Die maltesische Journalistin Daphne Galizia ist Opfer eines gezielten Anschlags geworden. Regierungschef Joseph Muscat bestätigte, dass die 53-Jährige am Montag durch eine Autobombe in ihrem Wagen getötet wurde. „Das ist eine tückische Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit“, schrieb er auf Twitter. Muscat war zwischenzeitlich selbst im Fokus von Caruana Galizias Recherchen gestanden, die unter anderem an den „Panama Papers“ mitgearbeitet hatte.

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Caruana Galizia hatte zur Zeit des Anschlags an den sogenannten Malta Files gearbeitet, 150.000 vertrauliche Dokumente der maltesischen Finanzbehörden, die die Steuerhinterziehung von Privatleuten und EU-Unternehmen in großem Stil offenlegen.

Viele DAX-Firmen haben auf Malta Firmen

Viele Unternehmen haben auf Malta Briefkastenfirmen, darunter BMW, BASF und Lufthansa. Das an sich ist nicht illegal, solange die Unternehmen auch auf Malta tätig sind. Daran gibt es inzwischen jedoch berechtigte Zweifel.

Die „Politico“ bezeichnete Caruana Galizia in einem Porträt einmal als „one-woman WikiLeaks“ und nominierte sie als eine von 28 Europäer und Europäerinnen, die den Kontinent formten und aufwirbelten. Der Blog der politischen Journalistin hatte mehr Leser als die maltesischen Zeitungen zusammen.

Enthüllungsartikel über Frau des Regierungschefs

Caruana Galizia hatte mit einem Artikel über die Grenzen Maltas hinaus für Aufsehen gesorgt, indem sie schrieb, dass eine in den sogenannten „Panama Papers“ erwähnte Firma der Frau des Regierungschefs gehöre. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

Die Regierung von Malta war schon vor dem Artikel von dem Skandal um Briefkastenfirmen in Panama erfasst worden: Die Dokumente enthüllten unter anderem, dass Energieminister Konrad Mizzi und Muscats Kabinettschef Keith Schembri in Panama ihre eigenen geheimen Firmen aufgezogen hatten.

EU-Parlamentspräsident Tajani schockiert

Politiker haben mit Entsetzen auf den Anschlag reagiert. „Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen“, twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani.