In letzter Zeit werden im Süden Kaliforniens immer mehr Menschen von Seelöwen angegriffen. Zuletzt wurde eine 15-jährige Teenagerin in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem ein Seelöwe sie mehrmals in den Arm gebissen hat. Fälschlicherweise ging die Anwärterin für den Junior-Rettungsschwimmer erst von einer Haiattacke aus, wie die „Los Angeles Times“ berichtet. Sie wurde während ihrer 1.000 Yard (knapp 915 Meter) Schwimmprüfung in Long Beach attackiert. Ein Seelöwe sei nach dem Angriff zu sehen gewesen, bevor das Tier wegschwamm.

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Seit mehreren Wochen berichten amerikanische Medien über zahlreiche und unberechenbare Seelöwen-Angriffe. Der vermutete Grund: Die Tiere leiden unter einer Algen-Vergiftung. Ein Surfer, der ebenfalls in diesem Jahr von einem Seelöwen angegriffen wurde, berichtete dem „The Guardian“, dass das Tier, welches ihn angriff, einen wilden, schon fast dämonischen Ausdruck gehabt habe. Doch eigentlich sind Seelöwen für ihre Neugier und Verspieltheit bekannt.

Orcas, Haie und Tiere im Meer

Algen-Vergiftung: Auch Menschen können daran erkranken

Ein Sprecher des Marine Mammal Center erklärte in einer E-Mail an die Tageszeitung, dass das abnormale neurologische Verhalten in Form von Anfällen und Zittern mit Desorientierung einhergehe und und typische Verhaltensweisen von Seelöwen seien, die mit einem Neurotoxin in Verbindung gekommen sind. Dieses kann zu aggressivem und unberechenbarem Verhalten führen.

Auch die Deutsche Stiftung Meeresschutz informiert über die derzeit grassierende Algenpest. Verantwortlich sind sogenannte Kieselalgen. Diese produzieren Domoinsäure, welche für Seelöwen und Delfine giftig sind. Selbst Menschen können auf Domoinsäure reagieren, in diesem Fall ist sie besser bekannt als „Muschelvergiftung“ und kann zu Kribbeln um dem Mund herum, Übelkeit, Erbrechen und weiteren Symptomen führen.

Für Delfine endet eine Vergiftung meist tödlich. Wohingegen Seelöwen unter schweren Gedächtnisstörungen, Apathie, Desorientierung und irreversiblen Schädigungen des zentralen Nervensystems leiden. Dies führt dazu, dass die Tiere nicht mehr schwimmen können und ihr Verhalten unberechenbar wird. Oftmals wackeln infizierte Tiere mit dem Kopf und ihre Augen treten hervor. Es kann sogar zur Schaumbildung um den Mund herum kommen. 

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Algenpest: Seit mehreren Jahren sterben zahlreiche Tiere an Domoinsäure

Bereits seit vier Jahren kämpfen die Meeresforscher mit den extremen Auswirkungen der Ausbreitung der Algen-Vergiftungen und versuchen infizierte Tiere zu retten. Normalerweise wächst die Kieselalge nach windgetriebenen Tagen in den Sommermonaten. Dadurch gelangt tiefgelegenes Meerwasser voller Nährstoffe an die Oberfläche und die Algen produzieren die toxische Säure. Fische, Muscheln und Tintenfische kommen als erstes mit der Säure in Kontakt und vergiften als Hauptnahrungsmittel anschließend Seelöwen und Delfine. 

Durch den Klimawandel profitieren die Kieselalgen und wachsen bereits im Frühjahr. Die Mischung aus zu vielen Nährstoffen im Meerwasser, den hohen Temperaturen im Meer und weiteren Faktoren begünstigen das Wachstum enorm. Nun stellt sich in Kalifornien jedoch die Frage, ob die frühe Ausbreitung eine Folge der Brände in Los Angeles sein könnte? Welche Ursachen nun wirklich verantwortlich sind, wird sich in der Zukunft zeigen. Meeresforscherinnen und Meeresforscher bleiben Medien zufolge in Bereitschaft, um möglichst viele infizierte Seelöwen zu retten. 

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