In Europa scheint die Corona-Pandemie halbwegs überstanden. Die Impfkampagnen laufen auf Hochtouren, die Fallzahlen sinken, ein guter Sommer steht in Aussicht. Ein Blick in andere Teile der Welt aber zeigt, dass Sars-CoV-2 noch lange nicht ausgestanden ist. Eher im Gegenteil.
Corona in Vietnam: Schwerste Welle
Da wäre
etwa der heimliche Covid-Klassenprimus Vietnam. Das Land hatte lange Zeit
Erfolge im Kampf gegen das Virus gefeiert, wenige Staaten auf der Welt
verzeichnen so wenige Corona-Erkrankungen: Knapp 7500 waren es bisher, bei 96
Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Gut 3000 Erkrankungen ereigneten sich
allerdings seit Ende April – Vietnam kämpft mit seiner bislang schwersten
Welle, 47 Menschen starben bereits.
Der
Flughafen der Hauptstadt Hanoi musste vorübergehend die internationalen
Einreisen einstellen, nur Abflüge ins Ausland werden abgewickelt. Der Airport von Ho-Chi-Minh-Stadt unterliegt bereits seit
vergangener Woche den gleichen Regeln. In der Millionenmetropole werden nun
Massentests durchgeführt, 100.000 Menschen pro Tag sollen auf eine Infektion
überprüft werden.
In Vietnam
ist offiziellen Angaben zufolge eine neue Virus-Variante entdeckt worden. Der Gesundheitsminister des kommunistisch regierten Landes,
Nguyen Thanh Long, sagte nach Berichten von staatlichen Medien, die neue
Variante weise sowohl Eigenschaften der bisher bekannten britischen Form als
auch der indischen Form auf. Sie sei sehr leicht übertragbar, vor allem über
die Luft.
Malaysia und Corona: Düstere Zeiten im Anmarsch
Vietnams
kartografischer Nachbar Malaysia sieht nach ähnlich gutem Start nun ähnlich düsteren
Zeiten entgegen. Das Land kämpft
seit Wochen gegen seine bisher schwerste Corona-Welle
– ohne Erfolg.
Ab dem 1. Juni gehen 32 Millionen Menschen im Land nun in einen zunächst
zweiwöchigen “totalen Lockdown”, um Kontrolle über die Situation zu bekommen,
wie Ministerpräsident Muhyiddin Yassin am Freitag ankündigte. Er forderte die
Bevölkerung auf, in dieser Zeit soweit wie möglich zu Hause zu bleiben. Alle
“nicht-wesentlichen” Unternehmen und Geschäfte müssten schließen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Seit Tagen melden die Behörden des südostasiatischen Landes
Rekordwerte an Neuinfektionen. Im Mai zählten sie 163.644 neue Infektionen und
1290 Tote. Weniger als vier Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.
Wie Vietnam war Malaysia zunächst glimpflich durch die Pandemie gekommen.
Seit Oktober steigen die Zahlen jedoch.
- Aktuelle Lage: Corona-Varianten und Symptome im Überblick
- Corona-Variante: Auffälliges Symptom bei XEC – „Scheint die Menschen umzuhauen“
- Herbstwelle kommt: Alarmierende Studie zu neuer Corona-Variante
- Corona-Aufarbeitung: RKI-Files geleakt: Alter Spahn-Satz gerät wieder in den Fokus
- Medikament: Corona: Warum Ihr Arzt Ihnen kein Paxlovid verschreibt
Virus in Japan: Olympische Sturheit
Einigermaßen
bizarr ist die Situation in Japan. Das Land mit seinen 126 Millionen
Einwohnerinnen und Einwohnern trägt in diesem Jahr die Olympischen Spiele aus –
während sich das Coronavirus im Land weiter verbreitet. 24.520 Menschen
erkrankten alleine in der letzten Woche, wie aus den Daten der Johns Hopkins
Universität hervorgeht. Dem stehen nicht mal drei Prozent vollständig Geimpfte
entgegen; knapp 3,5 Millionen Impfdosen hat Japan bisher verspritzt.
Japans
Regierung aber, allen voran Ministerpräsident Yoshihide Suga, hält an den Spielen fest.
Noch im Januar hatte der erklärt, die Spiele würden als Beweis dienen,
“dass die Menschheit das Coronavirus besiegt hat”. Im gleichen Monat erfasste
das Land 154.355 neue Fälle und stellte damit seinen persönlichen Rekord auf.

Für Tokyo – Austragungsort der Spiele 2021 – verlängerte Suga den
Corona-Notstand unlängst bis zum 20. Juni, beteuerte am Dienstag aber, die
Spiele hätten keine Priorität. Es gelte vielmehr, “das Leben und die Gesundheit
der Menschen zu schützen”. So wird er in japanischen Medien zitiert.
Die Japanerinnen und Japaner wünschen sich unterdessen eine erneute Verschiebung der Olympiade:
Mehr als 80 Prozent gaben in Umfragen an, die Spiele sollten dieses Jahr nicht
stattfinden.
Corona in Russland: Impfmüdigkeit macht sich breit
In Russland
steigen aktuell die Infektionszahlen wieder. Das Land hatte mit Sputnik V den ersten Impfstoff
weltweit – die Impfkampagne aber lahmt gerade. Elf Prozent der Bevölkerung sind
ein erstes Mal geimpft, etwa zehn Prozent sind es laut dem staatlichen
Gamaleja-Institut vollständig. Knapp acht zählt die Johns Hopkins Universität.
In Russland gelten derzeit kaum Einschränkungen, gleichzeitig scheint die
Bevölkerung impfmüde. Vor allem in Moskau, wo Bürgermeister Sergej Sobjanin
unlängst deutlich wurde und schimpfte, obwohl genügend Impfstoff für die
kostenlose Impfkampagne vorhanden sei, läge der Prozentsatz an Geimpften unter
dem jeder anderen europäischen Stadt.
Dafür gibt
es in anderen Regionen Russlands offenbar überhaupt kein Vakzin, wie die ARD
berichtete. Offizielle Zahlen gebe es nicht, dafür liege die
Sputnik-V-Produktion weit hinter den selbstgesteckten Zielen zurück: 33
Millionen Dosen wurden hergestellt – eine Milliarde hätten es sein sollen.
- Zweiter Booster: So gut schützt die vierte Corona-Impfung mit Biontech und Moderna
- Auffrischung: Was für einen zweiten Corona-Booster spricht – und was dagegen
Argentinien und Corona: Copa América fällt aus
Und es sind
längst nicht nur asiatische Staaten, in denen das Virus in seinen Varianten
wieder auf dem Vormarsch scheint. Mal abgesehen von Großbritannien, das
Experten seit neuestem am Beginn einer dritten Welle fürchten, kämpft auch
Südamerika weiter gegen die Ausbreitung.
Über Argentinien etwa rollt die zweite
Welle derart heftig hinweg, dass das Land nun nicht mehr die Copa América
ausrichten kann. Zuvor hatte Kolumbien die Ausrichtung absagen müssen. "In Anbetracht der derzeitigen Umstände hat die Conmebol
beschlossen, die Organisation der Copa America in Argentinien abzusagen", schrieb der südamerikanische
Fußball-Verband Conmebol auf Twitter.
Die derzeitigen Umstände im Land bestehen laut Johns Hopkins Universität
unterdessen aus über 800.000 Neuinfektionen und 14.000 Toten allein im Mai, bei
knapp sechs Prozent vollständig Geimpften. Die harren zusammen mit ihren
Mitbürgerinnen und -bürgern in einem harten Lockdown aus.
Corona in Brasilien: Fußballmeisterschaft im Hotspot
Nun soll die traditionsreiche Kontinental-Meisterschaft in
Brasilien stattfinden. Die Entscheidung sorgte im Virusvariantengebiet prompt für
Kritik. "Es ist nicht die richtige Zeit dafür, wenn das Land gerade vor der
dritten Corona-Welle steht", sagte die Rektorin der medizinischen Fakultät an
der Universität von Porto Alegre, Lucia Pellanda, dem Nachrichtenportal G1.

Die
Epidemiologin Ethel Maciel von der staatlichen Universität in Espírito Santo
warnte: "Wir werden mehr Menschen einem Risiko aussetzen. Die brasilianische
Regierung macht erneut einen Fehler und gibt dem Rest der Welt ein schlechtes
Beispiel."
Brasilien bleibt weiterhin ein Brennpunkt der Corona-Pandemie:
Bislang haben sich im größten Land Südamerikas mehr als 16,5 Millionen
Menschen nachweislich infiziert, über 460.000 Menschen sind im Zusammenhang mit
Covid-19 gestorben.
- Medizinprodukte: Corona-Test abgelaufen – Kann man ihn noch benutzen?
- Richtiges Verhalten: Corona-positiv ohne Symptome – Kann ich arbeiten gehen?
- Infektion: Corona-Test ist positiv? Das müssen Sie jetzt tun
Afrika und das Virus: Pandemie macht Menschen wieder arm
Als die Pandemie im März 2020 über den Globus schwappte, galten viele Sorgen dem afrikanischen Kontinent. Zu dem Zeitpunkt zählte Afrika insgesamt 47 Infektionen – inzwischen sind es über eine Millionen Mal so viele: 4,8 Millionen Fälle verzeichnet das Covid-19-Dashboard der Afrikanischen Behörde für Krankheitsbekämpfung (Africa CDC) aktuell, 130.814 Todesfälle und knapp 4,4 Millionen Genesungen. Das Virus hat Afrika scheinbar längst nicht so schwer getroffen, wie befürchtet.
Das gilt allerdings nur nach den üblichen Maßstäben, in denen der Kampf gegen Covid-19 gemessen wird. Schon ein Blick auf die Wirtschaft des Kontinents zeigt hingegen, dass dieser noch lange mit den Folgen der Pandemie kämpfen wird. Die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam etwa fürchtet, dass die Pandemie in manchen Regionen Afrikas den Kampf gegen Armut um 30 Jahre zurückgeworfen hat.
Anja Osterhaus, Programmleiterin für Oxfam Deutschland, sagte der "Deutschen Welle" im März dazu: "Ein Einkommensrückgang der Haushalte um 20 Prozent würde dazu führen, dass weltweit über 400 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze von 1,90 US-Dollar pro Tag rutschen." Ein viertel davon lebten in Afrika, südlich der Sahara. (mit dpa)



