der 76-jährige Landwirt wohne unmittelbar neben dem Unfallort und habe den Einsatz von Anfang an beobachten können: „Zwei Menschen lagen tot neben dem Zug. Sie wurden in Decken weggetragen. Gleichzeitig wurden Schwerverletzte versorgt.“

Zugunglück: Augenzeuge sah zwei Leichen, die aus dem Zug gefallen waren

Dem „Focus“ berichtet der Mann: „Mein Sohn war einer der ersten an der Unfallstelle, noch bevor die ersten Hilfskräfte eintrafen. Das Unwetter hatte viel Schlamm auf die Straße gespült, und weil wir direkt dort ein Feld haben, wollte mein Sohn diesen Schlamm mit dem Traktor von der Straße beseitigen.“ Daraufhin habe sein Sohn einen Knall vernommen – genauso wie ein Passant. Die beiden hätten den Zug entdeckt und „zwei Leichen, die aus dem verunglückten Zug gefallen waren.“

Sein Sohn sei unter Schock gewesen, von seinem Schlepper gestiegen und habe vergessen, den Motor auszustellen, erzählt Figel. „Mein Sohn ging ins Haus und wurde dort dann von Seelsorgern betreut, aber der Schlepper draußen lief immer noch. Dann bin ich hingegangen, habe den Schlepper abgestellt und dabei gesehen, wie inzwischen eingetroffene Hilfskräfte gerade eines der Todesopfer eingewickelt haben. Inzwischen war die Polizei da und schirmte alles ab“, so der Vater weiter.

Zugunglück in Baden-Württemberg
Der Regionalzug soll wegen eines Erdrutsches entgleist sein.© Uncredited/dpa | Uncredited

Auch sein Sohn, Johannes Figel, berichtet dem „Spiegel“, was er erlebt hat. Schnell seien die Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr eingetroffen, sagt der 36-Jährige. „Johannes, bleib oben“, hätten sie zu ihm gesagt. „Das willst du nicht sehen. So viele Verletzte.“ Er habe dann mit seinem Traktor zwei Bäume beiseite geräumt, sodass die Helfer leichter an die Unfallstelle kamen.

Bahnchef besucht Unfallstelle und reagiert emotional

Am Montagvormittag kamen Bahnchef Richard Lutz und mehrere Politiker zur Unglücksstelle. „Die Bilder und Berichte, die wir alle gestern gesehen haben und vor allem die Eindrücke, die wir alle zusammen heute Morgen hier gesammelt haben, gehen einem sehr nah und lassen einen betroffen und bestürzt zurück“, sagte der Konzern-Vorstandsvorsitzende und kämpfte sichtlich mit den Tränen. „Solche Bilder gehen bei uns ins Mark“, sagte er weiter. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach von erschütternden Bildern: „Man kann die Kraft der Verheerung noch sehen, die hier gewütet hat.“

„Wir trauern um die beiden Kollegen, die ihr Leben im Dienst verloren haben“, sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, laut einer Mitteilung. „Diese Tragödie erschüttert uns alle zutiefst. In dieser dunklen Stunde rückt die Eisenbahnerfamilie zusammen.“

emi/dpa