Nach dem Massaker eines US-Soldaten an 16 Zivilisten in Afghanistan ist der mutmaßliche Amokschütze außer Landes gebracht worden. Der Soldat sei zu einer „geeigneten Arresteinrichtung“ außerhalb Afghanistans geflogen worden, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby dem US-Sender Fox News. Wohin genau der Mann gebracht wurde, wollte er nicht sagen.
Nach Informationen des Senders CNN befindet sich der mutmaßliche Amokschütze in einer US-Militärbasis in Kuwait. Dort gebe es auch entsprechende Einrichtungen der US-Militärjustiz, hieß es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen im Verteidigungsministerium.
Die generelle Entscheidung der Verlegung sei vom zuständigen General John Allen auf Grundlage einer juristischen Empfehlung gefällt worden, sagte ein US-Regierungsvertreter.
Der US-Soldat, dessen Identität noch nicht bekanntgegeben wurde, soll am vergangenen Sonntag in mehreren Häusern in der Nähe seines Stützpunktes in der südafghanischen Provinz Kandahar mindestens 16 Zivilisten getötet haben, darunter nach afghanischen Angaben auch neun Kinder.
Afghanische Stellen hätten sich beunruhigt über die Verlegung des Soldaten gezeigt, meldete CNN unter Berufung auf die Nato. Das afghanische Parlament hatte gefordert, den Schützen vor ein öffentliches Tribunal zu stellen. Die USA wollen die Untersuchung und die strafrechtliche Verfolgung jedoch nicht aus der Hand geben. In Nato-Kreisen hatte es zuvor wiederholt geheißen, dem Täter werde der Prozess unabhängig vom Gerichtsort nach US-Recht gemacht. Dem Soldaten könnte die Todesstrafe drohen.
Die US-Regierung habe die afghanischen Behörden „bis hoch zu Präsident (Hamid) Karsai über den Transfer auf dem Laufenden gehalten“, sagte Kirby. Die afghanischen Stellen hätten gewusst, dass man den Soldaten außer Landes bringen werde. „Und sie wissen, warum wir das tun“, so der Pentagon-Sprecher weiter.
Tausend Afghanen protestieren gegen Amoklauf
Aus Protest gegen den Amoklauf gingen derweil rund tausend Menschen auf die Straße. Die Demonstranten in der Stadt Kalat in der Provinz Sabul riefen anti-amerikanische Slogans und forderten einen öffentlichen Prozess für den Soldaten, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Provinz grenzt an Kandahar, wo sich der Amoklauf ereignet hatte.
Um die angespannte Lage zu beruhigen, wollen US-Verteidigungsminister Leon Panetta und der afghanische Präsident Hamid Karsai am Donnerstag zusammentreffen. Bei der Landung Panettas im britischen US-Militärlager Camp Bastion im Süden des Landes war am Mittwoch ein Fahrzeug auf die Landebahn gefahren und in Flammen aufgegangen. Bei dem Vorfall handelte es sich offenbar um einen Anschlagsversuch.
Obama – Kein rascherer Afghanistan-Abzug geplant
Der Amoklauf hatte auch zu Spekulationen über einen beschleunigten Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan geführt. Die USA, Großbritannien und Deutschland versicherten jedoch, an dem Zeitplan festzuhalten, den Nato-Kampfeinsatz bis 2014 zu beenden. So wies unter anderem US-Präsident Barack Obama Spekulationen über einen schnelleren Abzug deutlich zurück.
Er rechne nicht mit plötzlichen Änderungen an den bisherigen Plänen, sagte Obama am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron in Washington.
Die USA und Großbritannien als wichtigste Truppensteller würden den Einsatz verantwortungsvoll beenden wollen.
Obama betonte, in den kommenden Monaten würde ausreichend Soldaten am Hindukusch stationiert sein, um den radikal-islamischen Taliban klarzumachen, dass ihr Kampf keinen neuen Schwung erhalten werde.
dpa/AFP/Reuters/mcz

