Fernsehen

Das sind die TV-Höhepunkte zu Weihnachten

Blockbuster bei den Privaten, Helene Fischer im ZDF: Die Sender setzen auf Bewährtes. Auch die flächendeckende Versorgung mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist sichergestellt.

Foto: DB WDR,Degeto / dpa

Zuerst die Entwarnung: Die ARD hat auch in diesem Jahr die flächendeckende Versorgung mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sichergestellt. Insgesamt 16-mal wird die tschechoslowakische Produktion von 1973 im Ersten und den regionalen Funkhäusern ausgestrahlt (Das Erste: Heiligabend, 12.15 Uhr; rbb: 26.12., 9 Uhr). Der Film mit Libuše Šafránková und Pavel Trávníček dürfte damit zu den meistgespielten Produktionen im deutschsprachigen Fernsehen zählen.

Melodramatik auf hoher See

Dennoch bleibt die Frage: Wer schaltet eigentlich an den Feiertagen überhaupt den Fernseher ein? Wer lässt beispielsweise am ersten Weihnachtsfeiertag die Festgans Festgans sein oder verspeist sie schon zur frühen Stunde, nur weil Sascha Hehn und Heide Keller mit dem ZDF-„Traumschiff“ Mauritius erkunden? Versuchen wir das Thema zunächst vorsichtig zu umkurven und sehen wir nach, wie viele Menschen das Weihnachtsprogramm überhaupt von anderen Dingen des Lebens abhält – oder, in glücklicheren Fällen, davor bewahrt.

Im vergangenen Jahr war am ersten Weihnachtsfeiertag die „Helene Fischer Show“ mit 4,92 Millionen Zuschauern der strahlende Sieger der Weihnachtszeit. Das ZDF geht am selben Tag erneut mit Helene Fischer an den Start (20.15 Uhr). Der Sender wirbt im Netz mit einer „perfekten Show“, in der sich unter anderem Star-Tenor Jonas Kaufmann „angekündigt“ habe – allerdings wird man diesmal offensiver als sonst einräumen müssen, dass die Sendung eine Aufzeichnung ist. Unter den Gästen befindet sich nämlich der am Sonntag überraschend verstorbene Udo Jürgens, der nun post mortem noch einmal auf den Bildschirmen zu sehen sein wird.

Kreuzfahrten bis zum Abwinken

Versucht man aus der ZDF-Programmgestaltung die Bedürfnisse der Zielgruppe zu folgern, dann kann man es vielleicht so zusammenfassen: hohe Heile-Welt-Affinität mit erstaunlich ausgeprägtem Agentenfilm-Fimmel. Der heilen Welt wird nicht nur durch Helene Fischer, sondern auch durch die Sendung „Heiligabend mit Carmen Nebel“ (20.15 Uhr) zu ihrem Recht verholfen – nicht zu vergessen durch einen Kreuzfahrtexzess am 26. Dezember („Das Traumschiff“, 20.15 Uhr, „Kreuzfahrt ins Glück“, 21.45 Uhr, „Das Traumschiff – Spezial“, 23.15 Uhr). Dieser nimmt sich etwas seltsam aus, wenn man bedenkt, dass sich die reale „MS Deutschland“ kürzlich in die Insolvenz verabschiedet hat. Und die Agentenfilme flimmern in Gestalt der vorhersehbaren James-Bond-Wiederholungen über die Schirme: das sattsam bekannte „Diamantenfieber“ am ersten Feiertag (23.20 Uhr), „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ am zweiten Feiertag (23.50 Uhr) und der ebenfalls nicht mehr ganz taufrische „Casino Royale“ am anschließenden Sonnabend (20.15 Uhr). Wiederholungen und zahme Melodramatik auf hoher See: Eine risikofreudige Programmgestaltung sieht wirklich anders aus.

Verglichen damit nimmt sich das Angebot der ARD fast wagemutig aus. Neben der bereits gestarteten, übrigens durchaus sehenswerten BBC-Serie „Die Musketiere“ (am Dienstag, Heiligabend und beide Feiertage, jeweils 21.45 Uhr) setzt das Erste auf drei deutsche Filmproduktionen in Serie, die jeweils um 20.15 Uhr an den Start gehen: darunter die Jutta-Speidel-Henry-Hübchen-Komödie „Weihnachten … ohne mich, mein Schatz“, die Heiligabend ausgestrahlt wird, und der Saarland-„Tatort“ mit dem passenden Titel „Weihnachtsgeld“ am zweiten Weihnachtsfeiertag (20.15 Uhr). Will man auch den typischen Zuschauer des Ersten bestimmen, dann scheint er etwas abwechslungsbedürftiger zu sein als sein Pendant beim anderen öffentlich-rechtlichen Sender – aber auch er hat vermutlich die berühmte Altersgruppe zwischen 14 und 49 Jahren überschritten, die von Marketingstrategen für besonders relevant gehalten wird.

Blockbuster bei den Privaten

Um die Vertreter dieser Gruppe buhlen dann die privaten Sender mit prominent besetzten Blockbustern. Pro7 lässt Johnny Depp als Captain Jack Sparrow im vierten Teil der „Fluch der Karibik“-Reihe gegen Zombies antreten (25.12., 20.15 Uhr), Sat.1 versucht es am selben Tag mit dem ebenfalls vierten Teil der „Ice Age“-Animationssaga (20.15 Uhr) und gleich im Anschluss mit der Suffkomödie „Hangover“ (21.55 Uhr). Der schönste Film läuft dann aber wieder im öffentlich-rechtlichen Programm: „The King’s Speech“ mit Colin Firth (3Sat, 25.12., 20.10 Uhr).