Die Fischer im Gebiet des Po-Deltas, einst für die florierende Produktion von Venusmuscheln bekannt, sind verzweifelt: Sie beklagen die Invasion des „Granchio Blu“ in den Adria-Gewässern. Weil sich die Blaukrabbe, der natürliche Feind der Muscheln, stetig ausbreitet, geht die Muschelproduktion in Italien immer mehr zurück. Im vergangenen Jahr wurde bereits ein Minus von 70 Prozent verzeichnet.

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Der verzweifelte Versuch, die Krabben-Population einzudämmen, entpuppte sich zuletzt als Sisyphos-Arbeit: An einem einzigen Tag sammelten die Fischer in der Gegend von Porto Tolle unweit der Po-Mündung rund 300 Zentner Blaukrabben. Davon wurden ca. 60 Zentner für die Gastronomie bestimmt. Der Rest, fast 250 Zentner Überfluss, wurde in Ermangelung von Alternativen vernichtet. Hoffnung machte den Fischern zwischenzeitlich ein Exportprojekt – doch nun gibt es Probleme.

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Italiens Fischer schlagen Alarm: Blaukrabbe bedroht Gemeinschaft

Im Adria-Fischerdorf Scardovari bei Ferrara ist die Lage besonders dramatisch. Hier haben zahlreiche Muschelzüchter ihren Beruf samt Fischernetze bereits an den Nagel gehängt. Die Invasion der „Killer der Meere“ hat das ökologische Gleichgewicht im Fluss Po schwer beschädigt. „Hier stirbt nicht nur eine Wirtschaft, sondern eine ganze Gemeinschaft“, lautet der Alarmruf von Paolo Mancin, Präsident des Fischerkonsortiums von Scardovari.

Krebstiere
Blaukrabben gelten als besonders aggressive Jäger. Muscheln, allen voran die Venusmuschel, essen sie besonders gern und fühlen sich deshalb auch gerade an Italiens Küste wohl.© picture-alliance / OKAPIA KG, Germany | Dr. Gilbert S. Grant/OKAPIA

Das Konsortium hat bereits Ende April mit der Sammlung und Entsorgung der Blauen Krabben begonnen. Das Krustentier könne zwar in der Gastronomie verwertet werden, es sei jedoch nicht so wertvoll wie die Venusmuscheln, die als Hauptzutat für die bekannten „Spaghetti alle vongole“ dienen. „Wir können nur einen kleinen Teil der gefangenen Blaukrabben verkaufen, und auch nur dann, wenn sie mindestens 100 Gramm wiegen und keine Eier tragen. Der Rest landet an Sammelstellen“, so Mancin.

Exportprojekt soll Existenzen sichern – doch nun fehlt das Geld

Ein Exportprojekt, um Blaukrabben zu fangen und sie in Asien zu verkaufen, wo sie als Delikatesse stark gefragt sind, hätte im April starten sollte, liegt wegen technischer Probleme aber nun auf Eis. „Wir hoffen, dass dieser Plan bald startet. Nur so können wir hoffen, Geld aus dieser Notlage zu schlagen“, so Mancin. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern in Rom wurde über eine mögliche Finanzierung in Höhe von 1 Million Euro gesprochen - aufgeteilt in fünf regionale Tranchen als Entschädigung für die Fischer. „Unser Gebiet bekäme mit dieser Finanzierung etwa 200.000 Euro, doch bei diesen Kosten für die Entsorgung der Blaukrabbe reicht das für 10 Tage. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, klagt Mancin.

„Hier haben in den letzten Jahren viele Fischer aufgegeben. Wer aufgibt, verkauft alles und geht“, warnt der Präsident des Fischerkonsortiums. Die Lagunenflächen für die Muschelkultivierung nehmen ebenfalls ab – zum Teil wegen des Klimawandels. Die seichten Gewässer leiden unter Sauerstoffmangel und fehlendem Wasseraustausch. „Verglichen mit 2023 wären wir froh, wenn wir überhaupt 5 Prozent der damaligen Erntemenge bei der Muschelproduktion erreichen würden“, so Mancin weiter. „Wir haben 90 Prozent unseres Umsatzes im Vergleich zu 2023 verloren, und ohne die staatlichen Fördermittel, auf die wir seit Monaten warten, halten wir das nicht mehr lange durch.“