„Wir werden einander viel verzeihen müssen“, hatte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn in weiser Voraussicht zu Beginn der Corona-Pandemie gesagt. Nahezu in Echtzeit konnten Bürgerinnen und Bürger mitverfolgen, wie die Regierung abwägte zwischen dem Schutz der eigenen Bevölkerung, besonders vulnerabler Gruppen und den Freiheitsrechten der Bürger. Das alles, während sich wissenschaftliche Erkenntnisse über das neuartige Virus, über Impfstoffe und Auswirkungen von Maßnahmen stets weiterentwickelten.

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Dabei wurden auch Fehler gemacht: So würde etwa kaum jemand heute noch die weitreichenden Schulschließungen während der Pandemie befürworten. Besonders hart traf es auch die Kultur – und mit ihr Künstler, denen es zeitweise unmöglich war, vor Publikum aufzutreten. Manch einen machte das wütend, andere schienen gar den Verstand zu verlieren.

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Wendler verbreitete antisemitische Verschwörungserzählung

Zu den kuriosesten Auswüchsen der Pandemie gehörte auch ein Video, das der Schlager-Sänger Michael Wendler (52) verbreitete. Spätestens seit dem Corona-Herbst 2020 galt er damit als Skandal-Figur. Wendler warf der Bundesregierung „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung“ vor. Er sprach von einer „Fake-Pandemie“. Seine Anschuldigungen vermischte der Wendler auch später noch mit antisemitischem Geraune. Der Sänger sprach von einer „Verschwörung der Weltelite“, raunte vom „großen Reset“ und zweifelte nach dem Sieg von Joe Biden über Donald Trump an der Rechtmäßigkeit der US-Wahlen.

Dem Sender RTL, für den er damals als Juror in der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ tätig war, wurde das irgendwann zu viel. Der Wendler wurde vom eigenen Arbeitgeber als Verschwörungstheoretiker bezeichnet und der Sender distanzierte sich. Nach einer Äußerung von Wendler über Deutschland als „KZ“ wurde er dann komplett aus bereits gedrehten Folgen des Castingformats rausgeschnitten. Danach spielte er in großen Fernsehproduktionen keine Rolle mehr. Im vergangenen Jahr hatte RTLzwei eine geplante Doku-Soap mit Wendler und seiner Frau Laura Müller einen Tag nach der deren Ankündigung wieder abgesagt: Man habe die „Vehemenz der Reaktionen wahrgenommen“. 

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RTL distanzierte sich – Konzerte wurden abgesagt

Auch als der Wendler 2024 sein Bühnen-Comeback ankündigte, regte sich Protest. Drei geplante Konzerte wurden wieder abgesagt. All das hat den Wendler offenbar nicht dazu gebracht, einen anderen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil: Noch in diesem Jahr soll es endlich mit dem Comeback klappen. Für kommenden Samstagabend kündigt eine Bochumer Großraumdiskothek einen Live-Auftritt Wendlers bei einer Schlagerparty an. „Das wird ‚ne Riesenparty. Ich freu‘ mich euch zu sehen“, schrieb der Wendler auf „X“ an seine Follower gerichtet. 

Nach Angaben des Veranstalters ist das Vorverkaufskontingent bald ausgeschöpft, Restkarten werde es aber an der Abendkasse geben. Weitere Konzerte sind laut Ankündigungen auf Wendlers Social-Media-Profilen in den kommenden Wochen und Monaten in Datteln, Salzwedel und in Oberhausen angekündigt. Andere Veranstalter geplanter Konzerte, etwa im brandenburgischen Beelitz oder in Legden im Münsterland, hatten nach massiver öffentlicher Kritik angekündigte Auftritte wieder abgesagt. 

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Wendler in Bochum vor Comeback: Fans ist sein Verhalten egal

Nun könnte man sich den Eingangssatz dieses Textes zu Herzen nehmen und auch dem Wendler seine Corona-Schwurbeleien verzeihen. Doch der Schlager-Sänger macht es einem dabei nicht einfach. Denn auch in jüngeren Postings macht er aus seiner Sympathie für den US-Präsidenten Donald Trump keinen Hehl („Ich war und bin TRUMP. Heute ist einer meiner schönsten Tage“, schrieb er zu dessen Wiederwahl im vergangenen Herbst) und nennt ein fragwürdiges Fanlied des rechtsextremen Sängers Björn Banane für AfD-Politikerin Alice Weidel einen „Kracher Hit“.

Zudem blickt der Wendler ohne jegliche Selbstkritik auf sein Verhalten während der Coronakrise. Weiterhin spricht er davon, dass die Corona-Pandemie „geplant“ und „inszeniert“ worden sei. Bis heute sieht er sich als Opfer einer gezielten Denunziationskampagne. Über ihn sei die Hölle losgebrochen, sagte er vor einigen Wochen in einem YouTube-Interview dem Schweizer Corona-Maßnahmen-Kritiker Daniel Stricker. „Ich glaube schon, dass ich einer großen Öffentlichkeit bekannt bin, deswegen hat man auch versucht, mich so zu denunzieren“, so Wendler. Es sei aber nicht gelungen, ihn niederzuschreiben. „Meine Fans halten weiterhin zu mir“. Zur Wahrheit gehört jedoch: Ganz so viele Fans sind nicht mehr übrig – auch wenn sich einige Konzertbesucher am Samstag sagen werden, Verschwörungstheorien, Rechtsextremismus, Antisemitismus: „Egal!“

lro mit dpa