Künftig müssen sich deutsche Filme genau überlegen, wie viel englischen Dialog sie unterbringen. Zumindest wenn sie als Kandidat ins Rennen um den Auslandsoscar gehen wollen. Die Fachbezeichnung heißt ja „Bester nicht-englischsprachiger Film“, und die Film Academy in Los Angeles hat klar beziffert, was das bedeutet: In einem solchen dürfen maximal 40 Minuten Englisch gesprochen werden.
Das wurde „Victoria“, dem mutigsten und stärksten deutschen Film des Jahres, zum Verhängnis. In Sebastian Schippers Ode an Berlin, die sechs Lolas gewann, wird nämlich 49 Prozent Englisch gesprochen. Damit flog er, als einer von acht Kandidaten, aus dem Rennen.
Wie German Films am Donnerstag verkündete, soll nun „Im Labyrinth des Schweigens“ von Giulio Ricciarelli als deutscher Vorschlag für den Auslandsoscar eingereicht werden. Es ist die kleine Lösung: Das Drama arbeitet zwar ein großes Thema auf, die Frankfurter Auschwitz-Prozesse, und ist mit dem Berliner Alexander Fehling stark besetzt – das Ganze ist aber brav inszeniert wie Telekolleg und muss obendrein, was ärgerlich ist, über eine Liebesgeschichte erzählt werden.
Im Zweifelsfall neigt die deutsche Auswahljury immer eher zu historischen Themen als zu mutigen Gegenwartsstoffen. Ob die Academy den Film am 16. Januar wirklich unter die fünf Nominierten wählt, darf eher bezweifelt werden.
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