• Der Mikrostaat Nauru im Pazifik verkauft seine Staatsbürgerschaft
  • 105.000 US-Dollar pro Pass – das klingt nach einem verlockenden Angebot
  • Doch dahinter stecken ernstzunehmende Gründe

Auf einer tropischen Insel leben, umgeben von Palmen und türkisblauem Wasser – für viele klingt das nach dem ultimativen Traum. Was, wenn dieser Traum zum Kauf angeboten wird? Die kleine Insel Nauru im Pazifischen Ozean bietet genau das für schlappe 105.000 Dollar an. Doch die Zukunft des Landes in Ozeanien ist alles andere als gesichert.

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Mit nur 21 Quadratkilometern ist Nauru der drittkleinste Staat und die kleinste Republik der Welt und stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Steigende Meeresspiegel, Küstenerosion und Sturmfluten bedrohen das Leben der rund 12.500 Einwohner. Die Regierung plant, 90 Prozent der Bevölkerung in höher gelegene Gebiete auf der Insel umzusiedeln. Finanziert werden soll das durch den Verkauf von Staatsbürgerschaften.

Staatsbürgerschaften verkaufen: Ein umstrittenes Modell

„Während die Welt über Klimamaßnahmen debattiert, müssen wir handeln“, sagte Präsident David Adeang. Der Pass von Nauru erlaubt visafreies Reisen in 89 Länder, darunter das Vereinigte Königreich und Singapur. Kritiker befürchten jedoch Missbrauch. Bereits in den 1990er Jahren führte ein ähnliches Programm zu Skandalen. 2003 wurden mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen mit nauruischen Pässen festgenommen.

Nauru stand auch im Fokus des Kryptowährungsunternehmers Sam Bankman-Fried. Er wollte die Insel kaufen und dort einen Bunker bauen. Der Bunker sollte ihm helfen, eine Apokalypse zu überleben, wie er 2023 in einer Klage angab.

Die Regierung verspricht diesmal strengere Prüfverfahren. Bewerber mit kriminellem Hintergrund oder aus Hochrisikoländern wie Russland und Nordkorea seien ausgeschlossen. Internationale Organisationen wie die Weltbank sollen die Kontrollen überwachen.

Die Regierung rechnet mit Einnahmen von bis zu 42 Millionen US-Dollar jährlich – ein erheblicher Anteil am Staatshaushalt. Nur wenige der neuen Passbesitzer werden wahrscheinlich jemals die abgelegene Insel besuchen.

Die Staatsbürgerschaft ermöglicht es den Menschen, ein „globales Leben“ zu führen, so Kirstin Surak, Professorin für politische Soziologie an der London School of Economics und Autorin von „The Golden Passport: Global Mobility for Millionaires“. Dies könne besonders für Menschen mit eingeschränkten Pässen nützlich sein, sagte sie CNN. Aber sie warnt auch: Ohne Transparenz und klare Investitionen könnte das Programm scheitern.

Nauru area enlarged and glowed on a darkened background of its surroundings. Satellite imagery
Nauru, einer der kleinsten Staaten der Welt, liegt im Pazifik und ist stark von den Folgen des Klimawandels und wirtschaftlicher Unsicherheit betroffen.© NASA, SRTM, GADM, OSM, ASTER, MapCruzin, USGS | Pawel Zelwan

Nauru: Von Reichtum zum Ruin

1888 annektierte das Deutsche Kaiserreich Nauru. Nach dem Ersten Weltkrieg verwaltete Australien die Insel und beutete ihre Phosphatvorkommen aus. 1968 erlangte Nauru die Unabhängigkeit und wurde durch den Phosphathandel kurzfristig reich.

Doch als die Vorräte zur Neige gingen, brach die Wirtschaft zusammen. Die Insel wurde zu einem Zentrum für Geldwäsche und Offshore-Firmen. Zudem nahm Nauru gegen Bezahlung Geflüchtete auf, die Australien nicht wollte – mit gravierendem Imageschaden.

Staatsbürgerschaften verkaufen: Ein Modell für andere Staaten?

Die Einnahmen aus dem Passverkauf sollen helfen, Nauru gegen die Klimakrise zu wappnen. Ob andere gefährdete Staaten diesem Beispiel folgen, bleibt abzuwarten. Die Karibiknation Dominica verkauft bereits seit 1993 Staatsbürgerschaften und nutzt die Erlöse für Klimaschutz.

„Nauru zeigt, welche Wege es für gefährdete Staaten gibt“, sagt Edward Clark, CEO des Wirtschafts- und Klimaschutzprogramms. Doch ob dieser Plan die erhoffte Sicherheit bringt oder neue Risiken birgt, wird sich erst zeigen müssen.

ari