Die Mannschaft von Hertha BSC schuftete auf den vielen Zuschauerrängen auf der Rückseite des Glockenturms. Niedrige Stufen, normale Stufen, hohe Stufen – Konditionstrainer Henrik Kuchno hatte ein schweißtreibendes Program zusammengestellt. „Alles athletisch, alles koordinativ“, erklärte Trainer Pal Dardai. „Es geht um die Kraft beim Antritt auf den ersten fünf Metern.“
Einer war nicht dabei: Ronny. Der Spielmacher mit der großen Begabung und der fehlenden Dynamik laboriert an Achillessehnen-Problemen. Die hatten schon beim Konditionstrainingslager am Scharmützelsee dazu geführt, dass er die meisten Einheiten verpasst hatte.
29 Jahre ist Ronny mittlerweile, er hat einen Vertrag bei Hertha bis 2017. Wie es aussieht, wird er jedoch nicht mehr im blau-weißen Trikot spielen. Allerdings hat sich der vorgesehene Wechsel nach China zerschlagen. Der Klub Changchun Yatai hatte über einen Mittelsmann Hertha zwei Millionen Euro Ablöse geboten. „Ich hätte das gern gesehen“, sagte Dino Lamberti, der Berater des Brasilianers. „In China werden die Spieler viel kontrolliert und haben nicht viel Freizeit. Das wäre gut für Ronny.“
Doch der Kontakt riss ab. Um Mitternacht zum Montag schloss in China die Transferliste. Damit ist der Wechsel geplatzt. Das bestätigte Hertha-Manager Michael Preetz der Morgenpost.
Der Hauptstadt-Klub hat großes Interesse, Ronny von der Gehaltsliste zu bekommen. Dessen Jahressalär wird auf 1,5 Millionen Euro taxiert. Dem Vernehmen nach haben auch Vereine aus den Vereinigten Emiraten sowie Al-Wahda Dubai ein Auge auf Ronny geworfen. Doch sein Ruf hat sich herumgesprochen. Der beinhaltet nicht nur Freistoß-Tore und gefährliche Distanzschüsse, sondern halt auch Probleme mit Tempo, Dynamik und Gewicht.
Manger Preetz arbeitet mit Hochdruck in zwei Richtungen. Neben Ronny sollen auch Sandro Wagner, Johannes van den Bergh und Rune Jarstein Berlin verlassen. Auf der anderen Seite braucht Hertha, das nur knapp die Bundesliga gehalten hat, Verstärkungen: in der Innenverteidigung, im offensiven Mittelfeld, im Sturm und auf den Außenbahnen. Trainer Pal Dardai hatte sich gewünscht, dass er 95 Prozent des Kaders zusammen hat, wenn es ins zweite Trainingslager geht. Die Reise nach Schladming/Steiermark beginnt Sonntag.

