Nachdem das Ermittlungsverfahren gegen Rammsteins Frontsänger Till Lindemann wegen Sexualdelikten und der Abgabe von Betäubungsmitteln eingestellt wurde, füllt die Band weiter Stadien. Lindemann selbst hatte die Anschuldigungen ihm gegenüber bestritten. Medienwissenschaftler Christer Petersen ist Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Medienwissenschaften an der Brandenburgischen Technischen Universität und hat sich intensiv mit der Dynamik von Skandalen beschäftigt. Im Interview erklärt er, warum der öffentliche Aufschrei oft schnell verhallt.
Rammstein ist wieder auf Tour – mit Peniskanone und Hunderttausenden jubelnden Fans. Man könnte den Eindruck bekommen, dass es nie einen Skandal gegeben hätte.
Christer Petersen: Doch, den gab es. Ein moderner Skandal setzt sich letztendlich nur aus einigen wenigen Bestandteilen zusammen: Aus einem Skandalisierten, in den Fall Herr Lindemann, einem Skandalisierer, in einer modernen Mediengesellschaft immer auch die Massenmedien, die darüber berichten und den Skandal an das Publikum herantragen, und zuletzt etwas, worüber wir uns breit empören können, eine Normverletzung.



