Haie haben sich über Hunderte Millionen Jahren zur perfekten „Killermaschine“ entwickelt – ein unvergleichbares Erfolgskonzept, das sogar älter als die ersten Bäume ist. Seit etwa 150 Millionen Jahren haben sich die Raubfische zumindest anatomisch kaum verändert. Und trotzdem werden Wissenschaftler immer noch von ihnen überrascht. So geschehen in einer neuen Untersuchung, in der Forscher eine unbekannte Chamäleon-Fähigkeit des Blauhais entdeckt haben.

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Demnach habe einer der häufigsten Haiarten der Erde die Möglichkeit, die Farbe ihrer Haut zu wechseln. Darauf lassen Analysen der Schuppenhaut des Blauhais (Prionace glauca) schließen, hinter der sich eine einzigartige Nanostruktur verbirgt. Das internationale Forschungsteam fand heraus, dass sogenannte Dermalzähnchen – zahnartige Schuppen, die die Haihaut als „Rüstung“ bedecken – in ihrem Inneren spezielle Guanin-Kristalle enthalten. Die Forscher stellten die neuen Erkenntnisse am Mittwoch auf der Jahreskonferenz der „Society for Experimental Biology“ in Antwerpen vor.

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Blauhaie: Kristalle in Haut machen Tarnung perfekt

Die Guanin-Kristalle wirken wie winzige Spiegel, die blaues Licht reflektieren, während eingelagerte Melanin-Vesikel andere Wellenlängen absorbieren. „Diese Komponenten sind in getrennten Zellen verpackt, die an mit Spiegeln gefüllte Beutel und Beutel mit schwarzen Absorbern erinnern, aber in enger Verbindung gehalten werden, damit sie zusammenarbeiten“, zitiert ein Statement Dr. Viktoriia Kamska, Evolutionsbiologin an der City University of Hong Kong.

Wissenschaftler untersuchten die Fähigkeiten der winzigen Guanin-Kristalle.
Wissenschaftler untersuchten die Fähigkeiten der winzigen Guanin-Kristalle. © Dr. Viktoriia Kamska

Gemeinsam erzeugen diese Strukturen das intensive Blau des Hais. Die Kristalle bestehen aus dem Stoff Guanin, einem Bestandteil der DNA. Auch viele andere Fische oder Reptilien nutzen sie in ihrer Haut oder ihren Schuppen, um Licht zu reflektieren und so schillernde Farben oder Tarnung zu erzeugen.

„Blau ist eine der seltensten Farben im Tierreich und Tiere haben im Laufe der Evolution eine Vielzahl einzigartiger Strategien entwickelt, um diese Farbe zu erzeugen, was diese Prozesse besonders faszinierend macht“, erklärt Dr. Kamska.

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Chamäleon-Fähigkeit wird durch Computermodelle sichtbar

Besonders bemerkenswert: Die Forscher konnten durch computergestützte Modellierungen zeigen, dass minimale Änderungen in den Abständen der Kristallschichten dazu führen könnten, dass sich die Farbe des Hais verändert – von tiefem Blau zu Grün- oder Goldtönen. Solche Anpassungen könnten etwa durch Umweltfaktoren wie Wassertiefe, Druck oder Feuchtigkeit ausgelöst werden und dem Hai dabei helfen, sich seiner Umgebung besser anzupassen.

Die entscheidenden Hautstrukturen machten die Forscher durch eine Reihe von Verfahren sichtbar, darunter Elektronenmikroskopie und Spektroskopie, bei der mithilfe von Licht bestimmt wird, aus welchen Stoffen etwas besteht. Wenn ein Stoff Licht aussendet oder durchlässt, zerlegt ein Spektograf, ein optisches Instrument, dieses Licht in seine Farben (sein Spektrum) – ähnlich wie ein Prisma einen Regenbogen erzeugt. Jede Substanz hinterlässt dabei ein ganz typisches Muster aus Linien oder Farben, das man wie einen „Fingerabdruck“ lesen kann.

Blauhaie sind schlanke Fische mit einer auffällig blauen Rückenfärbung, die in allen gemäßigten und tropischen Ozeanen vorkommen – besonders häufig im offenen Atlantik und Pazifik. Sie können bis zu 3,80 Meter lang werden, wobei die meisten Exemplare etwas kleiner sind. Für den Menschen gelten Blauhaie nur teilweise als gefährlich, selten kommt es zu Angriffen – größtenteils in Ausnahmesituationen wie beim Speerfischen. Insgesamt werden sie eher als scheu beschrieben und sind für Taucher in der Regel keine Bedrohung.