Japan-Touristen haben die Qual der Wahl: Inmitten von glitzernden Hochhausfassaden lebt die vielfältige Geschichte Tokios weiter. Tempel über Tempel stehen auf der Liste der Ausflugziele. Doch Reisende interessieren sich auch für eine Tour der anderen Art: Führen zu Tokios verrücktesten Toiletten. Orte, die man in anderen Ländern eher meidet, sind in Japan zur Attraktion geworden. Ob Glaspalast oder Halbkugel: die WCs halten reichlich Überraschungen bereit.

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Ein Exemplar, das man nicht so schnell vergessen wird, ist der gläserne Palast des Stararchitekten Shigeru Ban: Schon das Betreten wird zum Erlebnis. Denn sobald man die Tür schließt, wird die durchsichtige Scheibe mit einem Schlag milchig und strahlend bunt. Die Transformation vom Glashaus zum stillen Örtchen erfolgt in Sekundenschnelle. Magische Momente, wo es woanders in der Welt oft eher irdisch müffelt.
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Kult-Trip durch Metropole: Fahrradtouren zu Designer-Klos
Von diesem Format gibt es 17 weitere Designer-Klos in der japanischen Hauptstadt, die weltweites Aufsehen erregen. Das sanitäre Ereignis hat sich zu einer Art Kult-Trip entwickelt: Und so gibt es Touristen, die 8.000 Yen (rund 50 Euro) zahlen, um mit dem Fahrrad stundenlang von einer Toilette zur nächsten geführt zu werden.
Dass das ostasiatische Land als Toilettenweltmacht gelten kann, hat übrigens auch der deutsche Filmemacher Wim Wenders in „Perfect Days“ angedeutet, in dem der Protagonist Hirayama-san – ein Toilettenreiniger – voller Würde als Held der weltweit größten Metropolregion gefeiert wird. Auch das sich im Handumdrehen bunt-milchig verfärbende Klo in der Siedlung Yoyogi wird dabei von Hirayama-san gesäubert.

Toiletten-Gag auf japanisch: Bei Berührung erklingt ein Wasserfall
Das „Tokyo Toilet Project“, finanziert durch die große japanische Stiftung Nippon Foundation und durchgeführt durch den Toilettenbauer Toto in Kooperation mit namhaften Architektinnen oder Designern, hat schließlich ein ambitioniertes Ziel: Wenn die Menschen in Tokio aufs Klo müssen, solle das ein Grund zur Freude sein. Dass die Stationen barrierefrei sind, versteht sich von selbst. Meist sind auch noch komfortable Umkleideräume angegliedert. Viele Toiletten sind mit einem Sound ausgestattet, sodass automatisch beim Berühren der Klobrille der Klang eines Wasserfalls oder der von zwitschernden Vögelchen ertönt.
Nicht weit entfernt von der bunten wandelbaren Toilette steht ein weiteres öffentliches Klo, das wie eine Ansammlung Leuchtsilos aufgebaut ist, von außen bestückt mit rosa-rot-lilafarbenen Mosaiken und vor einer mit Pflanzen begrünten Wand. Einen Moment wähnt man sich ebenso sehr in der Natur wie im Betondschungel, der Tokio ja eigentlich ist. Der Geruch ähnelt dem Entree in einem feinen Hotel.
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Andere Toiletten sehen noch spektakulärer aus. Tadao Ando, der gegenwärtig wohl berühmteste japanische Architekt, hat ein rundförmiges, von außen mit dunkelgrauen Streben designtes Klo nahe der U-Bahnstation Jingumae entworfen, das sich auf für Ando typische Weise organisch in die sonst eckigen Strukturen der Wohnhäuser und Straßen einfügt.
Japans Topdesigner entwirft Klogebilde aus aufgestellten Holzbalken
Naturfeeling bietet auch ein lagerfeuerartiges Klogebilde, dessen Fassade aus scheinbar wild aufgestellten Holzbalken besteht, umzingelt von Bäumen. Kengo Kuma hat es entworfen, der Architekt des für seine vielen Holzelemente gelobten Olympiastadions von Tokio. Beim Ebisu Park wartet dann eine scheckige Struktur aus Sichtbeton, als schmuckes Labyrinth auf den Nutzer.
Und die „Hi Toilet“ von Designer Kazoo Sato ist perfekt für alle, die auf einer öffentlichen Toiletten am liebsten gar nichts anfassen wollen. Jede Funktion in der kontaktlosen Toilette ist komplett mit der Sprachsteuerung aktivierbar. „Inmitten eines Parks gelegen, hinterfragt das halbkugelförmige Design die traditionelle Wahrnehmung öffentlicher Toiletten und verändert sie von Orten der Vermeidung hin zu Räumen der Interaktion und des Interesses“, so die Projektbeschreibung.
In Japan gehören „Washlets“ zum Standard: Brille mit eingebautem Duschstrahl
Auch was die sanitären Details angeht, war und ist Japan der Welt voraus. Gerade Toto, Marktführer für Washlets – also Klos mit in die Brille eingebautem Duschstrahl, der wie ein Bidet funktioniert – stattet in Japan seit Jahrzehnten Flugzeuge, Züge, Hotels und Restaurants aus, die etwas auf sich halten. Auf den Weltmarkt hat es Toto aber noch nicht recht geschafft, auch weil man für den Einbau der Klos eine Steckdose in Bodennähe braucht.

Apropos Washlets: Die gehören zu Japans sanitären Anlagen dazu wie das Klo selbst. Der Wasserstrahl kann vielfach auch per Knopfdruck reguliert werden. Nach dem Frischekick kann man sogar noch zum Trockner greifen. Wem das mit dem Wasserstrahl zu viel ist – es gibt auch überall Toilettenpapier. Allerdings ist dieses extrem dünn. In Japan kann man sich dafür auf jeder Klobrille wohlfühlen: Auch, weil sie meist gewärmt ist, sogar an warmen Tagen. Duftende Waschlotion plus Desinfektionsspray zur Schnellreinigung gehört selbstredend auch zur Ausstattung.
Die Designerklos werden in Japan wie Sehenswürdigkeiten gefeiert. Es gibt sogar Bildbände über sie. Und der Ansturm von Urlaubern sei immens, heißt es von den Touristikbehörden. Dort habe sich durch den hohen Andrang eine Erkenntnis durchgesetzt: Nur mit Führungen kommt man nicht weiter, es muss eindeutig auch mehr geputzt werden.





