Die letzten Fotos von Whitney Houston zeigen sie nach einem Clubbesuch im „Tru Hollywood“ mit verschwitztem Haar, vom Alkohol gezeichnet und taumelnd auf eine Freundin gestützt wenige Tage vor ihrem Tod. Nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Krönung der Peinlichkeiten hatte sie aber schon vorher mit ihrer letzten, verpatzten Tour 2010 abgeliefert.

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Statt frenetischen Applaus zu ernten wie in früheren Jahren, erhielt sie für suboptimale Performances mit krächzender Stimme gellende Pfiffe und wurde ausgebuht. Ein Desaster. Schlagzeilen wie „Houston, wir haben ein Problem... schon wieder!“ häuften sich. Der Absturz eines Superstars. Und der Abgesang auf eine einst strahlende Künstlerin, die mit ihrem einzigartigen Gesangsstil eine ganze Generation von erfolgreichen Sängerinnen wie Beyoncé geprägt hat.
Whitney Houston: Spuren von Kokain, Marihuana und Schlafmitteln
Am 9. August hätte Whitney Houston ihren 60. Geburtstag gefeiert. Doch sie starb mit nur 48 Jahren. Am 11. Februar 2012 wurde sie in der Badewanne ihres Hotelzimmers in Los Angeles leblos aufgefunden, kurz vor der Grammy-Verleihung. Laut der toxikologischen Befunde stand Whitney Houston bei ihrem Tod unter dem Einfluss von Kokain, Marihuana und verschiedenen Schlafmitteln. Natürlich kann man betrauern, dass sie so jung gestorben ist. Aber eigentlich war es ein Wunder, dass sie überhaupt so alt wurde.
Geboren im August 1963 in New Jersey sang Whitney Houston schon von klein auf. Dabei lernte sie viel von ihrer Mutter, der Gospelsängerin Cissy Houston. Diese war Chorleiterin der lokalen Ortskirche und förderte das große Talent ihrer Tochter, feilte an ihrer Gesangstechnik. Schon mit zwölf Jahren sang Whitney Solostücke – erste Vorboten einer Weltkarriere. Zugleich wurde aber auch der Grundstein für ihren Untergang gelegt, denn Whitney Houston nahm schon als Teenager regelmäßig Drogen. Bestens versorgt wurde sie damit von ihrem Bruder Michael.

Dennoch startete sie erst einmal eine Bilderbuchlaufbahn. Zunächst sammelte sie als Background-Sängerin und bei den unzähligen Nachtclub-Auftritten ihrer Mutter Erfahrungen. Parallel dazu arbeitete sie sie einige Jahre erfolgreich als Model. 1983 unterzeichnete sie ihren ersten Plattenvertrag bei Arista Records. Ihr Debütalbum „Whitney Houston“ verkaufte sich 1985 alleine in den USA über 13 Millionen Mal. Es folgten zahlreiche Chart-Platzierungen und ein erster Grammy als beste Popsängerin.
Whitney Houston: Im weißen Amerika ein Star, in der schwarzen Community verschmäht
Mit ihrer Fähigkeit, mühelos zwischen verschiedenen Genres wie Pop, R&B, Soul und Gospel zu wechseln, galt sie bald als „Jahrhundertstimme“. 1987 avancierte sie mit ihrem zweiten Album „Whitney“ endgültig zur Marke. Eine vorgebliche Sauberfrau, die sich vor allem beim weißen Publikum hervorragend vermarkten ließ.
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Vom schwarzen Amerika wurde sie dafür eher geschmäht. Der Community fehlte der Soul in der Stimme. Aber Whitney feierte Rekorde in Serie. In den 80er-Jahren erlangte sie in den USA sieben Nummer-Eins-Hits in Folge, was vor ihr noch niemand geschafft hatte. Im Laufe ihrer Karriere sollten es insgesamt elf Top-Platzierungen in den Charts werden. Bis heute hat die Sängerin über 200 Millionen Tonträger verkauft, womit sie sich einen Platz im Olymp der erfolgreichsten Musikerinnen aller Zeiten gesichert hat.
Houstons Schönheit und Talent blieben natürlich auch Hollywood nicht verborgen. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stand Whitney Houston 1992 neben Kevin Costner im Leinwandhit „Bodyguard“ vor der Kamera. Der Titelsong „I Will Always Love You“, im Original von Country-Ikone Dolly Parton (77) geschrieben und gesungen, wurde zu Whitney Houstons erfolgreichstem Hit. Ein Welterfolg und mit über 20 Millionen verkauften Exemplaren eine der meistverkauften Singles einer Solokünstlerin.
Doch während Whitney Houston beruflich einen Höhenflug erlebte, kämpfte sie hinter den Kulissen mit ihren Dämonen. Ihre Drogensucht sorgte für immer mehr Abstürze. Auf der Suche nach den Gründen dafür lüftete Filmemacher Kevin Macdonald in seiner Dokumentation „Whitney“ 2018 ein dunkles Geheimnis der Pop-Diva: Sie soll in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sein. Mutmaßliche Täterin war Dee Dee Warwick (1945 - 2008), die jüngere Schwester der 77-jährigen US-Sängerin Dionne Warwick und Cousine von Houston.
Whitney Houston: Die Beziehung zum Ehemann war von ständiger Gewalt geprägt
Der größte Brandbeschleuniger ihres künstlerischen und persönlichen Niedergangs war aber sicherlich Bobby Brown. Die 1992 geschlossene Ehe mit dem R&B-Sänger war der Inbegriff einer toxischen Beziehung. Weil er sich durch seine erfolgreiche Frau bedroht sah, versuchte sie sich kleiner zu machen. Außerdem kam durch ihn noch ein weiteres Gift in ihr Leben: Alkohol. Eine fatale Kombination mit den Drogen.

Der gemeinsame Sturz in die Sucht dauerte 14 Jahre und spielte sich bis ins Detail vor den Augen der Weltöffentlichkeit ab. Schließlich schaffte Whitney Houston es, sich von Brown und den Drogen zu lösen. Letzteres gelang allerdings nur teilweise, wie ihr Tod nahelegt. Zuvor lebte Whitney Houston in Leben wie eine Achterbahnfahrt – voller Glamour, wilder Kurvenfahrten und Abstürze. Unvergessen wird sie bleiben, weil sie über ein Jahrzehnt lang die weltweit beste Vokalistin war. Mit Hits, die schon zu ihren Lebzeiten Klassiker wurden.




