Wer in Südchinas Küstenprovinz Guangdong „Hot Pot“ bestellt, der sollte wissen, dass in dem Topf so alles Mögliche mitgekocht wird. Im Fall des lokalen Guangdonger Volkskongressabgeordneten und Millionärs Long Liyuan war es neben Katzenfleisch auch noch ein ominöses Kraut namens „Duanchangcao“.
Eine Abart dieser Pflanze (Gelsemium elegans) wächst in Südchina. Sie dient in der traditionellen chinesischen Pflanzenmedizin als Heilmittel gegen Hautausschläge und steht im uralten Arzneibuch „Shennong Benzaojing“. Doch vor ihr wird auch gewarnt. Die Stoffe, mit denen sich die Pflanze gegen Ungezieferbefall schützt, sind hoch dosiert lebensgefährlich. Sie ist die Nummer eins unter den zehn giftigsten Arzneikräutern Chinas. Ihr Gift schmeckt leicht bitter. In einem Fleischragout mit grünem Youmai-Gemüse und Hühnerfleisch geht der Nebengeschmack aber unter.
Giftanschlag beim Business-Lunch
Das soll sich zumindest der ländliche Funktionär Huang Guang erhofft haben, ein Amtsträger aus der Landgemeinde Bajia in Südwesten Guangdongs und jahrelanger Geschäftspartner des 49-jährigen Long Liyuan, der seinen Reichtum mit Forstwirtschaft verdiente. Funktionär Huang ebnete ihm in Bajia viele Wege, recherchierte die Parteizeitung „Nanfang Daily“.
Zu dritt hatten sich Huang, Millionär Long und dessen Freund am Vorabend vor Weihnachten zum Business Lunch nach Guangdong-Art verabredet. Dort isst man bekanntlich noch immer alles, was vier Beine hat außer Tische, was fliegt außer Flugzeuge und was schwimmt außer Schiffe.
Die drei waren Stammkunden des Hot-Pot-Restaurants von Baijia, dessen Spezialität Katzeneintopf ist. Diesmal waren die Köche angeblich nicht schnell genug, die Delikatesse zuzubereiten. Funktionär Huang ging in der Küche, um nach dem Rechten zu schauen. Er blieb zehn Minuten dort, vermutlich, um im unbemerkten Augenblick das Pflanzengift in die Brühe zu schütten. Das nimmt die Polizei an, die den Funktionär in Gewahrsam hält.
Als das Essen kam, kostete Huang selbst nur wenig. Auch Longs Freund fand das Essen zu bitter und ließ es nach ein paar Happen stehen. Nur Long langte zu. Bald wurde ihm schwindlig, er musste sich übergeben und wurde eiligst ins Hospital nebenan gebracht. 20 Minuten nach Ankunft war er tot.
Der Millionär aß gerne Katzen
Zuvor hatte er, unfähig zu sprechen, noch auf den Funktionär gedeutet. Seinen beiden Tischkumpanen wurde auch schlecht. Sie mussten wegen leichter Vergiftung behandelt werden. Der mutmaßliche Täter hatte selbst vom vergifteten Gericht probiert, um auch mit zu erkranken. Auf ihn fiel aber bald ein massiver Verdacht. Die Verwandten des Millionärs hatten am 26. Dezember umgerechnet 12.000 Euro Belohnung ausgesetzt, um dessen „merkwürdigen“ Tod aufzuklären. Sie erhielten Hinweise auf eine Krise in den Geschäftsbeziehungen zwischen Funktionär und Millionär.
Millionär Long war für wohltätige Spenden und als Arbeitgeber in der Region bekannt. Das Bedauern über seinen Tod hielt sich außerhalb Guangdongs allerdings von Anfang an in Grenzen. Weil er Katzen aß. „Geschieht ihm recht“, kommentierten Blogger und jubelten über die amtliche Schließung des Restaurants wegen Hygienemangel, als sie noch nicht wussten, dass Gift im Spiel war.
China ändert seine Sitten. Der Verzehr von Hunden wird immer mehr geächtet. Katzenfleisch zu essen aber verurteilten schon früher im Norden lebende Chinesen als ekelhaft.
Die größte Kantoner Boulevardzeitung „Yangcheng Wanbao“ prangerte nun an, dass im Winter noch immer täglich Tausende Katzen in den Kochtöpfen der riesigen Provinz enden, die mehr Bewohner als ganz Deutschland hat. Aus dem unappetitlichen Gelage aber wurde nun der Giftmord eines Funktionärs an einem Millionär, bei dem sich ein Sumpf an Korruption auftut. Huang soll Forstdeals für Long im Wert von rund 400.000 Euro abgewickelt haben.
Am Ende hatte er sich in Spielschulden verstrickt und fand keinen anderen Ausweg.
![CHN, 2003: Lebende Hauskatzen (Felis silvestris) werden auf einem dem Markt zum Verzehr angeboten. [en] Living Domestic Cats (Felis silvestris) for sale at a food market. | CHN, 2003: Living Domestic Cats (Felis silvestris) for sale at a food market. CHN, 2003: Lebende Hauskatzen (Felis silvestris) werden auf einem dem Markt zum Verzehr angeboten. [en] Living Domestic Cats (Felis silvestris) for sale at a food market. | CHN, 2003: Living Domestic Cats (Felis silvestris) for sale at a food market.](https://img.sparknews.funkemedien.de/105857123/105857123_1423546124_v16_9_1200.jpeg)

