Jeff Bezos ist einer der reichsten Männer der Welt. Er kann sich alles kaufen. Luxus-Autos, Luxus-Yachten – und auch eine der malerischsten Kulissen der Welt für die Hochzeitssause. Man heiratet ja nur zweimal. Dass es sich bei der traumhaften Kulisse um eine ganze Stadt handelt? Und dass die Stadt, Venedig, solche Aktionen wirklich nicht auch noch braucht? Einer wie Bezos denkt eben groß. Wobei „denkt“ ist ein Wort, das hier leicht fehl am Platz wirkt.

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Würde der Tech-Milliardär wirklich nachdenken, wäre ihm klar, dass er mit seiner Hochzeit, die mit Glanz und Gloria jeden Rahmen sprengen soll, eine Stadt aus den Angeln hebt. Denn der Amazon-Gründer und die ehemalige Showbusiness-Reporterin Lauren Sánchez, die beim Mädels-Tag mal eben ins All abdüste, wollen es so richtig krachen lassen. Berichten zufolge wird die Feier mehrere Millionen verschlingen. Filmstars und andere Promis sollen zum exklusiven Kreis der etwa 200 Gäste zählen.

Petra Koruhn steht mit verschränkten Armen und blickt in die Kamera.
Petra Koruhn ist Freie Mitarbeiterin der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe. © FUNKE / Foto Services | Reto Klar

200 Gäste, das ist ja nichts, im Grunde: Und so muss die Stadt, die massiv unter der Last des Massentourismus ächzt, nun auch noch verkraften, dass sie für vergleichsweise wenig Glamour-Gäste lahmgelegt wird. Denn eins ist klar: Die Party der Superklasse dominiert das Geschehen der Lagunenstadt für Tage. Für die Hochzeitsgesellschaft wurden die nobelsten Hotels der Stadt komplett gebucht. Rund 90 Privatjets hätten eine Landeerlaubnis für Venedig erbeten, so berichten die lokalen Medien.

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Herzlichen Glückwunsch, Mister Bezos: Eine Veranstaltung der Super-VIPs, bei der die, die dort leben und wohnen, nur Zaungäste sind, das ist schon kühn. Während ein paar Auserwählte ein Promi-Ja-Wort zelebrieren, gucken die Anwohner in die Röhre, oder besser: wissen nicht, wie sie in der Stadt von A nach B kommen sollen. Alles soll abgesperrt werden. Die Polizei kontrolliert jeden, der sich doch mal traut, noch irgendwo einen Espresso zu nehmen. Gut, es gibt auch andere. Die, die die Torten liefern und andere Dienstleistungen erbringen. Sie profitieren. Aber das sind ja nicht alle. Die Venezianer sind stinksauer, fühlen sich nicht mehr heimisch in der Heimat. Wer könnte es ihnen verdenken.

Venedig, die auf Holzpfählen im Wasser gebaute Stadt, ist längst vom fortschreitenden Klimawandel bedroht. Die Erklärung von Greenpeace, dass genusssüchtige Superreiche mit ihrem Party-Leben massive Treibhausgasemissionen erzeugen? Nun ja, dass Bezos seine Gäste um Spenden für die Stadt bittet, sei doch eine nette Geste, sagen manche. Für andere allerdings ist auch das nur eins: eine weitere dekadente Geste des Sich-Freikaufens. Okay, Mister Bezos: Kaufen können Sie sich alles. Aber dürfen Sie sich deshalb auch alles leisten?