Die Videos, die am Abend der Meisterfeier des FC Liverpool um die Welt gingen, ließen den Atem stocken. Ein Auto fuhr durch die Menschenmenge, rammte Passanten, schleuderte einzelne von ihnen durch die Luft. Sofort dachten viele an einen Terroranschlag. Doch das schließt die Polizei bis jetzt klar aus. Die Ermittlungen dauern an. 50 Verletzte wurden nach jüngsten Informationen im Krankenhaus behandelt. Doch alle Personen sind mittlerweile in einem stabilen Zustand und auf dem Weg der Besserung.

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Tage nach der Tat gibt die Polizei weitere Details bekannt. So soll der Fahrer, ein 53 Jahre alter Mann aus der Region in Liverpool, im Schatten eines Rettungswagens an den Absperrungen der Straßen vorbeigekommen sein. Der Einsatzwagen war demnach auf dem Weg zu einer Person, die mutmaßlich einen Herzinfarkt erlitten hatte. Die Straßensperren, die das Event mit Hunderttausenden Besuchern sichern sollten, wurden für den Rettungswagen an einer Stelle geöffnet. Dabei ist der mutmaßliche Täter offenbar mit durch die Absperrungen gelangt.

Drogeneinfluss? Polizei in Liverpool nennt Details

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    Der mutmaßliche Fahrer bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Die Ermittler hätten mehr Zeit bekommen, um ihn zu befragen, hieß es in der Polizeimitteilung. Der Verdächtige wurde wegen des Verdachts des versuchten Mordes, der Gefährdung des Straßenverkehrs und des Fahrens unter Drogeneinfluss festgenommen. Das Motiv der Tat ist weiterhin unklar. Doch Videos des Hergangs können erste Indizien für die Fahrt des Mannes durch die Menschenmenge sein. Was war passiert? Hier die Rekonstruktion des Ereignisses:

    Kurz nach 18 Uhr erreichen die Polizei in Liverpool mehrere Notrufe: Ein Fahrzeug sei in der Water Street mit „mehreren Fußgängern kollidiert“. Nur kurz zuvor hatten Fans des FC Liverpool dort ihre Mannschaft bejubelt. Die Reds sind Meister in der Premier League geworden, zum 20. Mal, es ist ein Fest, Zehntausende sind gekommen, es regnet in Strömen. Sie besuchen eine Feier mit tragischem Ausgang.

    Ein weißer Brite steuert ein Auto in die Menge der Feierenden auf der Water Street. Mindestens 27 Menschen werden verletzt, teilweise schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert – darunter ein Kind. 20 weitere sind leicht verletzt. Einige stellten sich selbst im Krankenhaus vor. Die Rettungskräfte berichteten, bei ihrer Ankunft seien vier Menschen unter dem Auto eingeklemmt gewesen, darunter ein Kind. Es stehe um vier Menschen „sehr, sehr“ schlimm, hatte Bürgermeister Steve Rotheram dem Radiosender BBC zunächst gesagt. „Natürlich hoffen wir, dass sie durchkommen.“

    Am Dienstagnachmittag gibt die Polizei dann vorsichtig Entwarnung: Keiner der Verletzten sei mehr in Lebensgefahr. Elf Menschen seien weiterhin zur Behandlung im Krankenhaus, ihr Zustand ist stabil. „Ich freue mich, sagen zu können, dass sie sich offenbar gut erholen“, so eine Polizeisprecherin am Dienstagnachmittag.

    Ermittler gehen nicht von Terror aus

    Am Montag wurde der Bereich im Zentrum der Stadt abgesperrt, ein Rettungshubschrauber landete. Das Auto konnte noch am Tatort gestoppt werden, laut der örtlichen Polizei wurde ein 53 Jahre alter „weißer britischer Mann“ aus der Region Liverpool festgenommen.

    Die Ermittler gehen derzeit nicht von einem Terroranschlag aus. Die Vize-Polizeipräsidentin des Verwaltungsbezirks Merseyside, Jenny Sims, spricht von einem „isolierten Vorfall“, es werde nicht nach weiteren Personen „in diesem Zusammenhang“ gefahndet.

    Liverpool: Vier Menschen wurden unter Auto eingeklemmt

    Unklar ist bislang, ob der nach dem Vorfall festgenommene 53-jährige Brite gezielt gehandelt hat, ob es sich um einen Unfall, einen medizinischen Notfall oder einen gezielten Angriff handelte. Ausgeschlossen hat die Polizei bislang nur Terror als Motiv. 

    In der Water Street in Liverpool fuhr ein Auto in eine Menschenmenge.
    In der Water Street in Liverpool fuhr ein Auto in eine Menschenmenge. © AFP | Darren Staples

    Premierminister Keir Starmer stellt klar: „Jeder, vor allem Kinder, sollte in der Lage sein, seine Helden ohne diesen Horror zu feiern.“ Er lobte den „bemerkenswerten Mut der Polizei und anderer Rettungsdienste. Sie unterstützen und versorgen diejenigen, die bei diesem schrecklichen Ereignis verletzt wurden“, teilte der Politiker in einer Erklärung mit und fügte hinzu: „Das ganze Land steht hinter Liverpool.“

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    Liverpool: Dunkler Van fährt direkt in die Menschengruppe

    Ein Video, das in sozialen Medien verbreitet wurde und das unsere Redaktion einsehen konnte, zeigt den Blick aus einem Fenster oberhalb der Straße. Der Film ist offenbar mit einer Handykamera aufgenommen. Man sieht ein dunkles Fahrzeug, ein kleiner Van, wie er durch die Menschenmenge gesteuert wird. Der Fahrer reißt mit dem Auto mehrere Menschen mit, Personen werden auf die Straße geschleudert. Dann wird deutlich, dass der Fahrer offenbar gezielt in die Menschen fährt, die versuchen, dem Auto auszuweichen.

    Weitere Videos wurden mutmaßlich von Menschen mit dem Handy gefilmt, die sich zur Tatzeit auf der Straße in Liverpool befanden, als das Auto in die Menge raste. Menschen laufen panisch über den Asphalt, Polizisten umstellen das mutmaßliche Tatfahrzeug, wütende Passanten und Fußballfans hämmern mit Fäusten gegen die Autoscheiben. Die Beamten drängen sie zurück.

    Siegerparade in Liverpool - Auto fährt in Menschenmenge
    Ein Zelt wird aufgestellt, während Polizei und Rettungskräfte in der Water Street im Einsatz sind.© Danny Lawson/PA Wire/dpa | Danny Lawson

    Die Echtheit der Videos lässt sich vorerst nicht überprüfen. Die Aufnahmen scheinen auf den ersten Blick authentisch. Offizielle Angaben zur Tat oder zur Zahl möglicher Verletzter lagen zunächst nicht vor. Die Polizei rief dazu auf, die Aufnahmen des Vorfalls nicht online zu teilen, sondern den Beamten zu schicken.

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    Video zeigt wütende Fans

    Ein weiteres Video, das von einem Passanten auf der Straße mit dem Handy gefilmt wurde, liefert weitere Indizien für den Hergang. Der kurze Film, der in den sozialen Netzwerken geteilt wurde, zeigt, wie das Tatfahrzeug offenbar erst langsam versucht, durch die Menschenmenge zu fahren. Doch der Fahrer wird von aufgebrachten Liverpool-Fans aufgehalten, das Auto umstellt. Wie der Fahrer durch die Absperrungen kommen konnte, ist unklar.

    Was auf dem Video zu sehen ist: Die Fans sind wütend, umzingeln den Wagen, klopfen gegen die Scheiben, treten gegen die Türen. Was vorher passiert ist, bleibt ebenfalls unklar. Ob der mutmaßliche Täter bereits Menschen umgefahren hat, ist offen. Das Video zeigt die Szenen nicht, die zu der Eskalation führten. 

    Dann gibt der Fahrer auf einmal Gas, fährt mit 25, vielleicht 30 Kilometern pro Stunde durch die Menge. Ein Fan wird auf die Frontscheibe geschleudert. Dann sieht es so aus, als würde der Fahrer gezielt Menschen umfahren, die versuchen, ihm auszuweichen. Nach einigen Dutzend Metern kommt das Fahrzeug erneut zum Stehen. Schnell sind Dutzende wütende Fans an dem Auto, schlagen erneut auf die Scheiben ein. Schreie sind zu hören. „Tötet ihn! Tötet ihn“, ruft ein Mann aus dem Hintergrund. 

    Kurz nach der Tat hält ein Polizist Fans davon ab, die Water Street zu betreten.
    Kurz nach der Tat hält ein Polizist Fans davon ab, die Water Street zu betreten.© AFP | Darren Staples

    Nach Vorfall in Liverpool: Regierung wird laufend informiert

    Das Fahrzeug soll nach Zeugenangaben und britischen Medien etwas mehr als 30 Stundenkilometer gefahren sein, als es in die Menschenmenge gerast ist. Nach Einschätzung von Unfallexperten kann schon diese vergleichsweise geringe Geschwindigkeit massive Verletzungen verursachen, wenn das Auto mit Passanten kollidiert.

    Großbritanniens Premierminister Keir Starmer bekommt regelmäßig Updates über den Vorfall in Liverpool. Der Regierungschef werde fortlaufend informiert, meldeten die britische Nachrichtenagentur PA und der Fernsehsender Sky News. Auch Innenministerin Yvette Cooper werde auf dem Laufenden gehalten.

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    Der Fußballverein FC Liverpool teilt am Abend über die sozialen Medien mit, dass man mit der Polizei zu dem Vorfall in Kontakt stehe: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen dieses schweren Vorfalls.“

    mit dpa