Bereits in den 1880er-Jahren berichtete der schottische Archäologe W. M. Ramsay erstmals über einen freistehenden Tuffstein-Monolithen in der Türkei. Seitdem gibt der Felsen, den Menschen im 7. oder 6. Jahrhundert vor Christus offenbar bearbeitet hatten, der Forschung Rätsel auf. Was könnte die rätselhafte Innschrift darauf bedeuten?

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Das Besondere: je nach Lichteinfall ist eine andere Interpretation der von Löwen und Sphinxen bewachten Inschrift möglich. Nun könnte der amerikanische Archäologe Mark Munn (71) das Rätsel um das Zeugnis einer längst vergangenen Kultur gelöst haben.

Archäologisches Rätsel in der Türkei: Was bedeutet der Name „Materan“?
Das Monument Arslan Kaya steht im Westen der Türkei in der Nähe des Sees Emre Gölü. Sein Name lässt sich mit „Löwenfelsen“ übersetzen. Entstanden soll er in der Zeit Lyder sein, die während der Eisenzeit in Kleinasien über ein großes Gebiet herrschte. Laut der neuen Studie steht der Name „Materan“ auf dem Bauwerk geschrieben. Was bedeutet er?
US-Archäologe Mark Munn entschlüsselt Namen der Muttergöttin auf Monument
Materan soll eine Göttin des an Lydien angrenzenden Volkes der Phryger gewesen sein. Sie war „schlicht als Mutter“ bekannt, sagte der Autor der Untersuchung, Mark Munn, gegenüber „Live Science“. Auch in anderen altertümlichen Kulturen sei Materan verehrt worden, erklärt der Professor für griechische Geschichte und Archäologie an der Pennsylvania State University. Seine Untersuchung veröffentlichte er in der Fachzeitschrift „Kadmos“.
„Die Griechen kannten sie als die ‚Mutter der Götter‘, die Römer dagegen nannten sie ‚Magna Mater‘ oder ‚Große Mutter‘“. Zur Zeit des Baus des Monuments könnte das Königreich Lydien, das ebenfalls Materan verehrt hatte, über die Gegend geherrscht haben, schreibt er in der Studie.
Das Löwen-Monument der Lyder: Größter Teil der Inschrift bleibt zerstört
Die Kultstätte wurde durch Witterungseinflüsse und Plünderungen stark beschädigt, sodass die Inschrift äußerst schwer zu lesen ist. Der Wortlaut und Inhalt sei seit dem 19. Jahrhundert Gegenstand von Debatten, fasst Munn in dem Papier zusammen. Und so kam der US-Archäologe der Lösung des Rätsels einen entscheidenden Schritt näher: Er fotografierte die Inschrift detailliert, als das Licht günstig fiel, und untersuchte noch einmal ältere Fotos und Aufzeichnungen.
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Laut Munn ergibt es Sinn, dass das Denkmal den Namen von Materan trägt, da auf dem Monument auch ein Darstellung der Göttin abgebildet ist, sagte er gegenüber „Live Science“. Materans Name sei wahrscheinlich Teil einer größeren Inschrift gewesen, die erklärte, wer die Inschrift in Auftrag gegeben hatte und wer Materan war. Anhand des künstlerischen Stils des Baus datierte der Forscher die Entstehungszeit der Inschrift auf die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr.
Mutter-Göttin-Kult: Wer waren die Alten Lyder und Phryger?
Die Lyder und Phryger waren beides bedeutende Völker in Kleinasien. Während der Eisenzeit und Antike, vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis zur Eroberung durch Großreiche wie Persien im 6. Jahrhundert v. Chr. , erlebten sie ihre ihre Blütezeit. Die Lyder, bekannt für ihren legendären Reichtum und König Kroisos, prägten als erste Münzen aus Edelmetall, was den Handel revolutionierte.
Die Phryger hingegen sind für ihre kunstvollen Holzarbeiten, ihre Musiktradition und die sagenumwobene Gestalt des König Midas berühmt. Beide Kulturen hinterließen beeindruckende Hinterlassenschaften wie Heiligtümer, Grabhügel und Schriftzeugnisse, die ihre Rolle als kulturelle Brücken zwischen Orient und Okzident verdeutlichen.
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