Zehn Jahre Pyronale – das ist eine Erfolgsstory mit Knalleffekt. Eine, die jedoch eher zufällig zustande kam. „Es war bei Cinema for Peace 2005“, erinnert sich Gerhard Kämpfe. „Mein Geschäftspartner Mario Hempel saß dort zusammen mit den Scorpions und dem Geschäftsführer des Olympiastadions, Peter Löbbecke. Es ging um die Frage, was man in diesem wunderschönen sanierten Stadion nach der Fußball-WM 2006 alles veranstalten könnte.“ Der Feuerwerker-Wettbewerb war eine der daraufhin mit Mario Hempel entwickelten Ideen.

Das Classic Open Air als Inspirationsquelle

Inspiration dafür war das Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt mit Feuerwerk am ersten Abend. „Ich muss da wirklich Mario Hempel herausstellen. Hätte er nicht umgehend reagiert und mit der Gründung der Firma Pyronale Events die Grundlagen geschaffen, würde es die Pyronale heute gar nicht geben“, sagt Gerhard Kämpfe. Die vielleicht wichtigste Entscheidung danach war, die Pyronale von einem normalen Feuerwerk abzugrenzen. „Wir haben deswegen den Wettbewerbscharakter in den Vordergrund gestellt.“

Als die Italiener gegen alle Vorgaben verstießen

Dass das ernst gemeint und die daran geknüpften Vorgaben nicht nur leere Worte waren, musste ein Team schon beim zweiten Contest leidvoll erfahren – das italienische von Parente Fireworks. „Das ist eine große Firma, die schon seit rund 150 Jahren existiert. Sie sind wirklich fantastisch, und die Wettbewerbe, an denen sie teilnehmen, gewinnen sie im Normalfall“, so der künstlerische Direktor. Nicht so in Berlin 2007. Der Auftritt war zwar schön anzusehen, dennoch ein Rohrkrepierer, weil gegen sämtliche Vorgaben verstoßen wurde.

Es begann mit den Farben. „Sie missachteten die Vorgaben und schossen stattdessen ihre nationalen Farben. Eine weitere Vorgabe war, fünf Boden-Elemente zu integrieren. Sie hatten nur drei. Und schließlich war es verboten, Blitzknalleffekte einzusetzen, also Effekte, die nur laut sind, aber keine Leuchtbilder erzeugen. Sie zündeten gleich vier. Dafür gab es von der Jury kräftige Punktabzüge, und das Team kam nicht einmal unter die Top-Drei.“

Seitdem bereiten sich die Teams immer sehr gut vor

Das Los der daraufhin leicht verstimmten Italiener hatte aber für die Pyronale einen positiven Effekt. Dass man strikt auf die Einhaltung der Regularien achte und Gewinner nicht nach deren Popularität küre, habe sich weltweit sehr schnell herumgesprochen. „Seitdem hatten wir so etwas auch nicht mehr. Alle Teams sind immer extrem gut vorbereitet“, erinnert sich Kämpfe.

Das gilt auch für die Technik. Diesbezüglich konnten nachfolgende Mannschaften vom Schicksal der bedauernswerten Briten von Pyrovision Ltd. lernen. Gleich bei der Pyronale-Premiere wollte die Truppe zeigen, warum man unter anderem alle großen pyrotechnischen Events für das britische Königshaus ausrichtet. Ein kleiner, das Feuerwerk zündende Computer verhinderte den vollständigen Exzellenz-Beweis. Bei der Kür machte er schlapp. Zwar war die über das separate Mischpult gesteuerte Musik rund um das Maifeld zu hören, jedoch zündete keine einzige Rakete: Der Akku des Computers war nicht aufgeladen und hatte schlapp gemacht.

Ein überraschender Heiratsantrag

Noch etwas Herzerwärmendes: „Bei der dritten oder vierten Pyronale hatte sich ein junger Mann bis zu mir durchgefleht“, so Kämpfe. „Er wolle unbedingt hier und heute seiner Herzdame einen Heiratsantrag machen. Normalerweise machen wir so etwas nicht, aber er war so sympathisch, dass wir nicht ‚nein’ sagen konnten. Also machte er vor der Show von der Bühne seinen Heiratsantrag.“ Und die Angebetete? Sie sagte „ja“!