Ein Karnevalswagen in Köln sorgt für Empörung: Mit einer satirischen Darstellung der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche trifft er einen wunden Punkt. Während CDU und Erzbistum Köln den Wagen scharf kritisieren, verteidigen Karnevalistinnen und Karnevalisten die Satirefreiheit.

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Wenige Tage vor dem Rosenmontagszug zieht ein Wagen bereits heftige Kritik auf sich. Die Darstellung: Ein Priester winkt einen Messdiener in einen Beichtstuhl, darüber die Aufschrift: „Jesus liebt dich.“ Die Szene spielt unverhohlen auf Missbrauch in der katholischen Kirche an.

Für die CDU in Köln ist das zu viel. Politikerinnen und Politiker sprechen von einer „geschmacklosen Entgleisung“ und fordern das Festkomitee auf, den Wagen aus dem Zug zu nehmen. Auch das Erzbistum Köln protestiert.

Richtfest Kölner Rosenmontagszug
Ein Motivwagen zum Thema Missbrauch in der Kirche steht beim Richtfest des Kölner Rosenmontagszuges in der Wagenhalle. Am kommenden Montag ist Rosenmontag. © DPA Images | Oliver Berg

Der umstrittene Kardinal Rainer Maria Woelki betont, Satire habe Grenzen: „Jesus mit Missbrauch in Verbindung zu bringen, geht zu weit.“ Woelki geriet in die Kritik, weil er ein Gutachten zu sexualisierter Gewalt aus rechtlichen Gründen zurückhielt und ein zweites in Auftrag gab. Der Vatikan sah kein rechtswidriges Verhalten.

Kölner Karneval: Karnevalisten verteidigen den Wagen

Doch die Organisatoren des Rosenmontagszugs halten dagegen. „Nicht die Darstellung ist das Problem, sondern der Missbrauch selbst“, sagt Zugleiter Marc Michelske. Präsident Christoph Kuckelkorn ergänzt, dass gerade Betroffene den Wagen positiv aufgenommen hätten: „Es ist unsere Aufgabe, gesellschaftliche Missstände anzuprangern.“

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Die Initiative „Eckiger Tisch“, die sich für Missbrauchsbetroffene einsetzt, lobt den Wagen als wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung. „Die katholische Kirche hat Jahrzehnte lang vertuscht – dass Karneval dieses Thema aufgreift, ist notwendig“, heißt es in einer Stellungnahme.

Anders sieht es der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln. Dort empfindet man die Darstellung als „neuen Missbrauch“ und kritisiert, dass die Debatte einseitig auf die Kirche fokussiert sei, während andere Missbrauchsorte wie Familien oft ungenannt blieben.

Kölner Rosenmontagszug: Vorstellung vom Kölner Dreigestirn und der Motivwagen
Ein Motivwagen Kindesmissbrauch: Eine Hand im Priestergewand lockt einen jungen Messdiener in den Beichtstuhl.© action press | GALUSCHKA,HORST

Kölner Karneval: Provokation mit Tradition

Kirchenkritische Wagen sind im Kölner Karneval nichts Neues. Schon 2023 thematisierte ein Motivwagen die fehlende Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. In früheren Jahren wurde die schleppende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle satirisch aufs Korn genommen.

Auch in diesem Jahr stehen neben der Kirche weitere politische Themen im Fokus. Olaf Scholz, Friedrich Merz und Donald Trump dürften ebenso ihr Fett wegbekommen wie das Ampel-Chaos oder die Lage in der Ukraine.

Trotz Protesten bleibt der Wagen Teil des Rosenmontagszugs. „Wir knicken nicht ein“, so Michelske. Ob sich der Protest weiter hochschaukelt oder in den Feierlichkeiten untergeht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Karneval bleibt politisch – und die Jecken lassen sich ihr Recht auf Satire nicht nehmen.