Ein Mord, der nicht aufgeklärt werden kann, ein Verbrechen, bei dem der Täter nicht gefasst wird – ungelöste Fälle, sogenannte Cold Cases, bewegen die Menschen seit jeher. Viele dieser Taten bleiben scheinbar für immer im kollektiven Gedächtnis. Aber wie kommt es, dass so viele Verbrechen nicht aufgeklärt werden können? Was macht die Faszination an diesen ungeklärten Fällen aus? Und gibt es das „perfekte“ Verbrechen? Das erklärt der Wiesbadener Psychologe und Kriminologe Martin Rettenberger im Interview.

Auch interessant

Herr Rettenberger, warum faszinieren uns Cold Cases?

Martin Rettenberger: Es gibt verschiedene Aspekte. Diese Fälle haben etwas von einem ungelösten Rätsel, einem Geheimnis, dem man auf der Spur ist. Das ähnelt Kriminalfällen, die oft in Filmen oder Büchern thematisiert werden. Die reale Verbrechensbekämpfung gleicht hier stark der fiktionalen Darstellung von Verbrechen. Außerdem spielt in dem Zusammenhang das Bedürfnis nach Gerechtigkeit eine Rolle, dass solche Verbrechen nicht ungesühnt bleiben. Ermittlungserfolge sind dann ein Beweis, dass der Rechtsstaat funktioniert und dass Gerechtigkeit kein Ablaufdatum hat.