Der Fall schockierte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus: Gisèle Pelicot wurde von ihrem Mann über Jahre hinweg regelmäßig betäubt und fremden Männern zur Vergewaltigung angeboten. Nur durch einen Zufall erfuhr das Opfer von seinem Martyrium. Ende 2025 wurde der Täter dann zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Was wie ein schrecklicher Einzelfall klingt, passiert – wenn auch nicht in diesem Ausmaß – regelmäßig. Allein in Deutschland erleben jedes Jahr etwa 150.000 Menschen Gewalt in ihrer Beziehung. Rund 80 Prozent der Täter sind Männer. Das sagt Dieter Seifert, ärztlicher Direktor der forensischen Psychiatrie der Christophorus Klinik in Münster. Was bringt Männer dazu, ihre Ehefrauen zu schlagen und zu vergewaltigen? Der Professor erklärt sexuelle Gewaltfantasien, wann sie Wirklichkeit werden – und wie man sich dagegen schützen kann.
Welche Männer können zu Tätern werden?
Dieter Seifert: Es gibt verschiedene Täter-Typen. Daher ist keineswegs davon auszugehen, dass jeder Mann zum Täter werden kann. Gefährdet sind diejenigen, die vom Naturell her dissoziale Persönlichkeitszüge aufweisen, die also per se zu Gewalttätigkeit oder Machtausübung neigen. Diese Männer üben dies nicht selten auch innerhalb der Familie aus. In solchen Konstellationen sind insbesondere Partnerinnen, in manchen Fällen auch die Kinder gefährdet. Natürlich muss man bei Gewalt in Beziehungen auch immer die individuelle Dynamik zwischen Täter und Opfer im Blick haben.



