Bei Ausgrabungen an der bedeutenden Fundstätte in der nordspanischen Region Atapuerca ist Archäologen die Freilegung fossiler Gesichtsknochen gelungen. Dieser Fund birgt eine potenziell herausragende wissenschaftliche Relevanz. Die genaue chronologische Einordnung der Überreste ist noch nicht abschließend geklärt, jedoch weisen erste Analysen auf die mögliche Entdeckung einer bislang unbekannten Frühmenschen-Art hin.

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Die Sierra de Atapuerca in Nordspanien gilt als bedeutende Fundstätte früher Homininen. Bereits 1990 wurden dort fossile Überreste des etwa 860.000 Jahre alten Homo antecessor entdeckt, einer möglichen Übergangsform zwischen früheren und späteren Menschenarten. Im Jahr 2008 wurde in der Höhle Sima del Elefante dann ein etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Jahre alter Unterkiefer entdeckt, dessen historische und zeitliche Einordnung bislang unklar blieb. Um weitere Belege zur frühen Besiedlung Europas zu gewinnen, führte ein Forschungsteam um Rosa Huguet vom Institut IPHES-CERCA gezielte Ausgrabungen in der Sima-del-Elefante-Höhle durch.

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Im Jahr 2022 entdeckte das Forschungsteam in einer tiefer gelegenen Sedimentschicht der Sima-del-Elefante-Höhle erneut fossile Überreste eines frühen Homininen. Diese als ATE7-1 bezeichneten Fragmente wurden auf ein Alter von etwa 1,1 bis 1,4 Millionen Jahren datiert und sind damit nochmals deutlich älter als Homo antecessor. Die Funde umfassen Teile des Oberkiefers, der Nasenstruktur sowie des linken Jochbeins eines erwachsenen Individuums.

Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist ATE7-1 aufgrund seines außergewöhnlichen Alters. „Dieses Fossil repräsentiert das älteste menschliche Gesicht, das bisher in Westeuropa gefunden wurde“, beschrieb Huguet die Rückschlüsse aus der Rekonstruktion.

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Die genaue taxonomische Einordnung der ATE7-1-Gesichtsknochen bleibt jedoch unklar. Um ihre Herkunft zu bestimmen, analysierte das Forschungsteam die anatomischen Merkmale der Fragmente mittels 3D-Rekonstruktionen. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zu Homo antecessor, der ein moderneres Gesichtsprofil aufweist. Stattdessen ähnelt ATE7-1 in seiner flachen Nasenstruktur eher Homo erectus, unterscheidet sich jedoch in Zahnmerkmalen und durch ein schmaleres Gesicht.

Aufgrund dieser Mischmerkmale wurde das Fossil vorläufig als Homo affinis erectus klassifiziert. Die Entdeckung deutet darauf hin, dass Westeuropa im frühen Pleistozän von mindestens zwei Homininen-Arten besiedelt war, darunter eine bisher unbekannte Spezies.

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Auch wenn die Klassifizierung des 1,1 bis 1,4 Millionen Jahre alten Frühmenschen nicht vollständig geklärt werden kann, lassen sich aus der Sicht der Forscher wertvolle Rückschlüsse ziehen: „Der Fund beweist, dass Westeuropa während des frühen Pleistozän von mindestens zwei verschiedenen Homo-Spezies bevölkert war: erst dem Homo affinis erectus, dann später dem Homo antecessor“. Die eindrucksvollen Funde von Atapuerca unterstreichen den hohen Stellenwert der archäologischen Stätte in Bezug auf die Erforschung der menschlichen Evolution.