Als der neue Präsident am Ende der zweiten Staffel von „House of Cards“ auf den Schreibtisch des Oval Office klopft, hat das etwas sehr Beunruhigendes. Es ist mehr ein Hämmern, die Faust dabei angriffslustig geschlossen. In dieser Geste liegen Neuanfang und Zerstörung zugleich. Die positiven Möglichkeiten dieses Amtes und seine brutale Kraft.
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Der Schauspieler, der diesen zwiespältigen Dualismus der machtvollsten Präsidentschaft unserer Zeit unnachahmlich verkörperte, war . Zu einem Zeitpunkt, als niemand im Ernst an eine Kandidatur von Donald Trump gedacht hätte. 2013.
Serien wie „House of Cards“ sind große Kunst
Kevin Spacey in der Rolle des abgründigen US-Präsidenten, das war schauspielerisches Genie. Gerade deswegen gehört diese Serie neben „Homeland“, „Game of Thrones“ und „Breaking Bad“ in den Reigen der supererfolgreichen Produktionen. Allen ist gemein, dass Gut und Böse nicht immer zu trennen sind. Und die Identifikation mit dem Helden vom Drehbuch unterbunden wird. Damit sind diese Serien, ist diese Paraderolle des Kevin Spacey zeitloses Abbild unserer postmodernen Ja-und-Aber-Gesellschaft und damit: Kunst.
Spacey galt bis zum Bekanntwerden seiner sexuellen Übergriffe als einer der wichtigsten Schauspieler Hollywoods. Doch im Zuge der Veröffentlichungen um Produzent Harvey Weinstein – der Darstellerinnen nachstellte, sie bedrängte und sexuell missbraucht haben soll – erklärten auch mehrere junge Männer, Ähnliches mit Spacey erlebt zu haben. Der entschuldigte sich, outete sich als homosexuell. Kündigte an, eine Therapie anzugehen. Wird das der Wiederherstellung seiner Karriere, seines Rufes helfen?
Vorgehen erinnert an Kunstverbote aus anderen Zeiten
Im Moment nicht. Denn Kevin Spacey ist jetzt eine Persona non grata des Filmgeschäfts. Spätestens seit US-Regisseur Ridley Scott vor zwei Tagen verkündete – kurz vor dem Start seines neuen Filmes „Alles Geld der Welt“ – die Szenen, in denen Kevin Spacey auftritt, rauszuschneiden und mit einem anderen Darsteller neu zu drehen.

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Schon als der Bezahlsender Netflix vergangene Woche vermeldete, Spacey aus „House of Cards“ zu schmeißen und alle Verbindungen mit ihm aufzulösen und auch einen bereits gedrehten Film („Gore“) nicht zu veröffentlichen, kündigte sich das Ende seiner Karriere an. Und das ist nicht gerecht. Natürlich ist das, was Kevin Spacey im realen Leben anderen angetan hat, grausam, verachtungswürdig und – das wird zu prüfen sein – kriminell. Doch ihn nachträglich aus Filmen herauszustreichen, erinnert an Kunstverbote aus anderen Zeiten.
Zuschauer sollten selbst entscheiden
Sollten jetzt auch die Filme, die Weinstein produziert hat, auf dem Index stehen? Auch die Werke von Woody Allen, dem ein Gericht missbrauchendes und gefühlloses Verhalten seinen Kindern gegenüber bescheinigt hat? Sollten Auftritte des US-Komikers Louis C. K., der gern vor anderen onaniert, verboten werden? In die Reihe der Kunstschaffenden, die solche Verfehlungen vorweisen können, gehören auch Roman Polanski, Klaus Kinski, sogar einer der teuersten Maler aller Zeiten: Pablo Picasso.
Richtig ist, sexuelle Übergriffe anzuzeigen und ein System und eine Gesellschaft, das solche toleriert, zu entlarven. Aber die Motivation, Kevin Spacey aus aktuellen Produktionen zu streichen, ist keine Moralische. Es ist das gleiche Business, das vorher seine Überschreitungen geduldet hat, das jetzt leere Kinokassen befürchtet. Sein tiefer Fall ist damit von der Filmindustrie in vorauseilendem Gehorsam beschlossen und besiegelt.
Die Zuschauer allerdings sollten selbst entscheiden, ob sie Filme mit Kevin Spacey noch sehen möchten. Ob sie seine Kunst von seiner Person trennen können. Es ist schwierig.





