Der Untergang Pompejis zählt zu den bekanntesten Tragödien der Antike und bietet einzigartige Einblicke in das Alltagsleben der römischen Epoche. Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv ohne Vorwarnung aus und bedeckte die blühende Stadt mit einer dichten Schicht aus Asche und Bimsstein. Tausende Menschen kamen durch den verheerenden Vulkanausbruch ums Leben, und die einst wohlhabende, kulturell reiche Stadt wurde in einem Augenblick in ihrem Zustand konserviert.

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Im Archäologischen Park von Pompeji machten Forscher nun eine erstaunliche Entdeckung in einem eigentlich bescheidenen Zuhause. Die in einem Statement sogar als „Tiny House“ bezeichnete Wohneinheit gruben die Archäologen im zentralen Viertel von Pompeji aus. Völlig ungewöhnlich: Dem Haus fehlte das in der römischen Architektur typische Atrium, ein zentraler Innenraum, der nach oben hin geöffnet war.

Trotz der geringen Größe der Residenz wäre es nicht unmöglich gewesen wäre, ein kleines Atrium mit dem klassischen Becken (Impluvium) zum Sammeln von Regenwasser einzubauen, heißt es im Statement. Wieso entschied sich der Besitzer des Hauses also für diesen ungewöhnlichen Stil?

Unglaublicher Fund: Wandgemälde bilden Szenen aus griechischer Mythologie ab

Besonders beeindruckend ist die aufwendige Dekoration der vergleichsweise kleinen Unterkunft, die Archäologen ins Staunen versetzt. Die prachtvollen Wandgemälde stehen denen des weitaus größeren und wohlhabenderen Nachbarhauses in keiner Weise nach. Ein Highlight der Entdeckung ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fresko, das den Mythos von Hippolytus und Phaedra zeigt. Aufgrund dieses Fundes erhielt die Unterkunft vorläufig den Namen „Haus der Phaedra“.

Der Mythos von Hippolytus und Phaedra erzählt die tragische Geschichte einer unglücklichen Liebe und Eifersucht. Phaedra, die Stiefmutter des Hippolytus, wird von Aphrodite verzaubert und verliebt sich leidenschaftlich in ihn. Als Hippolytus, Sohn des Theseus, ihre Gefühle ablehnt, beschuldigt Phaedra ihn aus Scham fälschlich, sie verführt zu haben. Theseus, voller Zorn und getäuscht von Phaedras Anschuldigung, verflucht seinen Sohn mit Hilfe des Meeresgottes Poseidon. Dieser Fluch führt letztlich zum Tod von Hippolytus und zum Selbstmord Phaedras.

Dieses Wandgemälde zeigt wahrscheinlich eine Szene aus dem Mythos von Hippolytus und Phaedra.
Dieses Wandgemälde zeigt wahrscheinlich eine Szene aus dem Mythos von Hippolytus und Phaedra. © Archäologischer Park Pompeji

Die beiden bereits erforschten Räume befinden sich im hinteren Teil des Hauses. Im ersten Raum sind neben der mythologischen Darstellung von Hippolytus und Phaedra weitere Szenen aus dem Repertoire der klassischen Mythen zu sehen. Darunter ist ein Fresko, das den Geschlechtsverkehr zwischen dem Waldgott Satyr und einer Nymphe zeigt, sowie ein Bild mit einem Götterpaar, das vielleicht Venus und Adonis darstellen könnte. Bei einer leicht beschädigten Szene könnte es sich wiederum um das Urteil des Paris handeln.

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Italien: Vesuv-Ausbruch konservierte Opfergaben

Im Innenhof der Residenz entdeckten die Archäologen einen großen Pool mit rot gestrichenen Wänden – ein weiteres Indiz dafür, dass der Hausherr oder die Hausherrin keineswegs zum einfachen Bürgertum gehörte. In einer Gebetsnische kamen rituelle Gegenstände zutage, die vermutlich bei der letzten Opfergabe vor dem Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. zurückgelassen wurden: ein Weihrauchgefäß aus ungeglaster Keramik mit antiken Rissen sowie eine Lampe, beide deutlich von Brandspuren gezeichnet.

Dass das Haus kein Atrium besaß, hing wohl mit Veränderungen zusammen, die die römische Gesellschaft im 1. Jahrhundert n. Chr. durchlief. Zur Zeit der Pompeji-Katastrophe war das Atrium sechs Jahrhunderte lang als Empfangsbereich sowie als Ausstellungsraum für Trophäen und Familienporträts in der römischen Kultur genutzt worden. Der Wandel hin zu Häusern ohne Atrium sei Zeugnis dafür, dass diese Art der Repräsentation weniger wichtig wurde, heißt es in einer im Wissenschaftsmagazin des Archäologischen Parks von Pompeji veröffentlichten Studie.