Sie haben fast alles verloren und sind doch mit dem Leben davongekommen – die 306 Bewohner der Gemeinde Blatten im Lötschental im Schweizer Kanton Wallis konnten rechtzeitig evakuiert werden, bevor am Donnerstag schätzungsweise drei Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis des Birchgletschers ins Tal donnerten. Die Schäden sind gewaltig. Und es könnte noch schlimmer kommen, nämlich dann, wenn sich der durch das Geröll aufgestaute kleine Fluss Lonza in einer Flutwelle über die Nachbardörfer ergießt.

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In der Schweiz hat man in den vergangenen Jahren leidvolle Erfahrungen mit Bergstürzen und Gletscherabbrüchen gemacht. Im Örtchen Bondo in Graubünden ereignete sich 2017 ein folgenschwerer Bergsturz, bei dem drei Millionen Kubikmeter Fels zu Tal rauschten. Acht Bergsteiger kamen ums Leben; die Bewohner von Bondo selbst wurden rechtzeitig gewarnt und konnten ihre Häuser verlassen. Das Bergdorf Brienz/Birnzauls, ebenfalls in Graubünden, ist seit November 2024 evakuiert, weil dort ein massiver Bergsturz droht.
Schweiz Vorreiterin bei der alpinen Überwachung
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Ein ausgeklügeltes dreistufiges Frühwarnsystem hat auch im Fall von Blatten dafür gesorgt, dass die Bewohner rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Schweiz sei eine Vorreiterin bei der alpinen Überwachung, sagt Yves Bühler. Der promovierte Geograf forscht als Gruppenleiter für alpine Fernerkundung und Naturgefahren am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos zu Überwachungstechniken, die Bergstürze frühzeitig erkennen können.
Doch Bühler ist kein Wissenschaftler im Elfenbeinturm. In Kursen in der gesamten Schweiz gibt er sein Wissen an Mitarbeiter in den zuständigen Behörden und Ingenieure in der Privatwirtschaft weiter. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „In der Schweiz haben wir eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen den Behörden, den privaten Firmen und der Forschung“, sagt Bühler voller Stolz.
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Die Schweizer Alpen werden seit Jahren mit High Tech flächendeckend überwacht – und das in drei Stufen. Satelliten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA beobachten aus dem All die Berghänge und registrieren Veränderungen. Experten werden so schnell auf kritische Regionen aufmerksam und können bei Bedarf in einem nächsten Schritt weitere Maßnahmen ergreifen.

Radargeräte am Berg sehr teuer, aber effektiv
Bei Stufe zwei kommen Drohnen oder Helikopter zu Einsatz. „Wir könne so sehr genaue Daten aufnehmen – genau dort, wo wir wollen“, erklärt Bühler. Einen Haken hat die Methode laut Bühler aber doch. Bei schlechtem Wetter, etwa viel Wind oder Nebel, könnten keine Daten erhoben werden. Dieses Problem gab es auch in Blatten, wo der Gipfel des Nesthorn oberhalb der Gemeinde von dichten Wolken verhüllt war und lange kein Helikopter aufsteigen konnte.
In einer dritten Stufe wurden deshalb in gefährdeten Gebieten, so auch am Nesthorn, Radargeräte installiert. Diese seien laut Bühler zwar „sehr teuer“, könnten aber „vor Ort sehr genau messen, was passiert – und das sehr häufig“. Daten über Bewegungen am Berg würden in Echtzeit übermittelt, Warnungen zum Teil automatisch ausgelöst.
Nach Einschätzung der Experten haben alle drei Stufen der Überwachung funktioniert und ihren Teil dazu beigetragen, dass in Blatten bisher keine Menschen zu Tode kamen.
Doch High Tech allein habe trotzdem nicht ausgereicht, so Alban Brigger, Ingenieur für Naturgefahren im Oberwallis. Der menschliche Faktor spiele immer die wichtigste Rolle. „Die Technik liefert die Daten, die Lageeinschätzung erfolgt vor Ort. Gemeinsam konnten wir handeln“, sagte Brigger bei einer Pressekonferenz.








