Der „Club of Rome“, ein Zusammenschluss von Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, hat in einer neuen Studie durch zwei Szenarien analysiert, inwiefern bis ins Jahr 2100 der Wohlstand und das Wohlergehen für alle garantiert werden könnte – während die Bevölkerung wächst und die Ressourcen knapp werden. Eines der Szenarien liefert ein düsteres Bild der Zukunft. Das andere könnte den Klimawandel begrenzen.

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Der Thinktank warnt seit den 1970er-Jahren vor den ökologischen und ökonomischen Grenzen des Wachstums. Doch die Beteiligten warnen nicht nur, sondern wollen auch herausfinden, wie Wachstum und Wohlergehen in Einklang gebracht werden können. Menschliches Wohlbefinden wird in der Anfang Juli bei der „Cambridge University Press“ veröffentlichten Studie vor allem über fünf Faktoren definiert: ein würdevolles Einkommen, die globale Erwärmung, staatliche Dienstleistungen, Fairness und Gleichberechtigung sowie die politische Teilhabe als Bürgerinnen und Bürger. Je nach Szenario steigt oder sinkt das Wohlbefinden der Bevölkerung.
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Beim ersten Modell geht die Denkfabrik von einem politischen „Weiter so“ aus. Werde „Too Little, Too Late“ gegengesteuert, also zu wenig und zu spät von Entscheidungsträgern eingegriffen, wachse die soziale Ungleichheit auf dem Planeten. Wirtschaftliche Interessen würden das Weltgeschehen dominieren. In diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass Entscheidungen und gesellschaftliche Maßnahmen auf dieselbe Weise und in demselben Tempo ergriffen werden, wie es zwischen 1980 und 2020 der Fall war.
Im ersten „Too Little, Too Late“-Szenario zeichnet der Club of Rome düstere Konsequenzen für die Weltbevölkerung:
- Die durchschnittliche Temperatur auf der Erde steigt – um über 3 Grad Celsius. Der Klimawandel gerät dabei außer Kontrolle, Klimaziele werden verfehlt.
- Das Bevölkerungswachstum schreitet weiter voran, um bis zu 20 Prozent. Die Folge: mehr Konsum, Ungleichheit, höhere Emissionen, Ressourcen werden knapp.
- Der individuelle Wohlstand sinkt, obwohl die globale Wirtschaftsleistung steigt. Denn Armut, Ungleichheit und Instabilität nehmen zu. Die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich.
- Die sozialen Spannungen in der Bevölkerung nehmen zu. Demokratien geraten unter Druck, das Vertrauen in Institutionen sinkt.
Club of Rome entwickelt Szenario, das Wohlergehen der Menschheit steigert – und Klimawandel stoppt
Bleiben die Entscheidungsstrukturen, wie sie sind, schafft es kein einziger Staat, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Das Wohlbefinden der Bevölkerung sinkt. Gleichzeitig werden die Grenzen des ökologischen Wachstums überschritten. Es kommt in dem Szenario auch zu widersprüchlichen Folgen: Das Bruttoinlandsprodukt steigt, genauso wie die durchschnittlichen Einkommen. Doch nur wenige Menschen würden eine Besserung spüren. Reiche werden reicher, aber ärmere Menschen profitieren weniger stark vom Wachstum.
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Mehr Hoffnung weckt das zweite Szenario: In der Studie wird es als „Giant Leap“ bezeichnet – als Riesen-Sprung, der Fortschritt bedeutet. Die Autoren zeigen fünf Maßnahmen auf, die die internationale Gemeinschaft in Bewegung setzen könnte. Würden alle gleichzeitig angegangen werden, könnten sie die Menschheit grundlegend verändern. Gut fürs Klima wären sie auch.
Zu diesen fünf Kehrtwenden des Club of Rome zählen:
- Armut bekämpfen: durch Investitionen, Schuldenerlass und Bildungsoffensiven
- Ungleichheit abwenden: durch höhere Steuern, u.a. für Super-Reiche, Arbeitnehmerrechte, sowie eine universelle Grunddividende
- Gleichberechtigung herstellen: Geschlechtergerechtigkeit vor allem bei Gesundheit, Bildung und Rente durch geringere Geburtenraten und höhere Steuern schaffen
- Ernährungswende anstoßen: Ernteproduktivität erhöhen, Lebensmittelverschwendung reduzieren, nachhaltige Landwirtschaft betreiben und Ernährungsverhalten ändern, etwa weniger rotes Fleisch essen
- Energiewende vorantreiben: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, erneuerbare Energien massiv ausbauen, Investitionen in Energieeffizienz und Energiespeicher tätigen
Experte: Klimawandel lässt sich nur durch veränderte Wirtschaftspolitik erreichen
Die Autorinnen und Autoren sehen in diesem massiven Kurswechsel mehrere Vorteile: Die Erderwärmung wird auf unter zwei Grad Celsius begrenzt, Klimaziele können weiterhin erreicht werden, Einkommen und Wohlstandsverhältnisse werden gerechter verteilt und der globale Wohlstand sowie das Vertrauen in politische Institutionen steigt. Doch für das zweite Szenario braucht es vor allem: den politischen Willen – und internationale Zusammenarbeit.
Kann das menschliche Wohlergehen verbessert werden, während die ökologischen Grenzen der Erde gewahrt werden? „Unser Modell sagt ja – aber nur, wenn wir diesen Umschwung durch entscheidende Veränderungen in unserer derzeitigen Wirtschaftspolitik erreichen“, sagt der Hauptautor der Studie, Per Espen Stoknes von der BI Norwegian Business School.
Es sei ein ehrgeiziger, aber technisch plausibler Weg. „Er erfordert ein Maß an internationaler Zusammenarbeit und politischer Führung, das wir noch nicht gesehen haben“, sagt Stoknes, „aber ein solcher politischer Wandel könnte der Menschheit eine blühende Zukunft auf einem stabilen Planeten bescheren.“






