Einer neuen Studie zufolge könnten in Gebirgszügen große Reserven an weißem Wasserstoff lagern. Eine frühere Modellrechnung deutete bereits darauf hin, dass sich im Untergrund geschätzte 6,2 Billionen Tonnen Wasserstoff verbergen könnten. Bereits ein kleiner Teil dieser Menge könnte laut den Forschern ausreichen, um den globalen Bedarf für etwa 200 Jahre zu decken, was den Verzicht auf fossile Brennstoffe ermöglichen würde.

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Nun entdeckten Forscher in einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Sciences Advances erschien, die möglichen Hotspots von weißem Wasserstoff. Gelingt die Förderung, könnte das Gas die Energiewende voranbringen und zur Bekämpfung der Klimakrise beitragen.
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Bisher Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen gewonnen
Wasserstoff, der bei der Verbrennung lediglich Wasser freisetzt, gilt seit Langem als umweltfreundlicher Energieträger – besonders für energieintensive Branchen wie Luftfahrt und Stahlindustrie. Um die Herkunft zu kennzeichnen, wird der Wasserstoff häufig in Farben eingeteilt:
- Grauer Wasserstoff: Wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen und setzt CO₂ frei.
- Blauer Wasserstoff: Entsteht wie grauer Wasserstoff, aber das CO₂ wird gespeichert.
- Grüner Wasserstoff: Wird durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom produziert.
- Weißer Wasserstoff: Entsteht natürlich in der Erde und kann direkt genutzt werden.
Allerdings wird der Großteil des kommerziellen Wasserstoffs bisher aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Dadurch geht der Klimavorteil weitgehend verloren.
Natürliche Wasserstoffquellen in den Bergen
Im Gegensatz zu herkömmlichem Wasserstoff, der energieintensiv produziert wird, bildet sich weißer Wasserstoff durch natürliche geologische Prozesse. Die Wissenschaftler der aktuellen Studie fokussierten sich auf die „Serpentisierung“, bei der Wasser mit eisenhaltigem Gestein aus dem Erdmantel interagiert und so Wasserstoff erzeugt.
Diese Gesteine liegen normalerweise tief im Erdinneren, wo Wasser nicht leicht zugänglich ist, aber geologische Prozesse können sie über Millionen von Jahren an die Oberfläche bringen. Dies geschieht unter den Ozeanen, wenn Kontinente auseinanderdriften und Mantelgestein aufsteigt. Auch bei der Kollision von Kontinenten kann Mantelgestein nach oben gedrückt werden, wodurch Ozeanbecken geschlossen werden.
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Die Wissenschaftler nutzen tektonische Plattenmodelle, um zu bestimmen, wo und wann dieses Mantelgestein „exhumiert“ wurde und in welchen Mengen, erklärt der Geologe Frank Zwaan vom Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften gegenüber CNN.
Hoffnungsträger: Pyrenäen, europäische Alpen und Teile des Himalaya
Die Untersuchungen ergaben, dass bestimmte Gebirgsketten, darunter die Pyrenäen, die europäischen Alpen und Teile des Himalaya, ideale Bedingungen für die Erzeugung von weißem Wasserstoff bieten. Dort gibt es große Mengen an Mantelgestein bei optimalen Temperaturen, und tiefe Verwerfungen ermöglichen die Zirkulation von Wasser.
Die verfügbaren Mengen an Mantelgestein in diesen Gebirgen lassen darauf schließen, dass weißer Wasserstoff „ein entscheidender Faktor sein könnte“, zitiert CNN Zwaan.
Weißer Wasserstoff: Ein Zufallsfund
Dass weißer Wasserstoff eine nutzbare Energiequelle sein könnte, zeigte sich erstmals 1987 in Mali. Dort entzündete sich ein Wasserbrunnen unerwartet, als ein Arbeiter mit einer Zigarette in der Nähe stand. Die Ursache: ausströmender Wasserstoff. Heute wird das Gas genutzt, um ein Dorf mit Strom zu versorgen.
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Ähnliche Funde in den USA, Australien und Frankreich legen nahe, dass natürliche Wasserstoffvorkommen weltweit existieren. Ein besonders aufsehenerregender Fund gelang Wissenschaftlern in den USA, die eine Gasquelle entdeckten, aus der kontinuierlich weißer Wasserstoff entweicht. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich das Gas in einigen Regionen über Jahrhunderte hinweg selbst erneuert.
Herausforderungen und wirtschaftliches Potenzial
Die wirtschaftliche Förderung weißen Wasserstoffs steckt noch in den Anfängen. Noch ist unklar, wie groß die Vorkommen tatsächlich sind und welche Technologien nötig wären, um das Gas effizient zu fördern. Forscher ziehen jedoch Parallelen zur Erdölindustrie: „Öl war eine Art Kuriosität, bis die Technik so weit war, dass sie in großem Maßstab angewendet werden konnte“, sagt Zwaan, und weißer Wasserstoff „könnte einen ähnlichen Weg gehen“, so der Forscher laut CNN.
Sollte es gelingen, eine praktikable Fördermethode zu entwickeln, hätte weißer Wasserstoff entscheidende Vorteile:
- Kosteneffizienz: Anders als grüner Wasserstoff, der durch Elektrolyse hergestellt wird, müsste weißer Wasserstoff nur aus dem Boden gefördert werden.
- Nachhaltigkeit: Die Nutzung wäre umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe und könnte die CO₂-Emissionen drastisch reduzieren.
- Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern: Länder mit natürlichen Wasserstoffvorkommen könnten neue wirtschaftliche Chancen erhalten.







