• Warum rammte das Frachtschiff den Öltanker?
  • Die Unglücksursache ist weiterhin unklar
  • Ein Besatzungsmitglied der „Solong“ wird weiter vermisst
  • Frachter „Solong“ soll mehrere Behälter Natriumcyanid geladen haben

Zwei nach ihrer Kollision vor der britischen Nordsee-Küste in Flammen aufgegangene Schiffe haben in der Nacht weiter gebrannt. Wie die britische BBC unter Berufung auf die Küstenwache weiter berichtete, wurde die Suche nach dem einzigen vermissten Crew-Mitglied abgebrochen. Insgesamt 36 Besatzungsmitglieder des Öltankers und des Containerschiffs seien sicher an Land gebracht worden, ein Mensch sei ins Krankenhaus gekommen. Die Sorge vor einer Verschmutzung der Nordsee bleibt derweil groß.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Ursache für den Zusammenstoß der Schiffe ist weiterhin ungeklärt. Am Dienstag soll das deutsche Mehrzweckschiff „Mellum“ eintreffen. Es ist mit Technik zur Brandbekämpfung sowie zur Aufnahme von Öl ausgerüstet. Zudem steht ein Bundeswehr-Flugzeug vom Typ DO 228 auf Abruf bereit. Der „Öljäger“ kann durch leistungsstarke Kameras und Sensoren Schadstoffe im Wasser ausmachen.

Der Öltanker stand in der Nordsee nahe der britischen Küste in Flammen, nachdem er von einem Frachtschiff gerammt wurde.
Der Öltanker stand in der Nordsee nahe der britischen Küste in Flammen, nachdem er von einem Frachtschiff gerammt wurde.© Bartek ·mia·ek/AP/dpa | -

Öltanker: Klaffendes Loch auf der Backbord-Seite

Beide Schiffe waren bei dem Zusammenstoß in Brand geraten. Es soll mehrere Explosionen gegeben haben. Der britische Staatssekretär für Wohnungswesen, Matthew Pennycock sagte dem Sender „Times Radio“ am Dienstagmorgen, das Feuer wüte weiterhin. Auf Luftaufnahmen der BBC war ein klaffendes Loch auf der Backbord-Seite des Schiffes zu sehen. Flammen waren keine mehr zu erkennen. Gas und Flüssigkeiten schienen aber an verschiedenen Stellen auszutreten, wie auf Videoaufnahmen zu erkennen war. 

Frachtschiff rammte Öltanker

Der Öltanker „Stena Immaculate“ war am Montagvormittag in dem stark befahrenen Seegebiet vom Frachtschiff „Solong“ gerammt worden und in Brand geraten. Das vermisste Besatzungsmitglied stammt von der „Solong“.

Der beschädigte Tanker „Stena Immaculate“ hat 220.000 Barrel (knapp 35 Millionen Liter) Flugzeugtreibstoff geladen. Das geht aus einer Mitteilung des Betreibers Crowley, einem US-Schifffahrts- und Logistikunternehmen hervor. Die Ladung sei auf 16 voneinander getrennte Tanks verteilt gewesen. Mindestens einer dieser Tanks sei bei dem Aufprall beschädigt worden. Wie viel von dem Treibstoff ins Wasser gelangt sein könnte, ist noch unklar. 

Der Öltanker „Stena Immaculate“ fährt unter US-Flagge, der Frachter „Solong“ unter portugiesischer. Nach Informationen der BBC ist der Tanker eines von mehreren Schiffen, die im Rahmen eines sogenannten Tankersicherheits-Programms der US-Regierung sicherstellen sollen, dass das Militär Transporte durchführen kann.

Die „Solong“ soll mehrere Behälter mit Natriumcyanid geladen haben. Ob davon etwas ins Wasser gelangte, ist unklar. Natriumcyanid ist eine giftige Substanz, die das Ökosystem belasten kann.

„Stena Immaculate“ war vom US-Militär gechartet

Der Zusammenstoß zwischen den beiden Schiffen hatte sich am Montagvormittag in der ostenglischen Grafschaft East Yorkshire ereignet. Der Leiter des Hafens von Grimsby sagte, ihm sei von einem „Feuerball“ berichtet worden. Für die großangelegte Rettungsaktion wurden ein Hubschrauber der Küstenwache, ein Flugzeug, Rettungsboote aus vier Städten und weitere Schiffe aus der Umgebung aktiviert.

Schiffskollision vor britischer Küste
Der mit Treibstoff für das US-Militär geladene Tanker „Stena Immaculate“ (Foto) lag vor Anker als er vom Frachter „Solong“ gerammt wurde.© DPA Images | Denys Mezentsev

Das Containerschiff „Solong“ gehört der deutschen Reederei Ernst Russ. Eigentümer der „Stena Immaculate“ ist die schwedische Reederei Stena Bulk. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg befand sich der Tanker auf dem Weg nach Griechenland.

Der Tanker war nach Angaben aus Washington vom Military Sealift Command des US-Militärs gechartert worden. Das Kommando betreibt Schiffe mit ziviler Besatzung, die Seetransporte für das US-Verteidigungsministerium vornehmen.

Öltanker brennt in der Nordsee: Umweltschützer besorgt

Nach Angaben der britischen Küstenwache ist es „wahrscheinlich“, dass das Unglück eine Verschmutzung des Meeres zur Folge haben wird. Laut der auf Seetransporte spezialisierten Website Lloyd‘s List Intelligence hat das Frachtschiff eine unbestimmte Menge Alkohol und fünfzehn Behälter mit Natriumcyanid an Bord. Es verlautete zunächst jedoch nichts dazu, ob etwas davon ausgelaufen ist.

Rettungsbote und Löschmannschaften sind nahe der Küste von East Yorkshire im Einsatz.
Rettungsbote und Löschmannschaften sind nahe der Küste von East Yorkshire im Einsatz.© Getty Images | Getty Images

Die Umweltorganisation Greenpeace zeigte sich „extrem besorgt“ über die Vorgänge. „Da immer mehr Informationen darüber auftauchen, was die Schiffe geladen hatten, sind wir extrem besorgt über die vielfältigen toxischen Gefahren, die diese Chemikalien für das Meeresleben darstellen könnten“, erklärte Greenpeace-Wissenschaftler Paul Johnston im britischen Exeter. Offenbar sei das für Fische und andere Meerestiere giftige Kerosin in der Nähe eines Rastplatzes für Schweinswale ins Wasser gelangt.

Regierungssprecher nennt Situation „äußerst besorgniserregend“

Großbritanniens Verkehrsministerin Heidi Alexander äußerte sich besorgt. Sie stehe mit den Behörden und der Küstenwache in Kontakt, „um die weitere Entwicklung der Situation zu verfolgen“. Ein Sprecher des britischen Premierministers Keir Starmer nannte die Situation „äußerst besorgniserregend“.

Der Vorsitzende des Stadtrates der nahegelegenen Stadt Hull sprach in der BBC von einer „verheerenden“ Lage. Die potenziellen Umweltfolgen seien besorgniserregend, in den kommenden Tagen müsse „sehr schnell“ daran gearbeitet werden, diese zu verstehen. Die Küstenwache prüft, ob und welche Maßnahmen zur Bekämpfung von Umweltbedrohungen erforderlich sind.

lro/dpa/AFP